Traut nach Lammel-Rauswurf: Gespräche mit Nachfolger laufen

Kassel. Am Montag ist der sportliche Leiter der Huskies, Daniel Lammel, fristlos entlassen worden. Was waren die Hintergründe und wie geht es weiter? Darüber sprachen wir mit Stefan Traut, dem Geschäftsführer der Hallenbetreiber-Gesellschaft KEBG.

Herr Traut, eine tolle Eishockey-Saison ist gerade beendet. Nun beschwert sich Sportdirektor Daniel Lammel öffentlich über einen verringerten Etat. Warum gibt es nur eine Woche später wieder Turbulenzen?

Stefan Traut: Ich bin menschlich maßlos enttäuscht. Es war ein großer Vertrauensmissbrauch. Er hat Vereinsinterna in der Öffentlichkeit preisgegeben. Das schadet dem gesamten Kasseler Eishockey.

Lammels Ärger aber erscheint verständlich. Warum ist der Mannschaftsetat im Vergleich zum Vorjahr gekürzt worden?

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Traut: Das stimmt so nicht. Für die kommende Saison steht derselbe Mannschaftsetat zur Verfügung wie in der vergangenen. Und der liegt mit 500.000 Euro immer noch deutlich über dem der Kontrahenten. Zum Vergleich: Oberligisten wie Dortmund und Halle arbeiten mit 350.000 bis 420.000 Euro. Lammel jedoch hat die 500.000 Euro um eine erhebliche Summe überschritten.

Warum kritisieren Sie es jetzt, wenn Sie als Geschäftsführer der KEBG den Sportlichen Leiter vorher nicht daran gehindert haben, mehr Geld auszugeben?

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-- Einen Kommentar

Traut: Ich habe ja einen sportlichen Leiter dafür, dass er sich um die sportlichen Belange kümmert. Wenn er zu mir kommt und sagt, wir brauchen dies und jenes, dann nehme ich das hin, auch wenn es mir wehtut. Laut Lammel waren zusätzliche Verpflichtungen nötig, weil wir sonst die Zwischen- und Endrunde nicht geschafft hätten. Daraufhin haben wir mit Danny Reiss, Christoph Koziol und Marek Vorel drei Spieler nachverpflichtet, die den überzogenen Etat nochmals belastet haben. Und wenn wir das zusätzliche Geld nicht ausgegeben hätten, hätten wiederum Einnahmen aus Ticketverkauf und Catering gefehlt.

Video: Stefan Traut im HNA-Interview

Nach solch einer gut besuchten Saison geht man davon aus, dass Sie Gewinn erwirtschaftet haben müssen.

Traut: Die Einnahmen, die wir mit den Spielen erwirtschaftet haben, sind komplett in die Mannschaft geflossen. Es ist nichts dazu verwendet worden, alte Auslagen von Herrn Rossing zu begleichen. Aber man darf nicht vergessen: Kassel hat auch die teuerste Eishalle und die teuerste Jugend der gesamten Oberliga.

Was heißt das konkret?

Traut: Die Hallenmiete ist im Vergleich zu DEL-Zeiten um 100.000 Euro höher. Das ist der neue Mietpreis, den Eigentümer Simon Kimm gefordert hat. Hinzu kommen 200.000 Euro für die Eishockey-Jugend plus 800 Stunden Eiszeit. Es gibt am Ende dieser Saison sogar ein Minus. Das wird die Familie Rossing ausgleichen.

Wie soll nach Ihren Vorstellungen die Zukunft des Kasseler Eishockeys aussehen?

Traut: Es gibt gesicherte Sponsorenverträge. Und der Etat kann sich auch noch verändern. Die Saison ist ja gerade eine Woche beendet.

Wie sieht es mit der Mannschaft aus? Sie haben ja auch soziale Verpflichtungen den Spielern gegenüber, die eine Ausbildung begonnen haben.

Traut: Die Kasseler Jungs sollen auf jeden Fall bleiben, weil wir neben der sozialen Verantwortung auch in der nächsten Saison das Kasseler Gesicht beibehalten wollen. Zudem wollen wir auch junge Talente nach Kassel holen, die nach oben wollen. Das wird die Aufgabe des Sportlichen Leiters sein.

Wie geht es weiter mit dem Sportdirektor Daniel Lammel?

Traut: Wir haben uns mit sofortiger Wirkung von Daniel Lammel getrennt. Er hat Interna preisgegeben. Dazu war er nicht berechtigt. Es war jedoch nur die Spitze des Eisberges. Daneben hat er viele kleine Böcke geschossen. Zum Beispiel hat er Stéphane Robitaille als Deutschen verpflichtet, obwohl der gar keinen deutschen Pass hatte und als Kanadier letztendlich eine Ausländerstelle besetzt.

Wann unterrichten Sie die Mannschaft über die neue Situation?

Traut: Wir werden am Mittwochabend mit all den Spielern sprechen, die hier sind.

Sie sollen Trainer Jamie Bartman den Wechsel nach Schwenningen nahegelegt haben.

Traut: Das stimmt nicht. Ich habe ihn lediglich gefragt, ob etwas dran ist an den Gerüchten, dass er wechseln wolle. Er sagte Nein. Wir haben einen bestehenden Vertrag, und der gilt. Es sei denn, Bartman bittet um die Auflösung.

Gibt es schon einen Nachfolger für Lammel?

Traut: Wir haben bereits Gespräche geführt. Es wird jemand kommen, der noch nicht in Kassel gearbeitet hat. Vorstellbar wäre auch, dass Jamie Bartman Sportdirektor und Trainer in Personalunion wird. Darüber werde ich jetzt mit ihm sprechen.  (frz/mis)

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