Beginn mit einem Paukenschlag

Das Ego und der Jubel in Orange - ein satirischer EM-Ausblick

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Zwei, die das Turnier in Frankreich prägen könnten: Portugals Superstar Cristiano Ronaldo (links) und Schiedsrichter Björn Kuipers.

Kassel. Mit dem Spiel Frankreich gegen Rumänien beginnt am Freitag die Fußball-EM. Was wird uns in den kommenden Wochen erwarten? Ein Ausblick - freilich mit einem Augenzwinkern.

1. Spieltag: Die EM beginnt mit einem Paukenschlag. Die Europäische Fußball-Union besetzt den verwaisten Posten des Präsidenten kurz vor dem Eröffnungsspiel mit dem kurz vorher begnadigten Sepp Blatter. Der Grund: langjährige Erfahrung als Funktionär bei einem großen Fußball-Verband. Blatter kündigt sogleich an, das EM-Teilnehmerfeld demnächst von 24 auf 48 zu erhöhen und für nicht-europäische Mannschaften zu öffnen.

Einen Eklat gibt es dagegen gleich beim ZDF: Experte Oliver Kahn weigert sich, die Spiele Albanien gegen die Schweiz und Wales gegen die Slowakei zu kommentieren. Er sagt: „Das ist doch kein Fußball. Soll das doch die Müller-Hohenstein machen.“ Die ist total begeistert.

Den späten Siegtreffer der deutschen Mannschaft gegen die Ukraine erzielt Jonathan Tah. ARD-Experte Mehmet Scholl fragt daraufhin Moderator Gerhard Delling: „Wer ist das denn?“ 

2. Spieltag: Die beste Stimmung herrscht in St. Etienne. Rund um das Spiel Tschechien gegen Kroatien feiern vor Ort Tausende Holländer. Sie sind extra gekommen, um Schiedsrichter Björn Kuipers anzufeuern. Immer wenn er pfeift, ertönt ein Jubelorkan. Die Partie endet 0:0. Zum Mann des Spiels wird Kuipers bestimmt. Die Partie Ukraine gegen Nordirland wird wegen Belanglosigkeit kurz vor dem Anpfiff abgesagt. Deutschland gewinnt indes gegen Polen. Nach Flanke von David Odonkor trifft Oliver Neuville in der Nachspielzeit zum 1:0. Erst eine Stunde nach Spielschluss fällt dem ZDF auf, dass es eine Wiederholung gesendet hat. Thema: „Zehn Jahre Sommermärchen.“ Katrin Müller-Hohenstein freut sich trotzdem. 

3. Spieltag: Verwirrung vor dem Spiel der Österreicher. Der isländische Torwart Hannes Halldorsson tritt in Paris bei 35 Grad im Schatten mit Pudelmütze an. Die Österreicher holt das Färöer-Trauma ein, sie verlieren 0:1 und scheiden aus. Island feiert.

Gegen Rumänien sieht der albanische Mittelfeldspieler Andi Lila Gelb-Rot. Ihm wird es zu bunt, und er verlässt die EM.

Vor dem letzten Gruppenspiel der Deutschen fragt Mesut Özil ganz aufgelöst: „Wer oder was ist denn Nordirland?“ Lukas Podolski antwortet sogleich: „Das ist doch die Stadt in Südeuropa gleich neben Russland und Bolivien.“ Podolski trifft beim 3:0 zweimal (drittes Tor: Jonathan Tah), während Özil das Spiel verpasst, weil er auf der vom Deutschen Fußball-Bund ausgegebenen Landkarte Nordirland nicht rechtzeitig gefunden hat. 

Achtelfinale: Die außergewöhnlichste Partie steigt in Toulouse: Portugal gegen Schweden wird im Eins-gegen-Eins (Fachbegriff: Ego-gegen-Ego) ausgetragen, weil Cristiano Ronaldo und Zlatan Ibrahimovic ihre Teamkollegen mangels Qualität nach Hause gemobbt haben. Ibrahimovic gewinnt 3:2. Er nutzt das freie Feld in der Nachspielzeit, nachdem Ronaldo auch nach seinem Treffer zum 2:1 beim Jubeln das Trikot ausgezogen hat und daraufhin vom Platz geflogen ist. 

Viertelfinale: Ibrahimovic muss jetzt gegen ganz England ran. Das 0:1 gleicht er mit einem Fallrückzieher aus 80 Metern aus. 1:1 auch nach der Verlängerung. Die Engländer verzichten aus Angst vor dem Versagen aufs Elfmeterschießen, Ibrahimovic zieht ins Halbfinale ein. 

Halbfinale: Im Halbfinale scheitert Ibrahimovic gegen Spanien. Er kommt bei dem Tiki-Taka nicht einmal an den Ball. Deutschland gewinnt 2:1 gegen Italien. Beide deutschen Tore erzielt Jonathan Tah, was kurzzeitig auch Freude bei den Tifosi hervorruft, weil Tah am Tag zuvor bei Juventus Turin für 100 Millionen Euro unterschrieben hat.

Finale: Während des Endspiels zwischen Deutschland und Spanien unter Leitung von Björn Kuipers gibt es drei Fanlager. Am Ende jubeln die Holländer, weil der Schiri in der 90. Minute beim Stande von 0:0 einen Weitschuss von Jonathan Tah versehentlich ins Tor lenkt und Sepp Blatter verfügt, dass damit der Unparteiische Europameister geworden ist. Der deutsche Protest hat keinen Erfolg. Als kleinen Trost stellt Blatter der Nationalelf in Aussicht, bei der nächsten EM gesetzt zu sein: in einer Gruppe mit Gibraltar, Andorra und Brasilien.

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