Persönliche Situation verbessert

Äthiopisches Läufer-Duo beim Marathon: Ein Danke für jeden Tag

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Läufer mit Beuys-Baum: Ybekal Daniel Berye und Elsa Kuma Zewde an der Kasseler Mönchebergstraße.

Kassel. Wenn Elsa Kuma Zewde und Ybekal Daniel Berye am 17. Mai beim Kassel Marathon an den Start gehen, wird den Äthiopiern das Laufen leichter fallen als in der Vergangenheit.

Die Odyssee scheint in Kassel vorerst ihr Ende zu finden.

„Ich sage Danke für jeden Tag hier in Kassel“, sagt die 25-jährige Elsa, die vor knapp drei Jahren in Nordhessen ankam – nach einer acht Jahre dauernden Flucht. Weil die damals 14-Jährige in der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba zwangsverheiratet werden sollte, flüchtete das Mädchen zusammen mit ihrem Onkel zuerst in Sudan und später allein weiter über Lybien, Ägypten, die Türkei und Griechenland. Ihre sportliche Heimat fand die Äthiopierin schließlich beim Marathon-Veranstalter Winfried Aufenanger und dem PSV Grün-Weiß Kassel. „Jetzt trainiere ich jeden Tag“, sagt die griechisch-orthodoxe Christin, die inzwischen den blauen Flüchtlingspass besitzt und damit berechtigt ist, täglich einen Deutschkurs in Kassel zu besuchen. „Ich will unbedingt besser Deutsch lernen und mit einer Ausbildung beginnen, um zu Hause meine Mutter zu unterstützen“, sagt sie.

Erst einmal aber steht der Start beim Eon Kassel Marathon auf dem Programm. Mit einer angepeilten Zeit von unter 1:30 Stunden dürfte Kuma Zewde keine Chance auf den Sieg haben, aber darum geht es der jungen Frau auch nicht. Noch immer fällt ihr das Lachen schwer, und die Telefonate mit ihrer meist weinenden Mutter machen ihr zu schaffen. So scheint das Laufen auch ein Mittel gegen die alltäglichen Sorgen zu sein.

Noch nicht im Besitz des blauen Passes ist Ybekal Daniel Berye, der aber nach zwischenzeitiger Ablehnung seines Asylantrages wieder Hoffnung schöpft: „Mein Anwalt hat mir gesagt, dass alles auf einem guten Weg ist“, beschreibt der aus der äthiopischen Kleinstadt Assela stammende 27-Jährige seine politische Situation.

Wie Kuma Zewde trainiert er im Moment jeden Tag für seine Teilnahme beim Marathon. Ähnlich wie sie im Halbmarathon hat auch Berye mit seiner Marathon-Bestzeit von 2:18 Stunden keine Chancen auf den Sieg. Darum geht es ihm aber auch nicht: „Ich will unbedingt dabei sein für Aufenanger und den PSV, wo mir viel geholfen wurde.“ Von Deutschland und der Kasseler Mönchebergstraße aus, wo Berye im Moment lebt, engagiert sich der Äthiopier für die oppositionelle Partei EPPF, und versucht sich aus Deutschland heraus für die Verbesserung der Situation in seinem Heimatland einzusetzen. Als Oppositioneller muss er dort mit Verfolgung und anderen Repressalien rechnen. Eine Rückkehr ist daher genauso unmöglich wie für Elsa Kuma Zewde. „Die Zukunft ist für uns hier sicherer“ sagt die junge Frau, die in Kassel eine neue Heimat gefunden zu haben scheint.

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