Ende bei Kassel Huskies

Robitaille: "Für mich reicht es jetzt“

Hängt die Schlittschuhe an den Nagel und ist ab sofort nur noch Eishockey-Trainer: Stéphane Robitaille. Foto: Hedler

Kassel. Stéphane Robitaille beendet seine Karriere im Kasseler Eishockey. Darüber spricht der 45-Jährige im Interview.

Er war schon immer ein Vertreter der leisen Töne. Und ebenso geräuschlos geht nun seine lange Eishockey-Laufbahn zu Ende. Stéphane Robitaille (45), der mehr als 400 Einsätze als Profi für die Kassel Huskies in der DEL und nach seiner Rückkehr 2011 in der Oberliga absolvierte und in den vergangenen drei Jahren für die zweite Mannschaft, die 89ers, in der Hessenliga spielte, hängt die Schlittschuhe endgültig an den Nagel.

Im Interview spricht der Kanadier über seine schönsten Eishockey-Momente und wie es nun für ihn weitergeht.

Herr Robitaille, Sie sind doch eigentlich noch zu jung, um aufzuhören. Shane Tarves hat noch mit Mitte 50 in der Hessenliga gespielt.

Robitaille: Um Gottes willen. Für mich reicht es jetzt. Zum einen ist die ganz große Lust nicht mehr da. Und ich kann nur spielen, wenn ich Lust habe. Die Auswärtsspiele sind zu anstrengend geworden. Zum anderen möchte ich einfach mehr Zeit mit meinen Kindern verbringen. Ich trainiere ja auch noch die Kleinschüler, das sind weitere 24 Spiele, auch auswärts. Eigentlich wollte ich schon vor einem Jahr aufhören.

Warum haben Sie das nicht gemacht?

Robitaille: Trainer Milan Mokros und unser Kapitän Paul Sinizin haben mich überredet, doch noch weiterzumachen.

Sie waren mehr als 20 Jahre Profi - fällt Ihnen der Abschied jetzt schwer?

Robitaille: Nein, ich bin froh. Die letzten drei Jahre habe ich nur aus Spaß drangehängt, ohne Geld. Hinzu kommt: Du machst mit 45 nicht mehr das, was du mit Mitte 20 konntest. Deine Mitspieler sind auch auf einem anderen Niveau als die professionellen Mitspieler von einst. Als Profis haben wir zweimal täglich trainiert, zum Schluss nur noch einmal pro Woche. Das lässt sich natürlich auch nur schwer vergleichen.

Blicken wir zurück: Ihre erste Zeit in Kassel dauerte von 1998 bis 2004. Welche Pläne hatten Sie damals?

Robitaille: Gar keine. Ich habe alles auf mich zukommen lassen. Damals kam das Angebot von Hans Zach, er wollte mich haben. Ich wusste, dass das deutsche Eishockey gut ist. Kassel allerdings kannte ich nicht und hätte nie gedacht, dass es solche Auswirkungen auf mein Leben haben wird. Ich hatte 20 Spiele in der American Hockey League gemacht. Aber es hieß, ich sei zu klein für die NHL. Damals waren große Verteidiger gefragt. Deshalb hatte ich mich für den Schritt nach Europa entschlossen. Mein Plan war, zwei, drei Jahre Eishockey zu spielen und dann in meinem Beruf als Bauingenieur zu arbeiten.

Doch es kam anders.

Robitaille: Ja. Wenn du machst, was du liebst, bleibst du gern dabei. Ich hätte nie gedacht, dass ich es mal schaffe, bis 41 als Profi zu spielen. Hätte man mir das als junger Spieler erklärt, ich hätte die Person als verrückt bezeichnet.

Was waren Ihre schönsten Momente in dieser Zeit?

Robitaille: Die Playoff-Zeiten. Da war schon beim Warmmachen die Stimmung in der Halle ganz anders. Wir haben unter Hans dreimal in Folge das Halbfinale erreicht. Hans Zach war auch ein ganz anderer Typ, als viele sagen.

Das müssen Sie erklären.

Robitaille: Viele sagten, er war verrückt. Das war er nicht. Er war hart, aber fair. Wenn du das gemacht hast, was er erwartet hat, war es okay. Du durftest nur nicht denken, du bist etwas Besseres. Ich hatte nie Probleme mit ihm, und er hat mich als Trainer am meisten geprägt. Ich habe sechs Jahre unter ihm gespielt, vier in Kassel und zwei bei den Hannover Scorpions. Von Hans waren auch unsere Frauen immer ganz begeistert. Ihr Urteil: Der Hans, der ist so nett.

Apropros Frau: Wie haben Sie Ihre Ehefrau kennengelernt?

Robitaille: Sie hat damals im Vip-Raum gearbeitet, wo wir Spieler in der Saisonvorbereitung auch gefrühstückt haben. Für mich war das immer zu früh. Irgendwann habe ich mitbekommen, als sie zu einer Kollegin über mich sagte: „Er sagt nie guten Morgen.“ Eine Woche später sind wir uns dann beim Zissel über den Weg gelaufen und ins Gespräch gekommen.

Hat Claudia Ihre Eishockey-Pläne durchkreuzt?

Robitaille: Nein. Sie ist meinen Weg mitgegangen. 2004 nach Frankreich, in den Sommerpausen heim nach Québec, später nach Duisburg, Hannover, Bietigheim und 2011 zurück nach Kassel. Hier hatte ich meine beste Eishockey-Zeit, und es ist zu meiner zweiten Heimat geworden. Auch wenn wir noch ein Haus in meiner kanadischen Heimat haben. Unser Zuhause ist hier.

2011 kehrten Sie in die Oberliga zurück. Warum war nach einem Jahr Schluss?

Robitaille: Ich hatte einen Zweijahresvertrag unterschrieben und wollte den auch erfüllen. Aber Trainer Uli Egen wollte keine ausländischen Verteidiger, sondern lieber Stürmer. Das war bitter und kein schönes Ende. Es war nicht fair. Nach einem Jahr Pause hat mich dann Milan Mokros zur zweiten Mannschaft geholt.

Streichen Sie Eishockey jetzt ganz aus Ihrem Leben?

Robitaille: Nein. Ich werde jetzt nur noch die Kleinschüler betreuen. Vielleicht auch mal mit den 89ers im Training aufs Eis gehen. Aber das reicht.

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