Vor Ort mit vier Fans

Der Triumph der Huskies: Protokoll des Meisterschaft-Spiels

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Sie sorgten für Stimmung: Mit 6100 Zuschauern war die Kasseler Eissporthalle gestern ausverkauft. Am Ende durften alle die Meisterschaft in der DEL 2 feiern und bejubeln.

Kassel. Was für ein Abend: Die Kassel Huskies haben Freitag die Meisterschaft in der DEL2 klargemacht. Wie Fans den Abend erlebt haben.

Er ist erstaunt über sich selbst. Denn er ist die Ruhe selbst. Noch zumindest. Vielleicht liegt es daran, dass Benjamin Albert noch viel um die Ohren hat. Tickets ausdrucken, T-Shirts verkaufen. Im Fanshop an der Eissporthalle geht es zu wie im Taubenschlag - auch wenn mehrere große Schilder darauf hinweisen: Das Spiel ist ausverkauft. Es ist 17.55 Uhr.

18 Uhr

Der 23-Jährige kann durchatmen. Mit der Hand fährt er durch den Bart im Gesicht. Nicht nur Huskies-Spieler tragen Playoff-Bärte. Der Lehramtsstudent versucht zu erklären, warum er so entspannt ist. „Vielleicht, weil wir vorher nicht mit diesem großen Wurf gerechnet haben. Nach dem Sweep gegen Frankfurt habe ich gedacht, besser geht es nicht. Alles, was jetzt kommt, ist Zubrot. Wer hätte vor zwei Jahren nach dem Aufstieg gedacht, dass wir heute Meister werden können.“

Locker übrigens muss Albert auch sein - denn nach seinem Job im Fanshop folgt sein Job als Huskies-Fan: Trommler auf dem Heuboden.

18.25 Uhr 

Hätte besser Baldrian eingepackt: Huskies-Fan Ute de la Porte ist schon vor Spielbeginn nervös. Am Ende konnte sie beruhigt sein. Foto: Fischer

Nicht ohne meinen weißen Wintermantel, nicht ohne meine schwarze Winterhose. Das ist das Playoff-Motto von Ute de la Porte. Zumindest gerade jetzt, die Eissporthalle ist noch fast menschenleer, wärmt sie jenes Outfit, das die 62-jährige Kasselänerin zu jedem Heimspiel der Huskies trägt. „Ich bin richtig nervös“, verrät sie. „Ich bin extra früher gekommen, weil ich dachte, ich bekomme einen guten Parkplatz. Hat aber nichts geholfen.“ Ihre Hoffnung: „Ich wünsche mir, die Jungs machen heute den Deckel drauf. Ich habe mal ein Spiel zwischen Mannheim und Berlin gesehen. Die Adler hätten den Deckel drauf machen können - und haben die komplette Serie dann noch verloren.“ Daran möchte sie aber lieber nicht mehr denken.

18.55 Uhr 

Gut gelaunt kommen Niklas Baierl (15) im Manuel-Klinge-Trikot und sein Vater Rudi Birnbach mit Evtushevski-Jersey zu ihren Stehplätzen in Block A - frisch gestärkt mit Schnitzel-Brötchen aus der Champions-Bar. Ihr Ritual. „Wir sind tierisch aufgeregt, es ist das Spiel der Spiele“, sagt Rudi Birnbach. Auch sein Sohn trägt Playoff-Bart. Einen kleinen zumindest.

19.25 Uhr 

Benne Albert steht auf dem Heuboden. Mit dem Rücken zum Eis liefert er mit seiner Trommel den Rhythmus zu dem Song, dessen Zeilen er gedichtet hat und der die Playoff-Hymne der Fans ist: „Wir machen Löwen platt, wir reißen Türme ab, wir schmelzen Stahl, wir holen den Pokal.“ „Ich bin froh, dass ich mich an meiner Trommel festhalten kann“, gesteht er. Vor ihm entrollen die Fans Plakate: „16.08.2015: Träume fingen hier an“ „22.04.2016: Heute bringen wir es zu Ende.“

19.30 Uhr 

Anpfiff. Das vierte Finale beginnt. Die Steelers gehen in Führung. Erst 1:0, 2:0. Ute de la Porte rümpft kurz die Nase. Rudi Birnbachs Tipp stimmt jetzt: „Die Huskies verlieren heute. Sie sind zu nervös. Die Fans sind alle da, und Bietigheim hat nichts zu verlieren.“

Meister der DEL 2: Huskies im Siegesrausch

20.55 Uhr 

Die zweite Pause beginnt. Manuel Klinge hat die Huskes auf 1:2 herangebracht. Sohn und Vater Baierl/Birnbach klatschen sich ab. Die Eissporthalle ist längst eher Sauna als Eissporthalle. Ute de la Porte hat die Winterjacke geöffnet. „Ausziehen kommt aber noch nicht in Frage.“ Ist schließlich die Glücksjacke. Sie kommt mit einer „Kasselrinha“ - einer Art Caipirinha. „Klein, ohne Alkohol. Das trinke ich immer.“

21.13 Uhr 

Ob`s Glück bringt? Auf geht’s ins zweite Drittel. Benne Albert trommelt die „Kassel-Kassel“-Gesänge mit.

21.21 Uhr 

Vater Rudi und Sohn Niklas fallen sich in die Arme. Alex Heinrich trifft zum 2:2. Niklas’ Tipp ist wieder drin: „4:2 gewinnen die Huskies“ hatte er vor Spielbeginn gesagt. Ute de la Porte atmet tief durch. Sie grinst. Und trägt die Winterjacke immer noch. Die Schreckensgedanken an das Mannheim-Spiel sind jetzt weit weg. „Wir sind wieder da“, singen die Fans. Albert trommelt. Längst ist er genauso geschwitzt wie die Spieler unten auf dem Eis. Die Eishalle ist ein Hexenkessel.

Die Schlusssirene 

Niklas und Papa Rudi liegen sich in den Armen. Wie jeder. „Das ist der schönste Moment, seitdem ich zum Eishockey gehe“, versucht Niklas seine Gefühle in Worte zu kleiden. „Ohne Worte“, ergänzt sein Vater.

Ute de la Porte umarmt ihre Sitznachbarn, hüpft kurz mit, strahlt übers ganze Gesicht: „Einfach grandios, diese Huskies. Was sie in den Playoffs geleistet haben, das ist überragend. Der Titel ist einfach verdient.“

Und Albert? Er schwärmt: „Huskies als Meister? Das ist total unwirklich.“ Und trommelt jetzt zum Playoff--Meister-Song: „Wir machen Löwen platt, wir reißen Türme ein, wir schmelzen Stahl - wir haben Pokal.“

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