Samstagsinterview - Testspiel am Sonntag gegen Meister Bietigheim

Rossi vor erstem Testspiel: "Sind als Team besser aufgestellt"

Kassel. Es wird ernst: Am Sonntag um 17 Uhr bestreiten die Huskies schon ihr erstes Testspiel - gegen Bietigheim, den aktuellen Meister der zweiten Eishockey-Liga.

Zeit also für ein Interview mit dem Kasseler Trainer Rico Rossi.

Das Eistraining läuft gut, mit Jean-Michel Daoust ist der Kader komplett - alles klar also bei den Huskies?

Rico Rossi: Ja, absolut. Wir haben keine Verletzten, die Medizinchecks sind gut gelaufen und alle Lizenzen der Spieler auf den Weg gebracht.

Vor genau einem Jahr war die Stimmung zwischen Hoffen und Bangen, Skepsis und Euphorie nach dem Aufstieg. Und jetzt? 

Rossi: Jetzt ist die Begeisterung in der Mannschaft und im Umfeld super. Die Jungs sind heiß und arbeiten hart, sie finden sich auch menschlich von Tag zu Tag besser zusammen. Das sieht gut aus. Und was in den Medien, in der Region und bei den Sponsoren passiert, das ist beeindruckend. Das Interesse an den Huskies ist riesig.

Wie beurteilen Sie das Team nun, nachdem 13 Spieler gingen und elf neue kamen? 

Rossi: Wir hatten den besten Torwart der Liga und den Topstürmer, Järvinen und Collins. Beide werden wir individuell so nicht ersetzen können. Aber das ist auch nicht unser Ziel. Wir sind sicher als Team in der Breite viel besser aufgestellt und weniger abhängig von einzelnen Spielern. Vielleicht werden wir nun fünf, sechs Spieler in den Top 20 haben. Und im Tor haben wir ein tolles, starkes Paar: Markus Keller ist ein deutscher Topmann in der zweiten Liga und Florian Proske Nationaltorwart der U 20.

Mehr Durchschlagskraft in der Offensive also durch vier Ausländer. Aber geht das nicht zulasten der Defensive, wo ein Ausländer als tragende Säule fehlen könnte?

Rossi: Matt Tomassoni war ein unglaublicher Rackerer für das Team, hatte 25 Minuten Eiszeit und mehr. Aber wir wollen als Kollektiv wieder eine der besten Abwehrformationen der Liga stellen. Das geht nur mit Klasse und Disziplin aller Spieler, auch der Stürmer. Vor einem Jahr mussten bis auf Marco Müller alle unser taktisches System erlernen, jetzt wissen fast alle Verteidiger und viele Stürmer, wie der Hase läuft.

Aber wer soll von der Blauen Linie für Druck sorgen, vor allem im Powerplay, das einer der wenigen Schwachpunkte war? 

Rossi: Tomassoni war im Überzahlspiel nicht wichtiger als andere. Sören Sturm hat das Potenzial, besser zu sein fürs Team. Er ist groß und sehr stabil, hat einen viel besseren Schuss, einen Hammer wie Sven Valenti. Er hat Erfahrung aus 325 DEL-Spielen. Allerdings muss er nun auch die Chance nutzen können, Verantwortung zu übernehmen.

Kann da auch Hugo Boisvert als neuer Co-Trainer mit Ideen weiterhelfen? 

Rossi: Ich bin jeden Tag begeistert, dass ich mich unter vielen Kandidaten für Hugo entschieden habe. Er ist neu in diesem Metier, aber mit Herzblut, ganz viel Willen und als toller Typ bei der Sache. Ich habe ihn nicht als Kumpel geholt zum Biertrinken bei den Busfahrten. Es wird seine Erfahrung einbringen, schließlich hat er Über- und Unterzahl gespielt, war immer dann beim Bully auf dem Eis, wenn es um die Wurst ging. Hugo wird die Verteidiger im Fokus haben, ich die Stürmer.

Was erwarten Sie von diesem neuen Team, was dürfen die Fans erwarten? 

Von der Partie gegen Bietigheim berichten wir am Sonntag im Liveticker ab 17 Uhr.

Rossi: Ein Team, das hoffentlich immer alles geben wird, das defensiv stabil und offensiv stark auftritt. Rang drei und 97 Punkte, das wird ganz schwer zu wiederholen sein. Denn im letzten Jahr hat (fast) alles perfekt geklappt, fast alle Personalentscheidungen haben gepasst und waren Volltreffer. Denken wir nur an Mikä Järvinen, dann an Jeff Frazee. Auch darum wurde Joe Gibbs Manager des Jahres. Eines ist aber auch klar: Siege kann niemand versprechen, die Tabelle sagt nicht immer aus, wie gut oder schlecht ein Team spielt. Auch Platz sechs kann ein Erfolg sein.

Welcher Spieler hat das Zeug zum neuen Publikumsliebling? 

Rossi: Alle. Wir hatten viele gute Jungs, und wir haben gute Jungs dazugeholt. Nehmen wir nur die Ausländer: Jamie MacQueen hat in Crimmitschau in nur 43 Spielen 30 Tore erzielt - mehr als jeder Kasseler. Jean-Michel Daoust spielt bissig wie früher Paul diPietro und Pierre-Luc Sleigher, könnte Vorlagenkönig werden. Taylor Carnevale weiß, dass wir es sind, die ihm noch eine Chance geben. Er kann ein Topmann sein - aber auch ein Flop. Braden Pimm ist bei seiner Europapremiere ein Überraschungsei. Aber das war Mike Collins auch ...

Die ersten vier Trainingseinheiten am Montag und Dienstag fielen aus. Nun geht es nach nur vier Übungstagen morgen gegen Meister Bietigheim. Kommt sehr früh, dieses Spiel, oder? 

Rossi: Ja, aber nicht zu früh. Ich bin kein Fan von sechs, sieben Wochen Training, die Spieler auch nicht. Die Jungs wollen spielen. Darum geht’s. Für die Saison sollten vier Wochen Praxis reichen, wir werden gut vorbereitet sein am 11. September gegen Frankfurt. Und wir freuen uns - auf das Spiel morgen und die tollen Fans.

Zur Person: Rico Rossi (50) ist seit dem vergangenen Sommer Cheftrainer der Kassel Huskies. Zuvor arbeitete er zehn Jahre lang als Coach und Sportlicher Leiter beim Zweitligisten Heilbronn. Der Italo-Kanadier ist verheiratet, hat eine Tochter und einen Sohn. Rico junior spielt bei den Jungadlern Mannheim.

Rubriklistenbild: © Archivfoto:  Schachtschneider

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