Rossi über die Playoffs gegen Frankfurt,Rasur und Umstellungen

Interview mit Huskies-Trainer Rossi: „Etwas Besseres kaum möglich“

Kassel. Zwar haben seine Huskies an diesem Wochenende noch einmal spielfrei – doch der Playoff-Knüller gegen Frankfurt ab Freitag wirft bereits große Schatten voraus: Kassels Trainer Rico Rossi spricht im Interview über die anstehende Viertelfinal-Serie gegen die Südhessen und kontert die Kritik von Fans.

Herr Rossi, Sie haben im Spaß mal angekündigt, sich in den Playoffs zu rasieren, weil sie zuvor ja Bart tragen. Stehen Sie jetzt ohne Bart an der Bande?

Rossi: Nein, das mache ich nicht. Mein Bart gefällt mir. Er bleibt, wie er ist.

Haben Sie schon auf Playoff-Modus geschaltet oder nutzen Sie die freien Tage zum Durchatmen?

Rossi: Ich versuche zwar, eine kleine Auszeit zu nehmen. Aber das schaffe ich nicht. Ich bin jeden Tag im Büro. Die Vorbereitung auf Frankfurt hat begonnen.

Und wie sieht die aus?

Rossi: Wir schauen zum Beispiel viele Videos. Von den vier Hauptrundenspielen gegen Frankfurt, aber auch von Spielen der Löwen gegen andere Teams. Das Material bekomme ich von von Trainerkollegen.

Es ist schon kurios: Die Huskies stehen als Vierter vor Frankfurt, haben Heimrecht in den Playoffs, und trotzdem sind manche Fans unzufrieden.

Rossi: Es ist eine Handvoll. Bei uns in Nordamerika sagt man: Die, die am lautesten jammern, bekommen die meiste Aufmerksamkeit. Die vielen, die sich über die Mannschaft freuen, sind still. Dabei sollte doch jeder Fan in guter Stimmung sein. Die Saison ist gut gelaufen. Etwas Besseres als dieses Viertelfinale könnte es doch kaum geben – außer die Paarung Kassel gegen Frankfurt im Finale.

Was bekommen sie davon mit, dass die Stimmung bei manchen Fans komisch ist?

Rossi: Ich lese nicht viel in den Foren. Meine Aufgabe ist es, die Mannschaft gut und erfolgreich zu führen, so wie im letzten, so wie in diesem Jahr. Bei 3000 Zuschauern in der Halle jeden zufriedenzustellen, das ist nicht möglich.

Für Diskussionen haben vor allem zwei Punkte gesorgt. Zum einen die häufige Umstellung der Reihen.

Rossi: Es ist doch klar, dass ich bei fünf Ausländern entscheiden muss, welcher pausiert. Das hat Einfluss auf die Reihen. Dann hatten wir Verletzungspech: Alex Heinrich, Justin Kirsch, jetzt Michi Christ. Da sind Wechsel unvermeidlich. Aber wir haben eine Mannschaft, die taktisch und strukturiert so gut ist, das jeder in Lage ist, den anderen zu ersetzen.

Zum anderen gab es Unruhe auf der Torhüter-Position, weil Jimmy Hertel auf den letzten Drücker sein Zeitkonto erfüllen musste. Hätte man das Problem nicht schon während der Saison lösen können?

Rossi: Jein. Die Besetzung der zweiten Torhüter-Position hatte finanzielle Gründe, diese Entscheidung hat uns gut getan. Einen teuren zweiten Mann konnten wir uns nicht leisten. Wir haben einen Fünf-Jahres-Plan, an den wir uns halten. Ich muss aber auch klar sagen: Jimmy Hertel und Florian Proske haben uns in keinster Weise geschadet. Dass Jimmy im letzten Spiel zum Einsatz kam, ist für manchen nicht leicht zu verstehen. Aber wir hatten gehofft, dass es gegen Ravensburg nicht das alles entscheidende Spiel sein wird. Wir wollten es vorher gegen Crimmitschau und Kaufbeuren klarmachen. Das hat nicht geklappt. Aber nachher ist man immer schlauer.

Hat die Mannschaft zuletzt an Konstanz verloren?

Rossi: Nein, ich denke nicht. Wir sind lange Zeit Dritter gewesen. Wir sind damit eine der konstantesten Mannschaften der Liga. Bremerhaven etwa hat zwischenzeitlich den Trainer entlassen, weil es nicht gut lief. Frankfurt auch, und hat danach auch nicht konstant gespielt.

Macht Ihnen die aktuelle Form sorgen?

Rossi: Nein. Ich sehe keine Formschwäche. Gegen Ravensburg stimmte die Leistung, nur Ausbeute vor dem Tor nicht.

Wie ist Frankfurt zu schlagen?

Rossi: Indem wir diszipliniert sind. Denn im Powerplay ist Frankfurt sehr gut. Wir müssen den Gegner provozieren, Fehler zu machen.

Gehen die Huskies als Außenseiter oder Favorit in die Serie?

Rossi: Wir haben die Saison als Außenseiter begonnen, Frankfurt ist als Titelfavorit gestartet. Wir haben das ganze Jahr überwiegend konstant gespielt, sie wechselhaft. Wir stehen drei Punkte vor ihnen, das ist kein klarer Unterschied. Aber was sie personell zur Verfügung haben, ist schon etwas Besonderes.

Bei den Spielen in Frankfurt aber waren die Huskies unterlegen, insbesondere im ersten Drittel.

Rossi: Das ist passiert oft, wenn zwei gute Mannschaften aufeinandertreffen. Eine dominiert, die andere muss überlegen, wie sie darauf reagiert und kommt zurück. Probleme bekommen wir, wenn sie in Überzahl sind. Das hat das Spiel gekippt.

Wie schwer wiegen die Ausfälle von Michi Christ und Justin Kirsch?

Rossi: Justin hat in 19 Einsätzen neun Tore gemacht, viel in Überzahl gespielt. Dass er fehlt, merkst du. Michi war in Unterzahl gesetzt und hat für Tiefe im Kader gesorgt. Durch ihre Ausfälle haben wir keine vierte Reihe mehr.

Frankfurt statt Bad Nauheim. Was bedeutet das psychologisch?

Rossi: Diese Gedankenspiele sind ein typisches deutschen Phänomen. Letztlich ist der Druck doch für alle gleich. Auch wenn ich sage, Frankfurt ist Favorit: Sie haben ihre Ansprüche nicht erfüllt. Es ist ein schönes Spiel für die Öffentlichkeit, das jeder gern spielt.

Reden wir über die schönen Dinge, die anstehen.

Rossi: Jeder wollte in die Playoffs, weil es hier die Chance gibt, was zu erreichen. Aber darüber vergessen wir manchmal, den Weg dorthin zu genießen, weil wir zu sehr auf das Ziel fokussiert sind. Denn in den vergangenen zwei Jahren haben wir hier in Kassel professionelles, erfolgreiches Profi-Eishockey gesehen.

Und trotzdem steht am Ende: Sie können nicht aufsteigen. Fehlt das?

Rossi: Das fehlt mir sehr. Es wäre fantastisch. Aber wir müssten uns auch fragen: Wäre die Mannschaft jetzt schon bereit für den Aufstieg, bereit, den Weg in die DEL zu gehen? Es wäre zum jetzigen Zeitpunkt ein Totschlag für diesen Klub. 

Rubriklistenbild: © Foto: Koch

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