Nun gegen Venus Williams

Auf den Spuren von Steffi Graf: Kerber im Wimbledon-Halbfinale

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Großer Jubel bei Angelique Kerber nach ihrem Sieg gegen Halep.

Wimbledon - Nach ihrem Sieg gegen Simona Halep steht Angelique Kerber zum zweiten Mal in ihrer Karriere im Halbfinale von Wimbledon. Jetzt kann sie in Steffi Grafs große Fußstapfen treten.

20 Jahre nach Steffi Grafs letztem Triumph in Wimbledon schickt sich Angelique Kerber an, die Fortsetzung der deutschen Erfolgsgeschichte im Tennismekka an der Church Road zu schreiben. Die Melbourne-Siegerin aus Kiel gewann ihre erste echte Bewährungsprobe im Turnier gegen die Weltranglistenfünfte Simona Halep (Rumänien) nach 90 hochklassigen Minuten 7:5, 7:6. Als einzige Spielerin im Feld ist nach dem Viertelfinale noch immer ohne Satzverlust.

"Ich bin überglücklich, es war so eng, aber alles was zählt ist, dass ich den letzten Punkt gemacht habe", sagte Kerber: "Ich fühle mich richtig gut, genieße jeden Tag hier und glaube auch, dass ich gerade das beste Tennis meiner Karriere spiele."

Nach der beeindruckenden Vorstellung vor gut 12.000 Zuschauern auf dem Centre Court - darunter in der Royal Box Michael Stich, der vor 25 Jahren auf diesem Platz den größten Erfolg seiner Karriere gefeiert hatte - geht Kerber als Favoritin ins Halbfinale am Donnerstag. Dort trifft sie  auf Altmeisterin Venus Williams aus den USA, die sich gegen die Kasachin Jaroslawa Schwedowa mit 7:6 und 6:2 behauptete.

Bereits im Jahr 2012 hatte Kerber die Runde der besten Vier beim bedeutendsten Tennisturnier der Welt erreicht, gegen die Polin Agnieszka Radwanska jedoch den Sprung ins Finale verpasst. Im Unterschied zu damals ist sie heute Grand-Slam-Siegerin. "Ich weiß, wie man diese Titel gewinnt", sagt sie selbstbewusst - und füllt die Ansage von Runde zu Runde mit besserem Tennis.

Nach vier Pflichtsiegen gegen Kontrahentinnen, die im Durchschnitt auf Platz 126 im WTA-Ranking stehen, bewies Kerber gegen Halep, wozu sie auf dem heiligen Rasen fähig ist, ließ sich aber noch immer Platz für eine weitere Steigerung in den entscheidenden Partien. Immer wieder verließ die 28-Jährige ihre Komfortzone hinter der Grundlinie, um Halep bloß nicht die Initiative zu überlassen. 21 vermeidbaren Fehler nahm sie dafür in Kauf.

Kerbers Defensivqualitäten stehen außer Frage, kaum eine Spielerin lässt ihre Gegnerinnen derart hart für jeden Punkt arbeiten. Halep wusste dies, immerhin hatte sie das letzte Duell beim Fed Cup in Cluj klar verloren. Der Respekt war ihr anzumerken, mit einem Doppelfehler schenkte sie Kerber Durchgang eins. Überhaupt wackelten beide Spielerinnen zunächst beim eigenen Aufschlag, Kerber einmal weniger, das reichte schon.

Auch wenn sich Halep nicht abschütteln ließ: Kerber diktierte nun die Partie und war beim 5:3 nur noch wenige Punkte vom Halbfinale entfernt. Halep konterte, doch Kerber wich nicht zurück - entgegen ihrem Naturell. Der Mut zahlte sich im Tiebreak aus. Nachdem sie ihren ersten Matchball verwandelte hatte, ließ Kerber ihren Schläger auf den Rasen fallen und griff sich ungläubig an den Kopf.

Steffi Graf hatte am 6. Juli 1996 ihren letzten von insgesamt sieben Titeln im All England Club gewonnen, 1999 stand sie zudem noch einmal im Finale, so wie auch Sabine Lisicki, die vor drei Jahren gegen die Französin Marion Bartoli verlor. Kerber kann mehr erreichen, das hat sie mit ihrem Australian-Open-Titel vor fünf Monaten eindrucksvoll bewiesen, auch wenn die höchste Hürde wahrscheinlich noch auf sie wartet: Die sechsmalige Titelträgerin Serena Williams.

sid

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