Die Liebe zum Marathon eint Sportler rund um den Globus

Vom Lauf-Virus infiziert: 42,195 Kilometer langer Marathon

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Unterwegs: Auch im vergangenen Jahr waren wieder über 40 000 Menschen beim größten deutschen Marathon in Berlin am Start. Unser Foto zeigt das Läuferfeld kurz nach dem Start vor der Siegessäule.

Wenn Herodot das geahnt hätte. Der Geschichtsschreiber berichtete 490 v. Chr. von dem griechischen Boten Pheidippides. Zwei Tage soll der Mann von Athen nach Sparta durchgelaufen sein, um Hilfe im Krieg gegen die Perser zu suchen.

500 Jahre später entstand daraus die Legende um einen Läufer, der sich nach der Schlacht von Marathon auf den knapp 40 Kilometer langen Weg nach Athen gemacht haben soll, um dort die Botschaft vom Sieg zu verkünden. Das war der Beginn eines Mythos, der allerdings erst mal in einen tiefen Schlaf fiel. Wenn da nicht der französische Philologe Michel Bréal Brownings gewesen wäre. Sein Freund Baron de Coubertin war 1894 gerade dabei, die ersten Olympischen Spiele der Neuzeit in Athen zu organisieren. Die Geschichte um den Marathonläufer wurde von Coubertin & Co. sofort geliebt. Was danach geschah, ist der Beginn einer unglaublichen Erfolgsgeschichte, die inzwischen zu einem kleinen Wirtschaftsfaktor für manche Städte geworden ist. Spyridon Louis, der Mann, der 1898 in Athen nach 40 Kilometern und 2:58:50 Stunden als Erster über die Ziellinie lief, machte sich allerdings über Geld noch keine Gedanken. Bei der Siegerehrung erhielt der Grieche eine silberne Medaille und einen Olivenkranz. Als Lohn nahm Louis übrigens für den Rest seines Lebens kostenlose Mahlzeiten und Haarschnitte entgegen. Außerdem bekam er vom griechischen König ein Pferd samt Karren – und er lief nie wieder ein Rennen.

Kaum wiederbelebt geriet der Marathon in seine erste olympische Krise. In Paris (1900) und St. Louis (1904) war von Abkürzungen die Rede, die sich ortskundige Läufer gegönnt hatten. Andere brachen mit Bauchkrämpfen zusammen, weil sie vor lauter Hunger über einen Obstgarten hergefallen waren. Dann aber kam London. Bei den Spielen von 1908 sollte das Rennen vor der königlichen Loge im Stadion enden – die Geburtsstunde der magischen 42,195 Kilometer. Dorando Pietri, ein Konditor von der Insel Capri, brach vor dem Ziel mehrfach zusammen, wurde von Offiziellen über die Ziellinie geschleppt und am Ende disqualifiziert. Johnny Hayes, ein amerikanischer U-Bahn-Bauer, hieß der spätere Sieger. Nach weltweiten Zeitungsberichten – unter anderem von Sherlock-Holmes-Autor Sir Arthur Conan Doyle – war die Welt des Sports plötzlich infiziert vom Marathonvirus.

Verdiente Verschnaufpause: Dennis Kimetto nach seinem Weltrekord beim Berliner Marathon im Jahr 2014. Der Kenianer lief nach 2:02:57 Stunden über die Ziellinie. Foto: dpa

Heute rennen weltweit Millionen von Menschen um die Wette. Der Marathon ist der Mount Everest des kleinen Mannes, den man bezwingen kann, wenn man brav trainiert und nicht an jeder Pommes-Bude anhält. Darüber hinaus ist der längste aller olympischen Läufe fest in den Händen der Bekleidungs-, Fitness- und Ernährungsindustrie. Jeder weiß es besser, aber meistens siegen die Kenianer. Einer von ihnen, der 32-jährige Dennis Kimetto, hält mit 2:02:57 Stunden den Weltrekord.

Wer dagegen einen Blick auf die Siegerlisten der sechs weltweit bedeutendsten Läufe – die Marathon Majors in New York, Boston, Chicago, London, Berlin und Tokio – wirft, erkennt schon an den Namen auf der Siegerliste, dass der Ausdauersport von afrikanischen Läufern dominiert wird, was wohl vorerst auch so bleiben wird. Weil es aber immer wieder Ausnahmen gibt – den Weltrekord bei den Frauen hält seit 2003 die Britin Paula Radcliffe mit 2:15:25 Stunden – läuft die Vermarktungsmaschinerie weiter auf Hochtouren. Neue Helden werden gesucht – vor allem nach dem Karriereende der äthiopischen Läuferlegende Haile Gebrselassie. Um sie zu finden, wird nichts dem Zufall überlassen. So hat vor Kurzem im englischen Newcastle die Zukunft begonnen. Unter dem Arbeitstitel „Sub2hr Project“ wird dort intensiv geforscht – nach Wegen zu einer Marathonzeit unter zwei Stunden. In fünf Jahren soll es so weit sein.

Hintergrund: Kasseler Marathon am 18. September

Am 18. September ist es wieder so weit. Dann fällt zum zehnten Mal der Startschuss für den Eon Kassel Marathon. Bereits einen Tag zuvor wird der Mini-Marathon gestartet, bei dem im vergangenen Jahr erstmals über 5000 Kinder und Jugendliche die 4,2 Kilometer lange Strecke absolvierten. In Kassel sind zudem noch der Halbmarathon und Staffeln mit jeweils vier Teilnehmern im Angebot. Zudem können Hobby-Walker eine kleinere Strecke durchs Buga-Gelände absolvieren oder die Halbmarathon-Distanz in Angriff nehmen. Kurzfristige Anmeldungen sind übrigens auch am Veranstaltungswochenende noch möglich. 

Mehr Informationen unter www.kassel-marathon.de

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