„Wir werden niemals Freunde“

Huskies gegen Bremerhaven: Boxkämpfe, 254 Strafminuten und Zoff der Trainer

Szenen eines Eishockey-Abends: Im Bild links stehen sich Braden Pimm (links) und Cody Lampl gegenüber; das Bild rechts zeigt die Rauferei zwischen Carter Proft (rechts) und Gabe Guetzel. Oben schließlich die Trainer: Rico Rossi (links) und Bremerhavens Benoit Doucet. Foto:  Diekmann (2), Schachtschneider (1), red (1)

Kassel. Es war ein skandalöses Spiel am Rande des Abbruchs: Das Duell zwischen den Kassel Huskies und Pinguins Bremerhaven geriet in der letzten Minute restlos aus den Fugen.

Aus 95 Sekunden Netto-Spielzeit wurden 30 Minuten Brutto. Eishockey wurde nicht mehr gespielt, stattdessen gab es nach jedem Bully Prügeleien und insgesamt 254 Strafminuten – befeuert von den Teams auf den Bänken und den Zuschauern auf den Rängen. Zwischendurch ging noch das Licht aus. Und zum Abschluss setzten die Trainer den Konflikt drastisch wie selten gesehen auch verbal fort. Der Abend im Überblick:

DIE AUSLÖSER

Die einen sagen so, die anderen natürlich so. Kassels Trainer Rico Rossi sieht den Auslöser in einer Jagd der Bremerhavener Akteure auf sein Ausländer-Quartett. Als Beispiel nennt er die erste Prügelei des Abends zwischen Jean-Michel Daoust und Radek Havel Ende des zweiten Drittels. Der eine eher klein, der andere ein Hüne. Rossi: „Wir konnten uns das nicht bieten lassen.“

Benoit Doucet

Gästecoach Benoit Doucet monierte einen Angriff von Carter Proft auf Gerald Kuhn. 65 Sekunden vor dem Ende hatte der Kasseler den Bremerhavener von den Beinen geholt. Unfair, aber undramatisch. Doch Doucet wetterte: „Unser Torhüter sollte verletzt werden.“ Rossi wiederum bezeichnete Kuhn als Schauspieler und Hitzkopf, der seine Nerven schon im ersten Spiel zu Saisonbeginn nicht im Griff gehabt habe. Kuhn hatte damals auch seine Trinkflasche Richtung Schiedsrichter geworfen.

DIE PRÜGELEIEN

Profts Foul an Kuhn wurde sogleich gerächt. Was auch normal ist im Eishockey. Gabe Guentzel trat dazu an – und durfte wie Proft sogleich duschen gehen. 65 Sekunden nur noch waren zu spielen – aber die dauerten 30 Minuten. Denn nun flogen bei jedem Bully sofort die Fäuste. Tim Miller und Mathias Müller begannen, Braden Pimm und Cody Lampl ließen sich auch nicht lumpen. Bei der nächsten Unterbrechung präsentierten sich Kevin Maginot und Patrick Klöpper als Boxer, den Schlusspunkt setzten Dorian Saeftel und Andy McPherson. Der soll zuvor schon seine Ellbogenschützer ausgezogen haben, um im Kampf mehr Wucht zu haben.

DIE STRAFEN

Wie ihre Kontrahenten kamen Proft, Pimm und Müller mit 2 + 2 + 10 Minuten davon. Was dennoch bitter ist für Müller. Denn er hatte schon am Freitag in Dresden und – (k)ein Zufall – im ersten Saisonspiel auch gegen Pinguin Miller Disziplinarstrafen kassiert und muss nun am 13. November im nächsten Spiel zusehen. Ausgerechnet gegen Frankfurt! Dann wird auch Saeftel nach seiner Matchstrafe fehlen. Maginot indes darf trotz Spieldauerstrafe mitmischen, es war seine erste.

DIE TRAINER

Ben Doucet feierte vor dem Bus später fröhlich gemeinsam mit den Fans der Pinguine. Das war schon fast skurril so kurz nach der Pressekonferenz, die es in sich hatte. So heftig sind in Kassels Eishalle selten zwei Trainer aneinandergeraten.

Rico Rossi

Dass die Kontrahenten die Ursachen für die Wildwest-Szenen auf dem Eis unterschiedlich beurteilen würden, war ja klar. Doch bei dem verbalen Schlagabtausch wurde es richtig unappetitlich. Doucet, der zuvor von der Bank aus Kasseler Zuschauer mit Wasser bespritzt haben soll, wurde schnell beleidigend. Der Kasseler Vereinsführung empfahl er, Rossi mit weißem Stock und Hund auszustatten, denn: „Er ist blind!“

Rossi konterte das mit dem Verweis: „Man merkt, dass er ein Anfänger ist.“ Und belehrte, dass niemand blind sei, weil er Dinge anders sehen würde. Die Frage nach der Vorbildfunktion beantwortete er so: „Wenn der Gegner dich provoziert und attackiert, dann musst du dich wehren. Auch so kann man Vorbild sein.“

Am Ende stellte Kassels Trainer klar: „Wir werden niemals Freunde.“ Das kann nach dieser Pressekonferenz sicher ausgeschlossen werden.

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Bilder des Spiels: Huskies gegen Bremerhaven

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