Die Huskies verlieren, sorgen aber auch für großartige Momente

Bewegend und spannend: Das letzte Heimspiel der Kassel Huskies

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Betrieb vor dem Huskies-Tor: Augsburgs Rhett Gordon (von links) versucht sich in dieser Szene gegen die Kasseler René Kramer und Torwart Adam Hauser.

Kassel. Ein Wunsch lag über allem in der Eishalle. Hallensprecher Sven Breiter sprach ihn vor dem ersten Bully aus: „Das letzte Heimspiel in dieser Saison. Hoffentlich nicht das letzte Heimspiel der Kassel Huskies.“

3588 Fans waren noch einmal gekommen zur bedeutungslosen Partie des Tabellenletzten in der Deutschen Eishockey-Liga gegen die Augsburger Panther. Viele von ihnen hatten gehofft auf die Nachricht von der Rettung – und waren wieder enttäuscht worden.

Anmerken ließen sie sich das nicht lange. Genau so wenig wie die Spieler. Das letzte Häuflein der Aufrechten – gleich sechs Akteure fehlten verletzt oder gesperrt – gab sich schon vor der Partie locker. Spielte zum Warmmachen Fußball im Hallengang. Frage eines Journalisten: „Na Jungs, heute Geld bekommen?“ Antwort: „Nö, warum denn?“

Blumen und nette Worte

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Abschied von den Huskies?

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Manche Situationen sind eben mit einer Portion Sarkasmus leichter zu ertragen. Vielleicht auch deshalb erlebte die Eishalle dann noch einmal großartige Momente. Stéphane Richer wurde geehrt. Der Trainer erhielt den verdienten Abschied: Blumen, nette Worte, ganz viel Beifall, Sprechgesänge. Zum Lohn gab es auch noch einen stürmischen Auftakt seiner Mannschaft. Ein ganz schnelles Tor durch Derek Dinger nach drei Minuten. Einen Lattenschuss von Philipp Schlager nach fünf. Und in der zehnten eine großartige Vierfachchance: Cote, Schlager, Carciola, Carciola. Kein Tor, aber trotzdem eine tobende Halle. Es schien als wollten alle, die Spieler und ihre Fans, noch einmal zeigen, was diese Stadt mit ihrem Eishockeyteam verlieren würde.

Okay, es war etwas schade, dass die Panther sich dann als Spielverderber erwiesen, nachdem sie dem erstaunlichen Treiben zehn Minuten lang höchst interessiert zugesehen hatten. Augsburg spielte jetzt einfach mal ein paar schöne Konter. Und schoss ein paar Tore. Collins, Murphy, Engelhardt – nach 18 Minuten stand es 1:3.

Ein Stimmungstöter? Ach was. Die Fans sangen einfach weiter. Und die Mannschaft, sie spielte einfach weiter. Hier und jetzt, beim letzten Auftritt vor ihrem Publikum, wollte sie sich nicht deklassieren lassen wie zuletzt in Frankfurt. Manuel Klinges schnelles Anschlusstor gab ihr die Kraft für einen Sturmlauf im Mitteldrittel. Und wenn hier Sturmlauf steht, dann ist genau das gemeint: Ein Sturmlauf mit Chancen über Chancen. Dreimal Schlager. Zweimal Carciola. Einmal Damon. Und nach langem Scheitern an Gäste-Torhüter Dennis Endras doch noch zwei Torschützen: Josh Soares, der den Ausgleich erzielt (35.). Und Jean-Philippe Cote, der die Huskies wieder in Führung (39.) bringt. Zu diesem Zeitpunkt herrscht Playoff-Stimmung.

Großer Kampfgeist

Daran ändert auch das letzte Drittel nichts mehr. Die Kraft lässt nach. Die Schiedsrichter treffen umstrittene Entscheidungen. Auch großer Kampfgeist bringt nur noch ein Tor von Alex Leavitt. Mit dem Heimsieg zum Abschied aber wird es nichts. Augsburg gewinnt 6:5. Die Halle feiert trotzdem unbeirrt. Und über allem liegt der Wunsch: Hoffentlich nicht das letzte Heimspiel der Kassel Huskies.

Fotos: Pressekonferenz in der Eishalle

Pressekonferenz in der Eishalle - Rossing ist optimistisch

SR: Brill/Schütz (Zweibrücken/Moers), Z: 3588.

Tore: 1:0 (2:27) Dinger (Carciola, Leavitt), 1:1 (10:39) Collins (Beechey, James), 1:2 (15:05) Murphy (Engelhardt), 1:3 (17:41) Engelhardt (Olver, Murphy), 2:3 (18:24) Klinge (Heinrich), 3:3 (34:35) Soares (Kraft, Damon), 4:3 (38:44) Cote (Klinge), 4:4 (42:56) Collins (Beechey, James), 4:5 (45:15) Engelhardt (Olver, Murphy), 4:6 (56:41) Gordon (Likens - 5:4), 5:6 (56:49) Leavitt (Schlager, Card).

Strafminuten: Huskies 8 + Spieldauer Leavitt, Panther 4.

Von Frank Ziemke

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