Was schon passt und wo es noch krankt

Aufbruchstimmung beim KSV Hessen? Fehlanzeige

Im Spiel des Windes: Eine Eckfahne des KSV Hessen. Aber wohin führt der Weg der Kasseler Löwen in der Zukunft? Archivfoto:  Hedler

Kassel. Die Fußball-Regionalligen kränkeln – und mit ihnen kränkelt der KSV Hessen Kassel. Finanzielle Probleme haben den Verein zu einer Wende in der Ausrichtung gezwungen.

Während die Kickers aus Offenbach zum zweiten Mal in drei Jahren Insolvenz anmelden müssen, senken die Löwen ihre sportliche Zielsetzung und wollen einen regionalen Weg gehen. Eine Bestandsaufnahme:

TRAINER UND TEAM

In der wichtigsten Personalie sind die Löwen sehr schnell gewesen. Einen Tag nach dem feststehenden Abgang von Matthias Mink wurde der bisherige Co-Trainer Tobias Cramer zum Chef befördert. Bei der Mannschaft stehen elf Spieler, darunter das komplette Torhüter-Trio sowie Rückkehrer Sebastian Schmeer, für die Saison fest. Als erste Neuzugänge werden Ex-Löwe Ingmar Merle und Fabian Korell, Stürmer des Gruppenligisten TSV Wabern, gehandelt.

Bewertung: Cramer ist eine logische Wahl. Der Willinger passt zur regionalen Ausrichtung des Teams und kennt sich bei der Arbeit mit jungen Spielern aus. Bei der Zusammenstellung der Mannschaft sollten schnell Signale gesendet werden – vor allem an die Spieler der aktuellen Kaders.

VORSTAND UND VISIONEN

Es war reichlich Bewegung drin im KSV-Vorstand zuletzt. Nach Hans-Jochem Weikert geht auch Simon Eberle, Dirk Wiegand könnte, so ist zu hören, aus beruflichen Gründen folgen. Dafür rücken jetzt mit Daniel Bettermann ein Neuling und mit Wolfgang Linnenbrink ein Rückkehrer nach. Der Verlust von Geschäftsstellenleiter und Pressesprecher Torsten Pfennig ist ein weiterer Schlag.

Bewertung: Jeder, der dem KSV in schweren Zeiten beisteht, ist ein Gewinn. Und je breiter die Gremien Vorstand und Aufsichtsrat aufgestellt sind, desto besser. Gerade Rückkehrer wie Linnenbrink gehören deshalb mit offenen Armen empfangen. Aber, auch wenn die Verantwortlichen das natürlich nicht gern hören: Den Löwen fehlt ein Frontmann, gerade jetzt, wo sich Fans und Sponsoren abwenden. Jemand, der intern die Kommunikation beispielsweise zu einer enttäuschten, weil immer wieder auf ihr Gehalt wartenden Mannschaft verbessert. Jemand, der nach außen als Gesicht des KSV wahrgenommen wird. Der den Verein verkörpert, weil er ihn lebt.

SPONSOREN UND FINANZEN

Hauptsponsor VW hat seinen Rückzug angekündigt, wird in der kommenden Saison nur 280 000 Euro statt 350 000 Euro zur Verfügung stellen, anschließend komplett aussteigen. Auch das hat den Verein zum Umdenken angeleitet, zumal kurzfristige Verbindlichkeiten in Höhe von 100 000 Euro und langfristige Verbindlichkeiten in Höhe von 400 000 Euro zu buche schlagen. Das Problem: Gerade Großsponsoren sind nicht für den KSV zu begeistern.

Bewertung: Der Ausstieg von VW kann auch eine Chance sein – unter Berücksichtigung dessen, was der Hauptsponsor über all die Jahre geleistet hat: Er hat viel (aber auch nicht übermäßig viel) Geld gegeben und dafür ein extremes Mitspracherecht beansprucht – innerhalb der Gremien und außerhalb. Herausgekommen ist viel Gerede über Professionalität, aber ansonsten: wenig. Nun kann und muss sich der Verein frei davon entfalten. Darüber hinaus ist er in der Not, einen neuen, finanzkräftigen Hauptsponsor zu generieren. Das wird mit einem Solisten Michael Pfeffer als Vermarkter sehr schwer werden.

UMFELD UND STIMMUNG

Der Zuschauerschnitt des KSV lag in der vergangenen Saison erneut unter 2000 – bei exakt 1980 Besuchern. Die Euphorie aus den Festspielwochen verflog mit jedem unattraktiven Auftritt vor heimischer Kulisse mehr. Selbst zum Testspiel gegen den 1. FC Köln am Ende der Saison kamen lediglich 5100 Besucher. Die Stimmung? Nicht gut, nicht wirklich schlecht. Irgendwie neutral. Das ist das Problem.

Bewertung: Von einer Aufbruchstimmung sind die Löwen weit entfernt. Das Wir-Gefühl vergangener Tage ist einer resignativen Haltung gewichen.

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