Herrlich selbstironisch

Beckmanns Sportschule: Konfuses Fernsehen mit Bestatter

Kassel. Was, bitteschön, ist zu erwarten, wenn eine Sendung im deutschen Fernsehen allein schon von den Zeitungen und Nachrichtenportalen so viel Kritik erntet, dass ein Shitstorm der sozialen Netzwerke zu einem lauen Lüftchen verkommt? 

Wenn es Überschriften gibt wie diese: „Beckmann nervt mit EM-Talkshow“, „ARD liegt mit Beckmanns Sportschule völlig daneben“, „Wie viele Idioten soll diese Welt noch aushalten?“ – und noch eine: „Meinen Sie das ernst bei der ARD?“

Ja, meinen sie. Wobei: eigentlich auch wieder nicht. Die Ausgabe am Montagabend beginnt mit der Bemerkung: „Shitstorm ab für die Sendung, die ein Desaster bleibt.“ Damit ist eigentlich die Frage schon beantwortet, was zu erwarten ist von „Beckmanns Sportschule“, die in der ARD immer dann ihre Pforten öffnet, wenn bei der EM die Pässe gespielt und die Interviews geführt worden sind. Dann startet durchaus konfuses Fernsehen, wenn etwa plötzlich der ehemalige Bundesligaspieler Nico Patschinski als Bestatter auftaucht. Aber gleichzeitig setzt auch der selbstironische Umgang damit ein, weshalb das Ganze zu einer Mischung verkommt, an deren Ende niemand so recht weiß, ob nun Lachen oder Weinen angesagt ist.

Allein schon das Mitwirken des ehemaligen Nationaltorhüters Tim Wiese ist eine einzige Provokation. Der Kraftprotz geht einem ja schon auf die Nerven, wenn er nur mal kurz seinen Oberarm anspannt. Dass er aber als Torsteher der Sportschule Malente fungiert und als Eiweißbombe bezeichnet wird, macht seinen Auftritt dann schon wieder erträglich – erst recht, wenn er sich selbst auf die Schippe nimmt. Er schaut zum Beispiel auf sein Handy und sagt, dass er sich die Hymnen auf ihn und die Sendung durchlese. Das Motto lautet: Humor ist, wenn man trotzdem lacht.

Kulisse ist Liebeserklärung an Fußball von früher

Ansonsten macht Beckmann das, was auch schon Waldemar Hartmann früher in seinem „Waldis Club“ getan hat: Er spricht halt mit mal mehr, mal weniger interessanten Gästen über Fußball – das aber nicht in einem Fernsehstudio, sondern in einem umfunktionierten Raum der alt ehrwürdigen Sportschule Malente. Die Kulisse ist dabei eine Liebeserklärung an den Fußball von früher – mit Büchern im Hintergrund von längst vergessenen Weltmeisterschaften. Das mutet mitunter skurril an.

Aber das ist eben das Konzept, das gut und gern als gaga durchgehen kann. Das lässt sich schon daran erkennen, dass Uwe Seeler als Hausmeister fungiert und erklärt, er habe keine Zeit, weil er noch etwas posten müsse. Blöd. Witzig.

Kein Grund zur Aufregung

Witzig und blöd – und kein Grund zur großen Aufregung. Schließlich gibt es noch das passende Ende zu allem. Es werden Hasskritiken aus dem Internet vorgelesen, die sich mit der Sendung befassen – etwa: „Wer jetzt noch Beckmanns Sportschule schaut, hat die Kontrolle über sein Leben verloren.“ Im Übrigen: Nico Patschinski ist tatsächlich Bestatter.

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