Sie spielt mit den Jungs

Jenifer Reichert ist das einzige Mädchen im Nachwuchs-Eishockeyteam der Huskies

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Das einzige Mädchen im DNL-II-Team der EJK: Jenifer Reichert spielt leidenschaftlich gern Eishockey und ist mit zwei Kantersiegen in die Saison gestartet. 

Kassel. Dass sie das einzige Mädchen im Team ist, daran hat sich Jenifer Reichert längst gewöhnt: Seit ihrem fünften Lebensjahr spielt die heute 17-Jährige Eishockey bei der Eishockeyjugend Kassel (EJK): „Bei den Kleinschülern und Knaben waren immer noch ein, zwei andere Mädchen dabei“, erinnert sie sich. „Seitdem bin ich die Einzige, aber das ist kein Problem. Ich bin mit den Jungs aufgewachsen.“

Am Wochenende ist Reichert mit dem DNL-II-Team mit zwei 7:1-Erfolgen gegen Preußen Berlin in die neue Spielzeit gestartet. Eine Sonderstellung im Team hat sie nicht. Außer einer eigenen Dusche, die Betreuerin Carmen Kraft bei Heim- und Auswärtsspielen für Reichert sucht, gibt es für die 17-Jährige keine Extra-Würstchen: „Wir behandeln sie wie jeden anderen Mitspieler auch“, sagt Kapitän Tim Lucca Krüger und macht seiner Teamkameradin ein Kompliment: „In unserer Liga ist es selten, dass Mädchen mithalten können, weil die körperlichen Anforderungen so hoch sind. Aber Jenny bekommt das super hin.“

Trainer Jürgen Trattner schätzt nicht nur ihren Fleiß und Ehrgeiz, sondern auch, dass „sie ohne Angst spielt“. Das kommt ihr in der DNL II zugute. Ein Vorteil sei es für sie aber keinesfalls, weiblich zu sein, meint Reichert: „Die Jungs checken mich zwar nicht so in die Bande, aber freie Bahn bekomme ich auf keinen Fall.“

Bei der EJK trägt Reichert die Rückennummer 24, wie einst ihr älterer Bruder Daniel, der inzwischen in Hannover in der Oberliga aufs Eis geht. Beide kamen durch ihren Vater zum Eishockey, der aus Russland kommt und als Junge dort auf der Straße dem Puck nachjagte. Seine Leidenschaft hat sich auf die Tochter übertragen, die Fan des russischen NHL-Spielers Jewgeni Malkin ist. Mindestens dreimal in der Woche trainiert sie. Dazu kommen die Spiele am Wochenende. Nicht nur mit der EJK, sondern ab dieser Spielzeit auch mit den Adlern Mannheim in der ersten Damen-Bundesliga.

„Darauf freue ich mich sehr“, sagt die Herderschülerin, die im kommenden Jahr ihr Abitur machen wird. „In der vergangenen Saison habe ich in Duisburg in der zweiten Liga gespielt. Als sich die Mannschaft aufgelöst hat, habe ich dann nach einer Alternative gesucht und ein Probetraining in Mannheim absolviert.“

Bei den Damen kann sie ihre technischen Fähigkeiten besser zeigen. „Das Körperspiel hat hier nicht so einen hohen Anteil wie bei den Jungs“, sagt die Kasselerin. Reichert hat auf dem Eis eine gute Übersicht und ist eine echte Teamspielerin. „Ich bin nicht darauf aus, nur selbst Tore zu schießen“, sagt die 17-Jährige, die sich abseits des Eises auch gern mit den typischen Mädchenthemen wie Mode und Schminke beschäftigt.

Von Carina Mihr

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