Es wird schwerer, Ausrichter für die EM zu finden

Kommentar zur Gewalt in Marseille: Gefahr für den Fußball

In Marseille ist es am Rande der EM-Partie Russland gegen England zu heftigen Auseinandersetzungen gekommen. Ein Kommentar von Florian Hagemann.

Dass die internationale Regie nach dem Abpfiff des Spiels Russland gegen England keine Fernsehbilder von den brutalen Auseinandersetzungen auf der Tribüne zeigte, gehört zu der Vorstellung der Europäischen Fußball-Union: Der Fußball wird hier immer noch als reines Vergnügen dargestellt - und damit als unabhängig von allen Randerscheinungen, die er mit sich bringt.

Dass dies mehr denn je eine Fehleinschätzung ist, machen die ersten Tage der EM deutlich: Bei all der Lust auf Fußball ist die Angst präsent, dass es zu Terrorakten kommen kann. Das allein nimmt dem Vergnügen schon einen erheblichen Teil seiner Wirkung: Dieses Turnier taugt nicht als Symbol der Freiheit, solange abertausende Polizisten die Freiheit schützen müssen und Stadien zu Hochsicherheitsarenen aufgerüstet werden.

Hinzu kommt die Gefahr durch jene Idioten, die es schon immer gab, die aber in Zeiten der Terrorangst ein wenig in Vergessenheit geraten waren. Wahrscheinlich konnten sich die Hooligans in Marseille auch deshalb mit solch furchtbarer Gewalt zurückmelden, weil ihre Wirkung unterschätzt worden ist und die Sicherheitskräfte mit all ihren Aufgaben und nach Monaten der höchsten Wachsamkeit natürlicherweise überfordert sind.

In der Summe führt das zu einer EM, die niemals als reines Fußballfest durchgehen wird. Das Turnier ist längst getrübt, was auch die Uefa nicht unterschätzen sollte. Schließlich ergibt sich aus der unschönen Gemengelage gerade auch für sie ein Problem: Es wird nämlich immer schwerer werden, Ausrichter für ein solch großes Ereignis zu finden. Welches Land, das auf einer Demokratie aufgebaut ist, will sich diese Strapazen schon antun?

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