„Mit Spielzeug zum Eishockey“

Austin Wycisks Ehefrau Jaana spricht übers Familienleben während der Playoffs

Im Eishockey-Fieber: Familie Wycisk freut sich auf die Playoffs, (von links) Jaana, Addyson (4 Jahre), Jaakko (6), Austin und der kleine Wyatt (11 Monate). Foto: Fischer

Kassel. Ihr Mann Austin steht mit den Kassel Huskies ab Freitag in den Playoffs, und sie drückt ihm an der Bande die Daumen: Jaana Wycisk, verheiratet und Mutter von drei Kindern.

Ein Gespräch über Familie, Spielzeug in der Eishalle und einen besonderen Deutschkursus.

Frau Wycisk, sollen wir auf Deutsch oder Englisch sprechen?

Jaana Wycisk: Englisch ist mir lieber. Auch wenn mein Deutsch okay ist. Ich habe es mir selbst beigebracht - durch Zuhören und mithilfe der Fernsehserien Alles was zählt und Gute Zeiten, Schlechte Zeiten. Denn ich habe zu unserer Anfangszeit in Deutschland an einer internationalen Schule unterrichtet und war immer dann arbeiten, wenn Austin Deutsch-Kurse an der Volkshochschule besuchen konnte.

Gut, bleiben wir bei Englisch und übersetzen das Gespräch später. Wer ist denn eingespannter in diesen Tagen vor Beginn der Playoffs - Austin oder Sie?

Wycisk: Wir beide gleichermaßen. Ich koche, putze, kümmere mich um die Kinder und habe gerade Elternzeit. Austin ist ein Vater, der sich viel um seine Kinder kümmert. Jaakko spielt Eishockey bei den Bambini, Austin bringt ihn dorthin, wann immer er kann. Ich engagiere mich im Kindergarten, meine Tochter geht außerdem Turnen.

Da Austin während der Playoffs mehr Zeit beim Eishockey verbringt - sind Sie glücklich darüber, dass die Huskies das geschafft haben?

Wycisk: Oh ja. Es macht so viel Spaß. Ich schaue Austin seit 13 Jahren zu, und es fühlt sich immer noch so an, als ob ich gerade erst damit angefangen hätte. Ich bin mit Eishockey groß geworden. Mein Zwillingsbruder spielt, mein Vater auch.

Und dann haben Sie auch noch einen Eishockeyspieler geheiratet.

Wycisk: Ja, es ist ein lustiger Zufall, dass sich das so ergeben hat.

Heißt Playoff-Zeit des Mannes zusätzliche Belastung für die Ehefrau?

Wycisk: Belastung nicht, aber ich versuche sicherlich verstärkt, es ihm so angenehm wie möglich zu machen. Nehmen wir einen Spieltag: Da versuche ich, es möglichst ruhig zu halten: Ich spiele mit den Kindern, damit er entspannen kann. Wenn unser Baby nachts aufwacht, kümmere ich mich darum, damit er weiterschlafen kann. Ich möchte einfach, dass er sich bestmöglich auf die Spiele vorbereiten kann.

Verändert die Playoff-Zeit das Familienleben?

Wycisk: Es verändert den Zeitplan - auch wenn wir unseren Alltag schon ums Eishockey herum geplant haben. Spannend war es 2009 in München: Denn Jaakko wurde während der Playoffs geboren. Ich musste jeden Tag überlegen, ob der Tag jetzt günstig ist, weil Daddy ja vielleicht spielen muss.

Hat Austin die Geburt erlebt?

Wycisk: Ja, er war bei der Geburt dabei. Ich habe 36 Stunden in den Wehen gelegen. Am Ende wurde es ein Kaiserschnitt. Am nächsten Tag hat er gespielt - und war ziemlich fertig.

Was ist denn die größte Umstellung fürs Familienleben in den Playoffs?

