Dragutin Horvat startet im Ally Pally

Kasseler Dartspieler schafft überraschend WM-Qualifikation

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Traumziel erreicht: Dragutin Horvat spielt im Dezember bei der Dart-WM in London. Am Wochenende gewann der Kasseler das Qualifikations-Turnier in Mönchengladbach.

Kassel. Der Ally Pally, eigentlich Alexandra Palace, ist die Kathedrale. Das Wembley der Dartspieler. In der Londoner Veranstaltungshalle findet jährlich über Weihnachten die Weltmeisterschaft statt.

Hier ist der Sport groß geworden – und mit ihm die Stars wie Phil Taylor und Michael van Gerwen. Wenn in diesem Jahr am 15. Dezember die Titelkämpfe beginnen, dann ist völlig überraschend ein Spieler aus Kassel dabei. Dragutin Horvat hat sich für die WM qualifiziert.

„Da ist ein Traum in Erfüllung gegangen. Ich bekomme eine einmalige Chance“, sagt Horvat. Gelungen ist ihm das Kunststück am Wochenende in Mönchengladbach durch den Sieg bei der Bulls Super League. Bei dieser Turnierserie ging es um 12.000 Euro Preisgeld – und eben einen WM-Startplatz. Acht Spieler hatten sich für das Endturnier qualifiziert. Im Finale bezwang Horvat den Braßeler Stefan Stoyke mit 10:6 nach Legs.

Welche Bedeutung der Erfolg hatte, wurde schnell deutlich. „Das Finale war gerade zehn Sekunden vorbei, da habe ich das erste TV-Interview meines Lebens gegeben“, berichtet der 40-Jährige, der während des Turniers von 100 Fans aus Kassel lautstark unterstützt wurde. Wie er den Triumph geschafft hat? „Die Spieler sind alle auf einem Niveau. An so einem Tag kommt es auf etwas Glück an und vor allem auf starke Nerven. Die hatte ich“, berichtet Horvat.

Als deutscher Spieler bei der WM, das ist immer noch die absolute Ausnahme. Nur Max Hopp und Jyhan Artut haben das zuletzt regelmäßig geschafft. Im vergangenen Jahr war zudem Rene Eidams dabei, der Schlagzeilen machte, als er den Weltranglisten-Ersten van Gerwen am Rand der Niederlage hatte.

Nun also kann Horvat sich beweisen. Um in das Hauptfeld zu kommen, muss er ein Qualifikationsspiel überstehen. Ein Vorbild hat der Sohn kroatischer Eltern, der seit 1999 Dart spielt, nicht. Wohl aber einen Traumgegner. „Gegen Phil Taylor möchten wir alle einmal antreten“, sagt Horvat, der auf den Spitznamen Braco hört. Übersetzt: Brüderchen. Was nicht ganz passt, wie der Kasseler selbst findet: „Das klingt so niedlich. Ich bin aber 1,86 groß und ziemlich schwer.“

Bis es nach London geht, wird sich für Horvat nun einiges ändern. Den Dartsport betreibt er als Amateur. Auch wenn er in der Weltrangliste auf Rang 127 gelistet wird, bringt ihm der Sport nichts ein, sondern kostet Geld. Ein Sieg wie in Gladbach sorgt nicht direkt für eine Einnahme. Horvats Preis sind kostenfreie Starts bei größeren Events im kommenden Jahr.

Mit Blick auf die WM wird er sein Trainingspensum drastisch erhöhen. „Ich bin eher faul, bisher trainiere ich meist zweimal die Woche zwei Stunden“, sagt er. Damit soll nun Schluss sein. Drei Stunden am Tag so oft es eben geht – das wird die Vorbereitung sein auf dem Weg in den Ally Pally. Wo Dragutin Horvat erstmals die größte Bühne seines Sports betritt.

Wussten Sie schon, dass ...

• die Dart-Weltmeisterschaft seit 2007 im Londoner Alexandra Palace, kurz Ally Pally, stattfindet? Das Interesse steigt seither beständig. Die Veranstaltungshalle ist benannt nach Kronprinzessin Alexandra von Dänemark. Sie fasst 10 400 Zuschauer.

• es im Dart zwei Weltverbände gibt? Die PDC (Professional Darts Corporation) spaltete sich 1992 von der BDO (British Darts Organisation) ab. Beide Verbände richten eigene Titelkämpfe aus. Deutlich erfolgreicher ist die PDC – auch weil sie vom TV-Sender Sky Television unterstützt wird.

• Dart-Titelkämpfe vor allem immer auch Party sind? Im Ally Pally sind die meisten der Zuschauer verkleidet, trinken, feiern, singen und erzeugen Lärm wie bei einem Fußballspiel. Wegen der „Bierzelt-Atmosphäre“ berichten viele seriösen Zeitungen in England nicht über Dart.

• Ein Neun-Darter das absolute Größte ist? Bei ihm gelingt es, 501 Punkte mit nur neun Würfen auf Null herunterzuspielen. Dem Niederländer Raymond van Barneveld gelang er bei der PDC-Weltmeisterschaft erstmals 2009.

• Die Ikone des Dart-Sports Phil Taylor heißt? Der 56-jährige Engländer war insgesamt 16 Mal Weltmeister. Der Mann mit dem Spitznamen „The Power“ hat mit Dart ein Vermögen von rund 10 Millionen Euro erspielt. Nummer eins der Welt ist mittlerweile aber der Niederländer Michael van Gerwen.

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