Blaue Perücken, Eishockey-Karten, Torjubel

Der Playoff-Puls kommt in Schwung: Reportage vom ersten Viertelfinal-Spiel der Huskies

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Die Familien Wycisk und Valenti drücken die Daumen: (vorn, von links) Jaakko, Addyson und Jaana Wycisk, (hinten, von links) Christine und Lena Valenti.

Kassel. Herkules ist nervös. „Ja, es ist doch alles ein wenig anders als sonst. Ich bin aufgeregt“, verrät Nils Weber und greift in den großen roten Sack in der Ecke. Heraus zieht er das neue Trikot.

„Playoffs 2016“ steht auf dem Rücken. Klar, dass auch das Huskies-Maskottchen da mit ein wenig mehr Herzschlag ins Kostüm schlüpft. Schließlich heißt der Gegner Frankfurt, schließlich ist Derby, schließlich ist Playoff-Viertelfinale. Und da gelten auch für Herkules besondere Verhaltensweisen: „Fernhalten vom Frankfurter Fanblock“, erklärt Papa Timo, der manchmal auch im Herkules steckt. Und wenn Playoffs sind, dann ist eben so einiges anders. Auf Spurensuche in der Eissporthalle.

Vor dem Spiel

Die Ruhe weg haben derweil andere. Alex Heinrich etwa. Er ist beim Aufwärmkick der Huskies gerade ausgeschieden. Wichtiger ist, dass er gleich auf dem Eis zu den Gewinnern zählt. „Endlich geht’s los“, sagt der Verteidiger und grinst. Den Rasierer hat er längst zur Seite gelegt. Sein Look: Drei-Tage-Bart.

Entspannt geht’s auch bei den Spieler-Familien zu – zumindest wirken Jaana, Ehefrau von Austin Wycisk, und Christine, Gattin von Verteidiger Sven Valenti, so. Doch sie gesteht: „Es kribbelt ganz schön. Ich glaube, Lena und ich sind nervöser als er.“ Ihre Tochter grinst und ergänzt: „Und heute gewinnen die Huskies.“ Darauf setzt auch Jaakko Wycisk. Der Sechsjährige hat einen Rucksack voller Eishockey-Karten dabei, seine Schwester Malsachen und ein pinkes Pferd zum Spielen. Langeweile bis zum ersten Bully? Pustekuchen.

Auch bei Michael Schürmann und Manfred Gude nicht. Sie haben die Eissporthalle nicht mit einem Karnevalsumzug verwechselt, auch wenn dies angesichts von Schürmanns Kopfbekleidung vielleicht der eine oder andere denkt. Denn er trägt eine knallblaue Perücke. Seit 1994 haben der Kasseler und der Lohfeldener keine Playoff-Serie der Huskies verpasst. „Die Perücke habe ich seit drei Jahren, damit haben wir erst ein Spiel verloren“, sagt Schürmann. „Kann also doch nur gutgehen heute, oder?“

Während des Spiels

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Herkules hat seine Nerven längst im Griff. Klatscht cool Markus Keller ab, der als Erster aufs Eis kommt. Das Spiel beginnt. Konfetti fliegt. Tore fallen. „Steht auf, wenn ihr Huskies seid.“ Und: „Wer nicht hüpft, der ist ein Löwe“, singen die Fans. Nie war das Ramalamadingdong schöner in dieser Saison. Auch Timo Bierschenk hätte beim zweiten Tor gern seinen Schal geschwungen. Doch er kommt zu spät. Sieben Sekunden nach Beginn der zweiten Pause steht er am Getränkestand. Er war draußen rauchen. „Normalerweise pfeift der Heuboden, wenn die Frankfurter zurück aufs Eis kommen. Gerade habe ich das nicht gehört. Eine Wiederholung wäre jetzt nicht schlecht.“ Sagt’s und kehrt schnell zurück auf seinen Platz. Bloß nicht noch mehr verpassen.

Auch Carolin Leifheit kann kurz durchatmen. „Playoffs sind doppelter Stress. Viel mehr Getränke, viel mehr Fans. Aber alle sind freundlich“, sagt die Verkäuferin.

Playoff-Derby, erstes Spiel: Kassel Huskies gegen Löwen Frankfurt 

Je weiter das Spiel voranschreitet, desto aufgekratzter werden Fans und Familien. „Wahnsinn, haben sie Red Bull getrunken?“, scherzt Ute de la Porte angesichts der Kasseler Angriffslust. Bei ihrem Sitznachbarn Herbert Heinrich, Vater von Torschütze Alex, hat sich beim 5:2 ein Lächeln ins Gesicht geschlichen. „Eine verdiente Führung. Mein Playoff-Puls kommt in Schwung.“ Mal gespannt, wie der Pulsschlag am Sonntag aussieht.

Spielhöhepunkte im Video

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