Freut sich jetzt auf Usain Bolt

Interview: Fußballprofi Grischa Prömel kam ganz plötzlich zu Olympia

Plötzlich bei Olympia: Fußball-Profi Grischa Prömel vom Karlsruher SC. Foto: dpa

Kassel. Manche Sportler trainieren ihr ganzes Leben lang dafür, einmal bei den Olympischen Spielen teilnehmen zu dürfen. Manche kommen zu Olympia eher wie die Jungfrau zum Kinde.

Zu ihnen zählt mit Grischa Prömel auch ein Fußballer, der in Rio für das deutsche Team aufläuft. Weil viele Kollegen auch wegen des Drucks ihrer Vereine absagten, darf der 21 Jahre Mittelfeldspieler vom Zweitligisten Karlsruher SC mit nach Rio. Vor einem Vierteljahr hätte damit noch keiner gerechnet – er selbst auch nicht. Ein kurioser Fall, der zeigt, dass Olympia manchmal ganz plötzlich kommt. Prömel macht der Termin auch zu schaffen, er freut sich aber auf das Großereignis.

Herr Prömel, der Golfer Martin Kaymer hat jüngst erzählt, sein Olympia-Gefühl wäre aufgekommen, als er die Olympia-Klamotten gewaschen und aufgehängt habe. Haben Sie auch schon solch ein Olympia-Gefühl? 

Prömel: Natürlich. Gerade auch, weil in den Medien jetzt immer mehr über die Olympischen Spiele berichtet wird. Ich habe zum Beispiel das ZDF-Sportstudio gesehen, als Martin Kaymer zu Gast gewesen ist. So komme ich auch langsam in diese Stimmung.

Haben Sie denn überhaupt schon Ihre Olympia-Klamotten? 

Prömel: Das noch nicht. Aber wir treffen uns am Donnerstag beim Deutschen Fußball-Bund, und da werden wir dann auch eingekleidet. Anschließend bleiben wir noch zwei Tage in Frankfurt, ehe es nach Brasilien geht.

Selbst die Fußball-Experten waren erstaunt, dass Sie zum Olympiateam gehören. Hat Sie Ihre Nominierung selbst überrascht? 

Prömel: Das schon, weil ich bis jetzt noch kein Spiel für die U 21 bestritten habe. Umso erfreuter bin ich jetzt, dass ich dabei bin. Wobei man sagen muss: Ich war ja kurz vorher bereits in einem Pool mit möglichen Kandidaten für Olympia. Meine Nominierung kommt also nicht ganz aus heiterem Himmel, und ich wusste, dass es passieren kann und ich das Glück haben könnte, mit nach Brasilien fahren zu dürfen.

Vielen Fußballern kommt dieses Turnier gar nicht so gelegen, manche sind aus Termingründen deshalb gar nicht dabei. Wie stellt sich die Situation bei Ihnen dar? 

Prömel: Olympia ist für mich als Zweitliga-Profi schon in einer ungünstigen Phase. Ich verpasse wichtige Teile der Vorbereitung, zwei Ligaspiele und ein Pokalspiel. Wenn ich es mir also aussuchen könnte, wäre es mir lieber, wenn Olympia zu einer anderen Zeit stattfände. Aber das lässt sich nicht ändern.

Welchen Stellenwert hat denn dann Olympia für Sie? 

Prömel: Olympia ist die größte Sportveranstaltung der Welt, und die Spiele üben auch auf mich einen großen Reiz aus. Ich bin generell ein großer Sportfan und verfolge eigentlich alles bei Olympia – vor allem das Schwimmen und die Leichtathletik. Usain Bolt und Michael Phelps, das sind einfach die größten Athleten. Mit ihnen bei ein und denselben Spielen zu sein, ist schon toll. Deshalb hat die Teilnahme bei Olympia für mich noch einmal einen höheren Stellenwert als die bei der U-20-WM im vergangenen Jahr in Neuseeland. Ich merke auch, dass das mediale Interesse noch einmal größer ist.

Haben Sie als Kind denn bei Olympia vor dem Fernseher gesessen und sich gesagt: Da will ich auch mal hin? 

Prömel: So konkret nicht, weil ich es mir nie hätte träumen lassen, einmal Teil von Olympia zu sein und Deutschland vertreten zu dürfen. Von daher geht jetzt vielleicht ein nie geträumter Traum in Erfüllung.

Auf was freuen Sie sich denn am meisten? 

Prömel: Auf das Gesamtpaket. Die Brasilianer sind ja generell sehr sportbegeistert. Und wenn es um Fußball geht, legen sie noch einmal eine Schippe drauf. Von daher wird die Atmosphäre bestimmt eine ganz besondere sein. Ansonsten wäre es natürlich cool, wenn einem im Olympischen Dorf mal Michael Phelps, Usain Bolt oder der eine oder andere Spieler des US-Basketballteams über den Weg laufen würde. Aber auch den Fußballer Neymar zu sehne, wäre nicht schlecht. Den könnte ich ja sogar auf dem Platz treffen.

Welche Zielsetzung gibt es denn? 

Prömel: Wenn man Deutschland im Fußball vertritt, geht es immer um alles. Wir sind die amtierenden Weltmeister. Also fahren wir da hin, um zu gewinnen. Unser Kader besitzt auch die Qualität dazu.

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