Beim OFC kehrt keine Ruhe ein: KSV-Gegner Offenbach erlebt bizarre Saison

Spielt trotz großen Umbruchs eine gute Saison mit den Offenbachern: Trainer Oliver Reck hat ein schlagfertiges Team bei den Südhessen zusammengestellt. Foto:  dpa

Offenbach. Es ist eine bizarre Situation, in die sich die Offenbacher Kickers mit ihrem Insolvenzantrag am 27. Mai 2016 manövriert haben.

Sportlich zählt das Team von Trainer Oliver Reck trotz eines Umbruchs bislang zum Besten, was die Regionalliga Südwest zu bieten hat.

20 Punkte aus zwölf Spielen bei nur zwei Niederlagen sind die Bilanz eines Topteams. Wäre da nicht dieses turbulente Frühjahr.

Weil drei Jahre nach dem ersten Insolvenzverfahren wieder ein großes Loch im Etat der Profi GmbH zum Vorschein gekommen war, hatte der Fußball-Regionalligist angesichts von 900 000 Euro Schulden den Gang zum Amtsgericht angetreten. Die Strafe: Gemäß den Statuten der Liga startete der OFC mit neun Punkten Abzug. Und so stehen die Kickers nicht mit regulär 20 Zählern auf Rang sechs, mit Tuchfühlung zu den Aufstiegsrängen, sondern eben nur auf Rang 17.

In der turbulenten Sommerpause kämpfte der Klub um seine Existenz. Alleine 280 000 Euro brachte eine Sammelaktion „Alles auf rot-weiß“ ein, bei der Fans und Gönner 190,10 Euro für ein Rettungspaket zahlten. Darlehen oder Stundungen von Gläubigern sowie die Ankündigung, ein Freundschaftsspiel „gegen einen Champions-League-Sieger der letzten fünf Jahre“ (OFC-Präsident Helmut Spahn) im Frühjahr schriftlich sicher zu haben, ermöglichten die Rettung.

Am 27. August zog der seit Januar amtierende kommissarische Geschäftsführer Remo Kutz den Insolvenzantrag beim Amtsgericht zurück. Doch der Kampf geht weiter. Mittlerweile klagt das im November 2015 neu angetretene Präsidium vor dem ständigen Schiedsgericht der Regionalliga gegen den Punktabzug. „Ohne Insolvenzeröffnungsverfahren ist die Strafe eine unangemessene Benachteiligung“, so die These der Verantwortlichen. Ruhe kehrt hinter den Kulissen nicht ein, vor allem die Person Kutz spaltete die Gemüter. Zum 1. November tritt Christopher Fiori (bislang FSV Frankfurt) als neuer Geschäftsführer an.

Oliver Reck (51), 471 Mal für Kickers Offenbach, Werder Bremen und Schalke 04 in der Bundesliga im Tor, arbeitet derweil mit einem runderneuerten Team an der Aufholjagd. Im Sommer verließen Leistungsträger den Bieberer Berg. Reck fand mit Sportdirektor und Ex-Profi Sead Mehic günstigere Alternativen. 400 000 Euro weniger als in der vergangenen Spielzeit stehen für den Spieleretat zur Verfügung.

Doch der Umbruch klappte erstaunlich gut. Kapitän und Urgestein Daniel Endres im Tor sowie Mittelfeldspieler Marco Rapp (fehlt gegen Kassel wegen der 5. Gelben Karte) sind die Führungsspieler des Teams. Talente wie Dren Hodja (3 Tore) bringen ebenso Leistung wie zuvor eher unbekannte Akteure aus unteren Ligen wie Serkan Firat oder der Japaner Ko Sawada. „Was diese Mannschaft leistet, ist phänomenal“, lobt der zuweilen kantig daherkommende Reck sein Team gebetsmühlenartig. In einer Saison, die so bizarr für die Offenbacher Kickers begann, war das nicht selbstverständlich.

Von Jörg Moll

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