Eishockey-Nationalteam: „Haben die Mission super erfüllt“

Interview: Ex-Husky Abstreiter war Co-Trainer bei der Olympiaqualifikation

+
Die Olympiaqualifikation ist geschafft: Jubelnd springen die deutschen SpielerYannic Seidenberg und Marcel Goc neben Siegtorschütze Tom Kühnhackl (von rechts) in Riga über die Bande aufs Eis.

Kassel. Mittendrin statt nur dabei: Tobias Abstreiter, einst Kapitän der Kassel Huskies, feierte als Co-Trainer der Eishockey-Nationalmannschaft mit dem Team in Riga den 3:2-Sieg über die Letten und damit die Olympia-Qualifikation für Pyeongchang 2018.

„Wir haben unsere schwere Mission super erfüllt“, sagte der 45-Jährige im Interview am Tag danach.

Herr Abstreiter, sie klingen etwas müde am Telefon?

Tobias Abstreiter: Na ja, wir haben nach dem Spiel noch nett zusammengesessen. Aber ein paar Stunden Schlaf waren schon noch drin.

War die Feier so schön, weil großer Druck abgefallen ist? 

Abstreiter: Ja, sicher. Das Team hat einen starken Auftritt gezeigt. Alles hat gepasst. Wir haben unsere schwere Mission super erfüllt, darauf können wir zurecht stolz sein.

Warum war die Mission Olympia so schwer? 

Abstreiter: Für das gesamte deutsche Eishockey war es ganz wichtig, nach dem Fehlen 2014 bei den nächsten Winterspielen wieder dabeizusein. Diesen Druck haben wir alle gespürt, auch im Umfeld waren die Leute sehr angespannt vor und während des Turniers. Und als die Letten aus dem 0:2 ein 2:2 machten, da hätte das letzte Spiel auch kippen können.

Was waren die Grundlagen zum Turniersieg? 

Abstreiter: Teamgeist, Wille, individuelle Klasse und starkes Powerplay. Und die super Vorbereitung. Gemeinsam haben wir alle schon seit Monaten auf Riga hingearbeitet. Das Team hat ja erst Mitte Mai sein letztes WM-Spiel in Moskau bestritten, danach war der Urlaub außergewöhnlich kurz. Die Saisonvorbereitung begann viel früher, die Spieler mussten viel schneller und eher wieder auf Topniveau sein als üblich.

Trainer Marco Sturm, sie als Co-Trainer und Tom Kühnhackl als Schütze des Siegtores sind alle Landshuter. Zufall? 

Abstreiter: Ja. Denn im DEB-Team spürt man bei jedem - auch bei den Betreuern - den Stolz, für Deutschland dabei zu sein. Diese Jungs zerreißen sich, zeigen Herz und Leidenschaft. Da brennt jeder in jedem Spiel.

Den Eindruck hatte man früher bei einzelnen Absagen nicht immer. Welche Rolle spielt Marco Sturm? Sein Vertrag als Bundestrainer hat sich nun automatisch verlängert. 

Abstreiter: Marco ist ein Glücksgriff, absolut. Er ist mit seiner NHL-Erfahrung prädestiniert für die Rolle als Vorreiter. Auch wenn er noch wenig Erfahrung hat als Trainer, so ist er doch in allen Bereichen schon top - Coaching, Motivation, Trainingsleitung. Die Spieler blicken zu ihm auf, erleben ihn vor allem mit seinem Charakter als großartiges Vorbild. Und jeder im Tross würde für den Marco durchs Feuer gehen.

Wie sieht ihre Zukunft aus? 

Abstreiter: Mein Vertrag als Co-Trainer bei der Düsseldorfer EG läuft noch bis 2019, für das Nationalteam werde ich vom Verband von Turnier zu Turnier engagiert. Aber zusammen macht es Spaß, wir haben Erfolg - es gibt für mich keinen Grund, etwas zu ändern.

Und wie ist es ums Team bestellt? Mit sieben NHL-Spielern war es das beste aller Zeiten. 

Abstreiter: Ich hoffe sehr, dass die NHL für Olympia im Februar 2018 wieder eine Spielpause einlegt, damit in Südkorea die besten Spieler der Welt dabei sein können. Die Entscheidung könnte es noch in diesem Herbst geben. Und was unser Team angeht, da bin ich sehr zuversichtlich. Die meisten Jungs haben ihren Leistungszenit noch längst nicht erreicht. Wir haben ein stabiles Gerüst und eine gute Perspektive für die WM 2017 im eigenen Land und auf längere Sicht.

Ist die Olympiaquali also der Auftakt für neue Erfolge? 

Abstreiter: Wir alle hoffen und wünschen das. Sie gibt die Chance für neue Aufbruchstimmung, die uns endlich einmal auch länger tragen kann im deutschen Eishockey. Aber dafür müssen wir es im Verband schaffen, eine Euphorie bis in die Vereine und Jugendabteilungen zu entfachen.

Zur Person

Tobias Abstreiter (46) hat als Mittelstürmer von 1986 bis 2008 insgesamt 988 Erstliga-Spiele bestritten - davon 676 in der DEL und 473 für die Kassel Huskies (1998 - 2006), deren Kapitän er auch einige Jahre war. „Käpt’n Tobi“ trug 312 Mal das Trikot des Nationalteams. Mit Ehefrau Lilja sowie den Söhnen Leon und Jona lebt er in seiner Heimatstadt Landshut.

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.