Vorstand tritt komplett zurück – Vorwürfe gegen Kimm und Gibbs

Eishockey-Jugend: Berghöfer hört auf und packt aus

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Da war die Welt noch in Ordnung: Marc Berghöfer (rechts) freut sich mit Manuel Klinge über den Aufstieg in die DEL 2.

Kassel. Donnerstag ab 19 Uhr geht es im Vereinsheim des KSV Hessen „Bei Eppos“ nicht um Fußball. Es trifft sich die Eishockeyjugend zur Mitgliederversammlung. Und schon jetzt ist klar: Es wird einen massiven Schnitt geben. Und deutliche Worte.

Der Vorstand der EJK mit Marc Berghöfer an der Spitze wird komplett zurücktreten. Neben dem Vorsitzenden sind das Schatzmeister Bernhard Ewers, die 2. Vorsitzende Daniela Krüger, Jugendobmann Ralf Beutler und John Roberge (Wirtschaftsrat).

Berghöfer hatte diesen Schritt nach den Verhandlungen mit den Eishallenbesitzern Edith und Simon Kimm sowie Joe Gibbs über den neuen Kooperationsvertrag zwischen Huskies und EJK angekündigt. Der Nachwuchs hatte schmerzhafte Einschnitte bei den Finanzen hinnehmen müssen. Die 1b und die Frauen mussten zurückgezogen werden. Nachdem der Vertrag am 24. Mai unterschrieben war, hatte Berghöfer zu den Gründen des angekündigten Rücktritts geschwiegen. Nun sagt er: „Die Lizensierung für die DEL 2 ist durch. Zudem muss ich den Mitgliedern Rechenschaft ablegen. Also ist der Zeitpunkt gekommen, öffentlich zu machen, wie die Verhandlungen gelaufen sind. Und warum wir so nicht weitermachen können.“

DIE VORWÜRFE

Was dann kommt, das sind massive Vorwürfe des nach sechs Jahren scheidenden Vorsitzenden, verbunden mit Sorgen um die Zukunft von Nachwuchs und Profi-Eishockey. Von schlechter Verhandlungskultur ist die Rede. Von Drohungen. „Im Grunde sind wir rücksichtslos erpresst worden“, sagt Berghöfer.

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Unter normalen Umständen hätte man den Kooperationsvertrag mit der Kasseler Sportstätten GmbH Kaspo nie unterschreiben dürfen. Das aber hätte das sofortige Aus für den Nachwuchs sowie die Eishockeyprofis bedeutet. Denn: Die Spiellizenz lag in Händen der EJK. Umgekehrt hätte der Verein ohne Zugang zur Eishalle den Laden schließen können. Erzürnt hat Berghöfer auch die öffentliche Erklärung von Kimms Kaspo nach Abschluss des Vertrages, in der von konstruktiven Gesprächen die Rede ist. Der EJK-Vorsitzende empfindet das als Hohn. „Wir sind massiv unter Druck gesetzt worden“, sagt er, „es gibt Punkte in diesem Vertrag, die gegen die guten Sitten verstoßen.“

DER VERTRAG

Einige zählt er auf:

• Forderung der unwiderruflichen Übertragung der Spiellizenz von EJK an die Kaspo

• einseitiges Kündigungsrecht der Kooperation für die Kaspo

• sofortiges Vertragsende bei Nichtzahlung der Kaspo

• keine Sponsorenaquise der EJK ohne Zustimmung durch die Kaspo

Der letzte Punkt gefährde die Zukunft des Vereins massiv, glaubt Berghöfer. „Wir bekommen weniger Geld und können die Lücken nicht einmal selbst schließen“, sagt er und erhebt Vorwürfe an Joe Gibbs: „Wir haben eine Liste unserer bisherigen Sponsoren vorgelegt. Bisher haben wir keine Freigabe für Gespräche mit ihnen erhalten.“

Weil jede weitere Stunde Eiszeit neben den vertraglich geregelten 650 Stunden (früher über 800) künftig 180 Euro kosten soll, benötigt der Verein für seine ambitionierte Jugendarbeit aber Geld. Mit Blick auf den Stundenpreis sagt Berghöfer: „Am Nachwuchs soll auch noch verdient werden. Auch der freie Eintritt unserer Nachwuchspieler zu den Spielen der Huskies ist gestrichen.“

DIE ATMOSPHÄRE

Den Tonfall der Verhandlungen bezeichnet Berghöfer als phasenweise grenzwertig. Als der gesamte Vereinsvorstand zur Vertragsunterzeichnung erschienen sei, weil Berghöfer angesichts der Bedingungen die Verantwortung nicht alleine tragen wollte, sei man regelrecht vom Hof gejagt worden.

Warum unter all diesen Umständen trotzdem unterschrieben wurde? „Wir hatten keine Wahl. Wir wollten zumindest ein weiteres Jahr Spielbetrieb für unseren Nachwuchs retten.“

Wie es weitergeht mit der EJK? Berghöfer: „Wir übergeben den Verein in gute Hände. Es haben sich hervorragende Nachfolger gefunden. Ich bin überzeugt, dass sie die Zukunft erfolgreich gestalten.“

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Von Frank Ziemke

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