Vater und Fan

Urgestein Heinrich spricht im Interview über das aufregende Jahr der Huskies

Daumen rauf, der Aufstieg ist geschafft: Am 19. April siegten die Huskies 6:1 gegen Freiburg und feierten danach ausgelassen mit den Fans. Das Bild zeigt den jubelnden Sven Valenti, Gregor Stein (rechts) und Branislav Pohanka (links). 2 Archivfotos:  Fischer/nh

Kassel. Als Herbert Heinrich 1982 nach Kassel kam, war nicht zu erwarten, dass dieser Name mehr denn je für das Kasseler Eishockey steht. Ein persönlicher Jahresrückblick.

Herbert, wo waren Sie am 19. April dieses Jahres? 

Herbert Heinrich: Das war ein fast normaler Samstag. Wir haben in Ruhe gefrühstückt, waren einkaufen, haben Ostereier gefärbt. Und am Abend waren wir natürlich in der Eishalle und haben nach dem 6:1 gegen Freiburg in der Halle noch lange mit den Jungs den Aufstieg gefeiert.

Ihr zweitältester Sohn, Alexander, gab damals die Vorlage zum 3:1. Sind Sie mit seiner Entwicklung zufrieden?

Heinrich: Ja, total, schon immer. Er ist einer von drei Söhnen, wie man sie sich nur wünschen kann. Sportlich wurde Alex oft unterschätzt. Aber neben Milan Mokros und Horst Fahl, der ihn vom Inlinehockey weggeholt hat, hat vor allem Gunnar Leidborg ihn in Crimmitschau sehr gefördert. Er war eine Vaterfigur für Alex und erkundigt sich noch heute, wie es ihm geht.

Sehen Sie die Einsätze Ihrer Jungs - Stefan war ja bis zu seiner schweren Augenverletzung 2013 auch dabei - als Vater, als Trainer oder als Fan?

Heinrich: Immer als Vater, der mitfiebert, mitjubelt und mitleidet. Mit der gesamten Mannschaft. Unsere Jungs werden wir nie hart kritisieren, sondern immer stärken, sie aufbauen. Kleine Ratschläge kann ich geben, aber der Sport hat sich sehr verändert seit meiner Zeit.

Gibt es für Sie ein Spiel und einen Spieler des Jahres?

Heinrich: Für mich ist die Mannschaft der Star. In der letzten Saison war Snetsinger klasse, auch Kai Kristian. Jetzt beeindrucken mich die Torhüter sehr, erst Järvinen, nun Frazee. Und das aufregendste Spiel des Jahres war die Partie gegen Duisburg am 23. März, als Gabi am Telefon aus Hannover anrief und ich sie erst Sekunden vor Schluss beruhigen konnte, als Sven Valenti endlich das 1:1 erzielt hatte.

Gab es umgekehrt auch eine große Enttäuschung?

Heinrich: Klar, das Sommertheater. Daran will ich mich nie gewöhnen.

Und wie haben Sie das Jahr der Huskies allgemein erlebt?

Heinrich: Der Aufstieg war überlebenswichtig fürs Kasseler Eishockey. Da sind mir viele Steine vom Herzen gefallen. Beim Neubeginn wurde sportlich viel richtig gemacht, bis auf Torwart Nielsen gab es keinen Fehlgriff. Jetzt haben wir ein junges, hungriges Team, das Spaß macht, kämpft, nie aufgibt. So, wie wir Eishockey hier immer geliebt haben.

Im Sommer schien das Kasseler Eishockey aber wieder einmal am Boden. Wie erklären Sie jetzt den Aufschwung?

Heinrich: Joe Gibbs und Rico Rossi haben offenbar gute Kontakte und kennen die Szene. Jetzt stimmt die sportliche und menschliche Mischung im Team, es gibt keinen Neid unter den Spielern, und wir erleben Eishockey, das man super angucken kann. Es wird bei diesen Huskies nun offenbar mit einem Konzept gearbeitet, sportlich und kaufmännisch. Und ich hoffe, dass es noch lange Früchte trägt.

Die Jugendarbeit lag Ihnen stets am Herzen. Wie sehen Sie die Entwicklung und Perspektive der EJK nach den Führungswechseln bei Huskies und Amateurverein?

Heinrich: Da habe ich keinen Einblick mehr.

Was wünschen Sie dem Kasseler Eishockey für 2015?

Heinrich: Platz sechs, denn der ist drin. Das wäre super. Und sonst: Gesundheit und Glück, eine volle Hütte - die Jungs haben das verdient - und endlich, endlich den Bau einer zweiten Eisfläche. Das muss doch in der Eishockeystadt Kassel hinzukriegen sein.

Zur Person

Herbert Heinrich (56) war 19, als er mit seinem Heimatklub SC Riessersee deutscher Eishockey-Meister wurde. Trainer Jorma Siitarinen holte den Verteidiger (damals 1,91 m, 87 kg) 1982 aus Deggendorf zum Zweitliga-Neuling ESG Kassel. Nach 324 Spielen im blau-weißen Dress wird seine Trikotnummer 5 nicht mehr vergeben.

Heinrich lernte in Kassel Gabi kennen, heiratete, blieb hier, ist Vater von drei Söhnen Stefan (*1986, Alexander *1987 und Timo *1990) , von denen die älteren Eishockey spielen, und arbeitet als Lagermeister bei Reimer Logistic in Malsfeld. Als Trainer war er im Inlinehockey mit den Kaufungen Sharks deutscher Meister. (sam) 

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