Wycisk: Es ist gerade gar keine so große Umstellung. Da die Huskies gegen Frankfurt spielen, sind die Fahrten relativ kurz. Als Jaakko geboren wurde, hieß der Gegner Bremerhaven. Und die Mannschaft fuhr immer schon am Tag vor dem Spiel los. Austin war also immer nur kurz im Krankenhaus. Meine größte Herausforderung jetzt wird sein: mit unseren beiden großen Kindern früh zur Halle zu kommen, um einen Parkplatz und Sitzplätze zu finden. Denn es ist Derby und es wird voll. Sie lieben es, ihren Daddy spielen zu sehen. Aber anderthalb Stunden vor Spielbeginn da zu sein, ist für sie anstrengend.

Wie überbrücken Sie die Zeit?

Wycisk: Ganz einfach: Seit Oberliga-Zeiten packe ich immer einen Rucksack mit Spielzeug. Dann sind sie beschäftigt.

Verändert sich die Stimmung zu Hause während der Playoffs?

Wycisk: Vor fünf Jahren wäre es noch viel angespannter bei uns zu Hause zugegangen. Aber Austin ist gelassener geworden. Er ist erfahrener, und die Kinder helfen ihm abzuschalten. Die Spannung hat nachgelassen, nicht aber unser aller Vorfreude: Die Kinder fiebern Daddys nächstem Spiel entgegen und fragen nach einem Spiel sofort. Und wann ist das nächste?

Wünschen Sie sich manchmal, dass Ihr Mann einen anderen Beruf hätte?

Wycisk: Austin hat Maschinenbau studiert. Er hat mir anfangs gesagt, ich spiele ein Jahr Eishockey, dann arbeite ich als Maschinenbauer. Das liegt nun elf Jahre zurück. Ich könnte mir derzeit aber nichts anderes vorstellen. Es ist zwar ein schöner Gedanke, das ganze Jahr mit der Familie zu verbringen, keine Geburtstage und Hochzeiten zu verpassen. Aber wir lieben dieses Leben: Wir kommen herum. Die Kinder lernen früh, offen zu sein und die Welt zu entdecken. Etwas, das ich großartig finde, denn ich war selbst sehr schüchtern, bis ich zur Uni gegangen bin. Wären wir in Kanada geblieben, wären sie sicherlich viel zurückhaltender. Ich bin sehr glücklich mit diesem Leben.

Jaana Wycisk (38), besitzt einen finnischen und einen kanadischen Pass. Sie hat Lehramt studiert und ist mit dem kanadischen Huskies-Stürmer Austin Wycisk verheiratet. Er spielt seit 2013 in Kassel. Das Paar hat drei Kinder: Sohn Jaakko (6), Tochter Addyson (4) und Sohn Wyatt (11 Monate). Sie treibt gern Sport. Die Familie lebt im Sommer im kanadischen Windsor in der Provinz Ontario.

Hintergrund: Wycisks - Der erste Playoff-Tag

Am Freitag um 19.30 Uhr starten die Huskies mit einem Heimspiel gegen Frankfurt ins Playoff-Viertelfinale.

Ein besonderer Tag, den Familie Wycisk so geplant hat: Jaana Wycisk erklärt: „Die Kinder gehen in die Schule und den Kindergarten. Austin isst sein eigenes Mittagessen: Reis mit Spinat und Thunfisch. Danach hole ich die Kinder aus der Schule ab. Dann versuchen wir alle fünf, einen Mittagsschlaf zu halten. Denn für die Kinder wird es abends ja auch spät. Wenn unser Baby nicht schlafen will, kümmere ich mich um Wyatt. Und wenn Austin wach wird, versuchen wir ruhige Dinge mit den Kids zu machen: Puzzeln, ruhige Spiele, damit sie nicht aufgeregt herumrennen. Austin fährt um fünf Uhr zur Halle. Ich mache Dinner und danach fahren wir gemeinsam zur Halle. Um Wyatt kümmert sich ein Babysitter.“

 

Schlagworte zu diesem Artikel

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.