Serena Williams wartet schon

Kerber vor Wimbledon-Finale: "Kopf und Körper geht es gut"

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Am Samstag betritt Kerber ein letztes Mal die ruhmreichste Bühne, die ihre Sportart zu bieten hat.

Wimbledon - Angelique Kerber kann Tennis-Geschichte schreiben. In ihrem ersten Wimbledon-Endspiel gegen Serena Williams will sie als erste Deutsche seit Steffi Graf triumphieren. 

Ein Sieg noch auf dem Heiligen Rasen. Noch einmal ein Tennis-Wunder gegen Serena Williams. Angelique Kerber strebt mit dem ersten Wimbledon-Triumph einer Deutschen seit 20 Jahren ihre ganz persönliche Krönung an. Und das an dem Ort im Südwesten Londons, der wohl für immer am intensivsten mit den goldenen deutschen Tennis-Zeiten von Boris Becker oder Steffi Graf verbunden bleiben wird. „Dem Körper geht es gut und dem Kopf auch“, sagte die neue deutsche Tennis-Queen am Freitag. „Wimbledon ist etwas ganz Besonderes. Ich will das auch genießen.“

Am Samstag (15.00 Uhr/Sky) betritt Kerber ein letztes Mal in diesem Sommer die ruhmreichste Bühne, die ihre Sportart zu bieten hat. Zum zweiten Mal in diesem Jahr greift die Kielerin nach einer Grand-Slam-Trophäe, wieder heißt ihre Gegnerin Serena Williams. Sie hat es schon einmal gegen die oft schier übermächtig auftretende Amerikanerin geschafft.

Sehnsucht nach einer deutschen Wimbledon-Siegerin

Es war am 30. Januar, als Kerber in Melbourne sensationell die Australian Open gewann und sich als erste Deutsche seit Steffi Graf 1999 den Titel bei einem der vier bedeutendsten Turniere sicherte. „Ich werde rausgehen wie in Australien und versuchen, ihr zu zeigen, Ok, hier bin ich, ich will das Match auch gewinnen“, sagte Kerber.

Sie soll die Sehnsucht nach der ersten Wimbledon-Siegerin seit Steffi Graf 1996 stillen. Um es besser zu machen als Sabine Lisicki im Endspiel vor drei Jahren will sie den Druck und das Interesse an ihrem Auftritt ausblenden. Nervös wird sie ohnehin sein.

„Serena ist eine der Größten, die es je gab"

Erstmals darf die Linkshänderin am finalen Tag in Wimbledon noch raus auf den Platz. Serena Williams, deren Schwester Venus Kerber im Halbfinale besiegte, kennt die Atmosphäre viel genauer. Sechsmal hat sie bei dem Rasenturnier schon triumphiert, zweimal das Endspiel verloren. „Serena ist eine der Größten, die es je gab und auf Rasen noch mal eine Extraklasse. Wenn eine Serena ihr bestes Tennis spielt, ist fast nichts zu machen“, sagte Bundestrainerin Barbara Rittner.

Williams, seit 177 Wochen durchgängig die Nummer eins der Damen-Welt, fehlt ein lang ersehnter Sieg, um im Tennis-Olymp weiter nach oben zu klettern. Seit dem vergangenen Jahr jagt sie den Grand-Slam-Rekord von 22 Titeln, der bisher Steffi Graf einzigartig macht.

Kerber steht der Presse Rede und Antwort

Auch wegen der Historie müssen sich beide - Williams und Kerber - die Fragen und Vergleiche mit der Tennis-Ikone immer wieder anhören. Die Schleswig-Holsteinerin musste sich am Tag vor dem Endspiel noch einmal 15 Minuten der Presse stellen. Ihre Rivalin war davon befreit.

Die 34-Jährige stand ausführlicher Rede und Antwort, nachdem sie die Russin Jelena Wesnina in nur 48 Minuten im Halbfinale gedemütigt hatte. „Wenn sie in ihrer Komfortzone steht, schlägt sie alle 6:1 und 6:1“, sagte Kerber. Es ist aber die Norddeutsche, die in ihren sechs Matches bislang keinen Satz verloren hat.

Angelique Kerber, die Spaßbremse

„Angelique Kerber bekommt ein bisschen den Ruf als Spaßbremse, zumindest was die Williams-Familie betrifft“, schrieb „The Guardian“, nachdem sie den fünften Sister Act im Wimbledon-Finale verhinderte hatte. „The Daily Telegraph“ erinnerte an Kerbers „Schock-Sieg“ in Melbourne.

So nah dran ist Deutschlands derzeit Beste an einem Kindheitstraum. So nah dran am zweiten Grand-Slam-Titel ihrer Karriere. Als kleines Mädchen wünschte sie sich, wie Steffi Graf bei den großen Turnieren anzutreten, die goldenen Pokale oder den überdimensionalen Silberteller wie in Wimbledon auch einmal in den Händen zu halten.

„Man kann sie manchmal an die Wand klatschen, liebevoll“

Steffi Graf bleibt ihr Vorbild. Bis zum Freitagnachmittag hatte sie noch keine Nachricht von ihr bekommen. Dabei ist die 47-Jährige ein gelegentlicher Ansprechpartner. Im gemeinsamen Training hat die Wahl-Amerikanerin ihrer Nachfolgerin in schwierigen Phasen Mut zugesprochen. Denn Kerber ist eine, die trotz ihrer neun Turniersiege immer wieder mal an sich selbst zweifelt.

„Man kann sie auch manchmal an die Wand klatschen, liebevoll“, sagte Rittner, „weil sie dann bockig ist oder stur ist oder Zweifel anbringt, wo sie nicht angebracht sind.“ Am Samstag will Deutschlands Tennis-Liebling mit Selbstbewusstsein rausgehen. Mit einem netten Abendessen und auch „ein bisschen Action“ wollte sie sich am Freitagabend vorbereiten, damit sie gut schläft. Kerber will diesen Wimbledon-Titel. Und sie lacht, wenn sie daran denkt, dass sie anschließend „vielleicht fünf bis sechs Stunden“ am Telefon hängt. Hoffentlich um Glückwünsche entgegenzunehmen.

dpa

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