Zur Berichterstattung bei fürchterlichen Sportunfällen

Pro und Kontra: Bilder von Verletzungen zeigen - oder nicht?

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Ein Bild zum Fürchten: Der Franzose Samir Ait Said nach seinem Unfall beim Pferdsprung. Das gebrochene linke Bein ist gepixelt.

Rio. Beim Turnen war es Schicksal oder Zufall, aber bei den Straßenrennen der Radsportler auch Fahrlässigkeit des Weltverbandes UCI, der eine zu schwere Strecke ausgesucht hatte. Nach den schweren Unfällen stellt sich zudem die Frage, wie die Medien berichten sollten.

Müssen die schrecklichen Bilder im Fernsehen, in den Zeitungen oder im Internet zu sehen sein? Dass das ZDF Bilder von dem schweren Sturz der Niederländerin Annemiek van Vleuten beim Straßenrennen gezeigt hat, ist nicht verwerflich, denn es waren Live-Bilder. Auf Wiederholungen verzichtete das ZDF bis geklärt war, dass van Vleuten relativ glimpflich davongekommen war. Sollen solche Bilder veröffentlicht werden? Ein Pro und Kontra.

Schreiben Sie uns in den Kommentaren, was Sie zum Thema meinen. 

Pro: Authentische Momente

Jens Nähler (43), Mitglied der Chefredaktion

Gute Bilder dokumentieren. Nicht mehr und nicht weniger. Sie zeigen das Grauen des Krieges, das Leid von Menschen und Tieren, die Katastrophen des Alltags. Der Sport gehört zum Leben dazu: mit all seinen Glücksmomenten, aber auch all seinen Dramen. Mit der Freude der Sieger, aber auch dem Schmerz der Verlierer. Und dem Leid der Verletzten.

Gute Bilder bewegen ihre Betrachter. Sie erzeugen Emotionen um des eingefangenen Momentes willen: Wem schauderte nicht beim Anblick der Verletzung von Samir Aït Saïd? Ein schlimmes Bild. Ein berührendes Bild. Ein authentisches Bild, das auch die Gefahren eines Sports dokumentiert, der dem Körper alles abverlangt.

Die Grenzen des Zumutbaren überschreitet es nicht. Es ist nicht skrupellos voyeuristisch, dringt sensationsgierig in die Privatsphäre ein oder verletzt die Rechte der abgebildeten Person. Es bewirkt statt wie zu oft abgestumpfte Kenntnisnahme Emotionen.

Guten Bildern geht es nicht um Effekthascherei, sondern um den Moment. Deswegen muss man viele von ihnen auch nicht wieder und wieder zeigen. Zeigen aber muss man sie. 

Kontra: Sensationslust wird bedient

Gerd Brehm (64), Sportredakteur

Manche meinen, dass die Olympischen Spiele sowieso nicht mehr zu retten sind. Viele sehen in dem Sportfest eine große Bühne für Betrüger, Nationalisten und Politiker, die den Sport für ihre Zwecke instrumentalisieren wollen.

Umso verwerflicher ist es, dass zudem auch noch niedere Instinkte wie Sensationslust und Freude am Leid anderer bedient werden. Wer sich an sportlichen Höchstleistungen erfreuen möchte, der braucht keine Bilder von total verdrehten gebrochenen Beinen. Auch nicht von Sportlern, bei denen nicht klar ist, ob sie einen schweren Sturz überhaupt überleben werden.

Viele Motorsportfans, die sich ein Formel1-Rennen anschauen, hoffen auf spektakuläre Unfälle, aber Anhänger des Kunstturnens oder des Radsports rechnen normalerweise nicht mit Bildern, bei deren Anblick ihnen schlecht wird.

Bei Live-Übertragungen hilft zartbesaiteten Zuschauern allerdings nur, die Fernbedienung in Reichweite zu deponieren oder schnell das Weite zu suchen. Bei einem Sturz nach einem Pferdsprung beispielsweise ist der Kameramann machtlos. 

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