Interview

Neuer U-21-Trainer Stefan Kuntz über seinen Vorgänger, die Zukunft und Torjubel

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Gute Laune bei seiner Vorstellung in Kassel: Der neue U-21-Nationaltrainer Stefan Kuntz hat sich viel vorgenommen, spürt aber keinen Druck durch seinen erfolgreichen Vorgänger Horst Hrubesch.

Kassel. Am Freitag spielt die U-21-Nationalmannschaft im Auestadion gegen die Slowakei. Es wird der erste Auftritt des neuen Trainers Stefan Kuntz.

Der stellte sich in Kassel offiziell vor. Anschließend trafen wir den Europameister von 1996 zum Interview.

Herr Kuntz, ihr Vorgänger Horst Hrubesch war drei Jahre lang Trainer der U21, sogar 16 Jahre im DFB-Nachwuchsbereich tätig. Haben Sie sich schon Gedanken gemacht, wie lange Sie bleiben möchten?

Kuntz: Mein Vertrag läuft erst einmal ein Jahr. Ziel ist die Europameisterschaft im kommenden Jahr in Polen. Ich denke, dass das auch eine gute Zeit für beide Seiten ist, um sich zu beschnuppern. Ich bin jetzt 30 Jahre im Geschäft. Und es stimmt, dass nichts so schnelllebig ist wie der Fußball. Aber in meinen Augen ist das jetzt gerade genau das Richtige für mich.

Horst Hrubesch hat kein leichtes Erbe hinterlassen. Setzt man sich da selbst unter Erfolgsdruck?

Kuntz: Berti Vogts hat mal gesagt: Je größer der Druck, desto größer die Pokale. Von daher würde ich fast die Schlussfolgerung ziehen, dass der Druck gar nicht groß genug sein kann.

Wie lange wussten Sie schon von der Entscheidung, dass Sie Trainer werden, und wie haben Sie davon erfahren?

Kuntz: Wir haben uns in Paris mit den Europameistern von 1996 getroffen. Dazu hat uns der Deutsche Fußball-Bund (DFB) eingeladen. Sportdirektor Hansi Flick war auch dabei. Wir haben über Nachwuchstrainer gesprochen. Flick möchte unbedingt Trainer haben, die selbst Erfahrung als Profi-Spieler gesammelt haben. Und dann waren wir auch schon bei mir. Ich habe mich gefreut, dass wir uns einig geworden sind. Für mich war das gerade einfach der Moment, wo ich sagen konnte: So, jetzt bin ich offen für Neues.

Sind die Spieler, die jetzt in Kassel dabei sind, das Gerüst für die Zukunft?

Kuntz: Ich muss flexibel sein und schauen, wer vielleicht noch zu Jogi Löw hochrückt, wer sich verletzt und wer nicht in Form ist. Der Pool, aus dem ich meine Mannschaft zusammenstellen kann, ist aber sehr groß und vielversprechend.

Sie waren selbst U-21-Nationalspieler. Hatten Sie das Gefühl, dass Ihnen die Zeit in diesem Team etwas gebracht hat?

Kuntz: Ich bin ja eher Profi auf dem zweiten Bildungsweg geworden. Deswegen bin ich da mit sehr viel Respekt hingegangen. Es waren selten Kollegen aus meiner Mannschaft dabei. Manchmal habe ich dann ein bisschen neidisch auf die anderen geschaut. Gerade deswegen sehe ich es als eine meiner Aufgaben, dass sich die Spieler bei mir in der Mannschaft alle zugehörig fühlen und gut aufgenommen werden. Auf jeden Fall waren die Spieler der U21 früher eher Talente, heute sind das alles gestandene Spieler.

Muss man verschiedene Spieler auch anders anfassen? Zum Beispiel einen Serge Gnabry, der in seinem Verein wenig Spielzeit bekommt, bei Olympia aber groß aufspielte?

Kuntz: Definitiv. Bei manchen ist es der Physio, der der Ansprechpartner ist, bei manchen ist es der Fitnesstrainer, bei manchen ist es der neue Trainer, weil er sagt: Hier ist noch einmal eine neue Chance und wir starten bei Null. Da hat jeder seine Erfahrungen, die er einbringen kann. Und ich gebe meine Erfahrungen gerne weiter.

Sie hatten einen eigenen charakteristischen Torjubel - die „Kuntz-Säge“. Bringen Sie die Ihren Spielern bei?

Kuntz: Ich musste mit Bestürzen feststellen, dass die heutigen Jubler weitaus einfallsreicher sind und mehr bieten als meine Säge. Ich glaube, da braucht niemand Ideen von mir.

Was verbinden Sie mit Kassel und bleibt noch Zeit, sich ein wenig umzuschauen?

Kuntz: Ich kenne natürlich den KSV Hessen Kassel. Ich selber habe hier noch nicht gespielt. Aber ich habe mich schlaugemacht und wusste nicht, was zum Beispiel Wilhelmhöhe alles zu bieten hat - an Historie und ein Unesco-Weltkulturerbe mit dem Bergpark. Ich freue mich, die Menschen hier kennenzulernen.

Tickets:

Wer noch Karten für das Länderspiel haben möchte, bekommt die unter www.dfb.de/tickets, über die Tickethotline 069 / 65 00 85 00, in der Geschäftsstelle des KSV und beim Fan-Point.

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