Kadercheck Frankreich: Beste Offensive, nur hinten sind sie anfällig

So könnten sie auflaufen: Wie im ersten Spiel gegen Rumänien könnte die Aufstellung der Franzosen auch gegen Deutschland wieder aussehen: (oben von links) Adil Rami, Bacary Sagna, Paul Pogba, Laurent Koscielny, Hugo Lloris, Olivier Giroud, (unten von links) Dimitri Payet, N’Golo Kante, Antoine Griezmann, Blaise Matuidi und Patrice Evra. Foto:  dpa

Der Gastgeber hat es bei der EM bis ins Halbfinale geschafft – und trifft in diesem heute in Marseille auf Weltmeister Deutschland (21 Uhr/ZDF). Was sind die Stärken der französischen Nationalmannschaft? Und wo ist Les Bleus anfällig? Wir machen den Kadercheck:

Torhüter

Hugo Lloris (29) ist unumstrittener erster Torwart der Équipe Tricolore. Die EM ist sein viertes Turnier als Stammtorhüter. Das heißt allerdings nicht, dass Lloris einer der weltbesten Torleute ist. Er gehört zum gehobenen Durchschnitt.

Abwehr

Die Abwehr wurde vor der EM als Problemzone der Franzosen ausgemacht. Egal, wer neben Laurent Koscielny in der Innenverteidigung spielt – er ist nur der Ersatz vom Ersatz. Denn neben Raphael Varane (Real Madrid) fallen auch Mathieu Debuchy (Girodins Bordeaux), Kurz Zouma (FC Chelsea), Jeremy Mathieu (FC Barcelona) und Aymeric Laporte (Athletic Bilbao) verletzt aus. Adil Rami wurde von Trainer Didier Deschamps nachnominiert und machte die ersten vier Spiele. Gegen Island fehlte er gesperrt, im Halbfinale könnte er wieder auflaufen. Mehr als eine Notlösung ist er aber nicht.

Bacary Sagna ist als Außenverteidiger gut, Patrice Evra auf der anderen Seite mittlerweile schon 35 Jahre alt. Über außen ist Frankreich dadurch anfällig. Auch bei Standardsituationen brennt es regelmäßig im Strafraum. So fielen auch die Gegentore im Viertelfinale: Nach einer Ecke und einer Hereingabe über die rechte Seite. Die Abwehr ist der Schwachpunkt des Teams.

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Mittelfeld

Vor der Viererkette setzt Deschamps zumeist auf eine Dreierreihe im Mittelfeld. Anführer und Antreiber ist Paul Pogba. Dem 23-Jährigen von Juventus Turin, der derzeit von allen Topklubs gejagt wird, merkt man an, dass er im eigenen Land unbedingt überzeugen will. Seine Physis und Athletik sind bewundernswert.

Neben Pogba, der zwischen Angriff und Abwehr die Fäden zieht, sichern Blaise Matuidi und N’Golo Kante nach hinten ab. Beide haben aber die Kraft, sich in das Offensivspiel einzuklinken und für zusätzliche Gefahr zu sorgen.

Angriff

Das Prunkstück dieser französischen Elf: Dimitri Payet, der aufgehende Stern dieser EM, Antoine Griezmann und Olivier Giroud bilden den gefährlichsten Angriff des Turniers. Zehn von elf Treffern Frankreichs gehen auf das Konto dieser drei Spieler (vier Tore Griezmann, Giroud und Payet jeweils drei). Die deutsche Nationalmannschaft hat im gesamten Turnier erst sieben Treffer erzielt. Payet und Griezmann haben beide ein unglaubliches Tempo.

Trainer 

Didier Deschamps ist selbst Welt- und Europameister als Spieler geworden (siehe Star in Zahlen). Er übernahm den Trainerposten nach der katastrophalen EM 2012 mit dem Aus in der Vorrunde. Seitdem hat Deschamps aber viel bewegt. Vor zwei Jahren scheiterten die Franzosen in Brasilien in einer ausgeglichenen Viertelfinal-Partie an Deutschland. Jetzt steht er mit seinem Team im Halbfinale. Der Trainer hat aus einem zerstrittenen Haufen eine Einheit geformt – auch durch unpopuläre Entscheidungen, wie Karim Benzema zu Hause zu lassen. Taktik

Die taktische Variabilität, mit der Frankreich bislang auftritt, ist eine Stärke. Meistens agieren sie in einem 4-3-3, gegen die Schweiz dann im 4-4-2 und im Viertelfinale war es ein 4-2-3-1. „Es ist schwierig, gegen sie zu spielen, weil sie offensiv so viele Varianten haben“, sagte Islands Trainer Lars Lagerbäck anschließend.

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