Von Torjubel, Handyvideos und Sektduschen

Als die Huskies Meister wurden: Minuten fürs Geschichtsbuch

Einmalige Sektdusche: Huskies-Trainer Rico Rossi wird ordentlich nass gemacht von (von links) Taylor Carnevale, Sören Sturm und Michi Christ. Im Hintergrund (von links) filmt Manuel Klinge mit dem Handy, Carter Proft und Jens Meilleur haben sichtlich Spaß beim Anblick der Szene. Foto: Schachtschneider

Kassel. Es sind Momente für die Huskies-Geschichtsbücher, Momente, die wohl auch in ein paar Jahren noch für Gänsehaut sorgen werden.

Jene Minuten des Freitagabends, jenes vierten Spiels der Playoff-Finalserie gegen die Bietigheim Steelers, in denen sich die Huskies zum Meister 2015/16 in der DEL 2 krönen. Ein Protokoll denkwürdiger Minuten.

21.44 Uhr 

Die Führung ist knapp. 3:2 liegen die Huskies vorn. Doch dann kommt der Kapitän. Dann kommt Manuel Klinge. Macht das 4:2. Die Spieler jubeln, Trainer Rico Rossi ballt auf der Bank die Fäuste. Sein Lächeln signalisiert: Das hier, das werden sich meine Jungs nicht mehr nehmen lassen. Und trotzdem: Immer wieder die Blicke zur Hallenuhr. Wie lange dauert es noch?

21.46 Uhr 

Die Entscheidung. Die Huskies springen auf. Mike Little befördert die Scheibe von der Mittellinie ins verwaiste Bietigheimer Tor. Die Huskies wollen schon jetzt am liebsten sofort aufs Eis. Doch sie müssen warten – noch.

21.49 Uhr 

6100 Fans zählen den Countdown herunter. 3, 2, 1 – die Null geht unter im grenzenlosen Jubel. Das Tor unter der Anzeigetafel hält der Wucht des Freudentaumels nicht mehr Stand. Es fliegt aus der Verankerung. Die Huskies stürmen das Eis, stürzen auf ihren Torhüter Markus Keller. Ein blau-weißes Riesenknäuel im totalen Glück.

Die Zeit danach 

Die Minuten lösen sich auf und verschwimmen im Jubel. Es sind die Momente, die alle festhalten wollen. Ohne Handy geht jetzt nichts. Stellt sich die Frage, was Spieler, Fans und Trainer vor zehn Jahren gemacht haben, als es die mobilen Wunderwerke noch nicht gab. Rico Rossi macht ein wenig den Franz Beckenbauer vom Fußball-WM-Finale 1990. Er steht in der abgedunkelten Ecke der Halle, hat sein Smartphone gezückt und hält die Momente fest. Für sich, für seine Familie in Kanada.

Marco Müller hat noch weitergedacht. Er hat sich eine kleine Kamera an die Stirn geschnallt. Blickwinkel auf Augenhöhe sozusagen. Aber es geht auch ohne: Immer wieder halten die Spieler kurz inne. Lassen den Blick über die immer noch volle Eissporthalle schweifen, über die immer noch singenden Fans, über die Mitspieler. So, als ob sie es immer noch nicht so recht fassen können, was ihnen da gerade gelungen ist.

Valenti verlässt die Kassel Huskies

Dann wird es offiziell: „Herzlichen Glückwunsch unserer Nummer 35, Markus Keller“, sagt Sven Breiter, mit mitgenommener Stimme, übers Hallenmikro. Applaus. Der Torhüter der Huskies bekommt einen eigenen Pokal als wertvollster Spieler der Playoff-Serie und versucht sich jetzt an seinen neuen Spitznamen zu gewöhnen: Krake Keller.

Derweil hat sich Adriano Carciola mit einem spitzbübischen Grinsen im Gesicht und einem gefüllten Fünf-Liter-Bierglas an Rico Rossi herangeschlichen und entleert das Gefäß über dem Kopf des Coaches. Damit nicht genug: Michi Christ, Taylor Carnevale und ein paar andere Huskies haben sich geöffnete Sektflaschen von den Spielerfrauen geholt – und legen nach. Rossi und Sekunden später auch sein Co-Trainer Hugo Boisvert werden richtig nass gemacht, die Anzüge kleben an ihnen. Aber wen kümmert’s?

22.14 Uhr 

Und dann kommt endlich der Moment, den alle herbeigesehnt haben: „Manu Klinge ist ’ne Frau“ stimmt Sven Breiter übers Hallenmikro an. Die Fans auf dem Heuboden stimmen ein. Rene Rudorisch, Geschäftsführer der DEL 2, und Kassels Sportdezernent Christian Geselle überreichen den Meisterpokal an Manuel Klinge. Der Kasseler Kapitän des Kasseler Teams fährt in die Mitte der Mannschaft. Und als Team recken die Huskies den Silbernen Henkelpott in die Höhe. „We are the champions“ tönt durchs Hallenrund – und der Rest ist einfach nur eins: Jubel.

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