Deutsche sind zu teuer

DEL-Klubs wollen mehr Plätze für Ausländer: Streit über das Kontingent

Kassel. Alle Jahre wieder wird im deutschen Eishockey über die Anzahl der ausländischen Spieler diskutiert. Nun aber geht es nicht um eine weitere Reduzierung der Kontingentstellen.

Erstmals seit Jahren nämlich haben Eigentümer von DEL-Klubs mit Gedanken über eine Erweiterung der Ausländerplätze für einen Aufschrei bei denen gesorgt, die Sorge um die Entwicklung heimischer Akteure und des Nationalteams haben.

Die aktuelle Situation

In der DEL darf derzeit jeder Klub pro Saison elf Ausländerlizenzen vergeben und pro Spiel neun dieser Akteure einsetzen. Aktuell gelten 199 Spieler in der Topliga als Deutsche, 176 als Ausländer.

In der DEL2 sind die Lizenzen für Kontingentspieler nicht limitiert, aber maximal vier Ausländer dürfen pro Spiel auflaufen. 284 Deutschen stehen lediglich 117 Importe gegenüber.

Der Grund der Diskussion

In der DEL sind München mit einem Saisonetat von zwölf Millionen Euro sowie Mannheim, Köln und Berlin mit mehr als zehn Millionen die Topadressen – auch für deutsche Stars. Straubing (5,1), Iserlohn (5), Schwenningen (5), Augsburg (4) und Bremerhaven (3,5) backen viel kleinere Brötchen, wollen und müssen aber konkurrenzfähig sein. Ihr Argument: Wir können nicht mithalten, weil wir uns die guten deutschen Spieler nicht leisten können.

Die Kosten

Tatsächlich kostet ein deutscher Nationalspieler aus den Top 10 der Scorerliste pro Saison etwa 175 000 Euro. Netto! Und meist zuzüglich Auto und Wohnung. Nach oben sind diesen Summen keine Grenzen gesetzt. Vergleichbare Ausländer sind mit rund 110 00 Euro nicht nur knapp 40 Prozent preiswerter, sie erhalten meist auch nur Verträge für ein oder zwei Jahre, während Deutsche häufig drei Jahre gebunden werden.

In der DEL2 ist die Differenz deutlich geringer, zumal deutsche Topspieler auch „nur“ Jahresgagen von cirka 60 000 Euro erhalten.

Die Meinungen

„Eine Erhöhung der Kontingentplätze wäre das falsche Zeichen an die Fans. Und es macht die Sache für die Nationalmannschaft nicht leichter. Eigentlich müssten wir längst bei nur noch acht oder gar sieben Ausländern sein“, sagt Pavel Gross. Der Ansatz des Wolfsburger Trainers: „Wenn alle Manager der Klubs Deutsche wären, würden sie vielleicht eher überlegen, wie sie das Nationalteam stärken könnten.“

Bundestrainer Marco Sturm hatte erst beim Deutschland-Cup kritisiert, dass Breite, Tiefe und starker Nachwuchs im deutschen Nationalteam fehlen.

Wie das Berliner Urgestein Sven Felski („Das ist kontraproduktiv“) ist auch Rico Rossi überrascht von der Diskussion: „Bei allem Verständnis für wirtschaftliche Zwänge muss dieses Thema nicht jetzt diskutiert werden. Die aktuelle Situation ist doch gut, sie bietet den jungen Deutschen genug Raum sich zu entwickeln und allen dennoch genügend Konkurrenzkampf“, sagt der Kasseler Huskies-Trainer.

So machen es die anderen

Seit dem Bosman-Urteil und der totalen Öffnung der Ligen 1996 wird nicht nur im Eishockey ständig über eine freiwillige Selbstbeschränkung bei den Ausländern zum Schutz für deutsche Spieler diskutiert. In der Fußball-Bundesliga sind seit 2006 zwölf deutsche Profis im Kader Pflicht. In der Handball-Bundesliga gibt es keine Limits – dennoch ist das Nationalteam Europameister.

Rubriklistenbild: © dpa

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