Der Kampf um die Formel 1 geht weiter

Ein bisschen Hoffnung in Hockenheim

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Georg Seiler, Geschäftsführer des Hockenheimrings.

Hockenheim - Hockenheim kämpfte hart um jeden Zuschauer für den Großen Preis von Deutschland. Der angepeilte Wert wurde knapp verfehlt, für eine Rückkehr der Formel 1 in zwei Jahren könnte es dennoch gerade so gereicht haben.

Begeisterung für die Formel 1? Schon am Samstag war sie dann doch zu spüren in Hockenheim. Nico Rosberg wetzte in seinem Mercedes durch das Motodrom, sicherte sich im spannenden Qualifying die Pole Position, und auf den ordentlich besetzten Tribünen wurde es laut. "Ich habe gesehen und gehört, dass alle gejubelt haben", sagte Rosberg später, "diese Unterstützung ist etwas Besonderes, das macht großen Spaß."

Der Große Preis am Wochenende, das wurde relativ früh klar, war kein erneuter Tiefpunkt, kein echter Rückschlag im Kampf um die Zukunft der Formel 1 in Deutschland - ob Rosberg, Sebastian Vettel und Co. sich auf weitere Heimrennen freuen dürfen, ist dennoch weiterhin unklar.

"Wir wollen keine Verluste und müssen kämpfen, dass es weitergeht", hatte Georg Seiler, Geschäftsführer des Hockenheimrings, im Vorfeld gesagt: "Alle Verträge der Zukunft, das sage ich ganz bewusst, müssen sich rechnen. Deshalb hoffen wir auf ein erfolgreiches 2016."

Die mit Blick auf die vergangenen Jahre ambitionierte Zahl von 60.000 Zuschauern hatten die Veranstalter angepeilt, um erneute Verluste durch die Formel 1 zu vermeiden. Letztlich wurde diese Marke knapp verfehlt, 57.000 Zuschauer kamen nach offiziellen Angaben am Sonntag zum Rennen, das waren immerhin mehr als 2014 (52.000) und 2012 (54.000). Dafür gab es einige Gründe.

2015 hatte die Formel 1 einen Bogen um Deutschland gemacht, nachdem der Nürburgring und Promoter Bernie Ecclestone nicht übereinkamen. Der Comeback-Effekt spielte nun wohl eine Rolle, zudem beteiligten sich WM-Kandidat Rosberg, Ferrari-Star Vettel und auch Nico Hülkenberg und Pascal Wehrlein eifrig an den PR-Offensive der vergangenen Monate.

Nicht zu unterschätzen ist zudem der Faktor Max Verstappen. Der 18 Jahre alte Shootingstar aus den Niederlanden mobilisierte viele Fans aus seiner Heimat, rund um den Ring waren zahlreiche Autos mit gelben Kennzeichen unterwegs, letztlich kamen rund 4000 Fans aus dem Nachbarland.

Ob all das nun reicht, um zumindest das Rennen im letzten Vertragsjahr 2018 zu sichern, wird wohl erst klar sein, wenn die Abrechnung abgeschlossen ist. Denn die Kalkulationen sind seit Jahren auf Kante genäht. Das Problem sind die hohen Antrittsgagen, die Ecclestone und der Rechteinhaber CVC verlangen.

Von 12 Millionen Euro für den deutschen Grand Prix ist die Rede, und das ist noch ein "Schnäppchen". Staatlich finanzierte Rennen wie Aserbaidschan, Malaysia oder China sollen längst mehr als 40 Millionen Euro einbringen, Interessenten gibt es viele, an einem weiteren "günstigen" Vertrag für Deutschland hat Ecclestone daher kein Interesse.

Zugleich hat Hockenheim angesichts fehlender öffentlicher Zuschüsse keine Möglichkeit, die hohen Ticketpreise (rund 200 Euro für den Sonntag) zu senken. "Eine junge Familie überlegt sich genau, ob das ins Jahresbudget passt", sagt Vettel. Aber auch der Ring muss die Antrittsgebühren irgendwie refinanzieren.

Für 2018 besteht auch dank der Zahlen in diesem Jahr nun weiter Hoffnung. Auftritte der Formel 1 im Jahr 2017 und darüber hinaus, ob in Hockenheim oder am Nürburgring, sind dagegen höchst unwahrscheinlich. Laut Auto Bild Motorsport denkt Ecclestone nun sogar über den alternativen Standort Sachsenring nach. Allerdings will der 85-Jährige damit wohl eher Druck aufbauen. Schon seit Jahren spielt er die deutschen Strecken gegeneinander aus.

sid

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