KSV beginnt gegen Eschborn schwach - und siegt glücklich

Huckepack: KSV-Verteidiger Nico Hammann bedient sich hier des Rückens von Velibor Velemir (Eschborn). Archivfotos:  Fischer
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Huckepack: KSV-Verteidiger Nico Hammann bedient sich hier des Rückens von Velibor Velemir (Eschborn).

Kassel. Was geht einem Spieler durch den Kopf, der beim Stand von 0:0 in der zweiten Minute der Nachspielzeit zum Elfmeterpunkt geht und sich den Ball zurechtlegt? „Du bist unglaublich konzentriert darauf, der Druck ist wahnsinnig groß. Entweder wirst du zum Helden oder zum Idioten. Wenn du vergibst, wird alles wieder in Frage gestellt.“

Sagt Andreas Mayer und beschreibt den schmalen Grat, auf dem der 31-jährige Publikumsliebling des KSV Hessen in der letzten Minute gegen Aufsteiger Eschborn wandelte. Am Ende verwandelte Mayer den Strafstoß zum 1:0-Sieg, die Löwen waren wieder obenauf, wenn auch etwas glücklich.

Andreas Mayer

Parallel zum Auftritt Mayers verlief die Partie des KSV, der vor allem in der ersten Halbzeit die Fans enttäuschte. Lange, diagonal gespielte Bälle gegen Gäste-Verteidiger mit Gardemaß? Ein schlechtes Rezept, denn sie kamen selten an. „Ich war überhaupt nicht im Spiel. Vor allem Ingmar Merle und ich auf den Außenpositionen konnten die Anspiele kaum verarbeiten“, sagt Mayer, der vom 1. FC Eschborn überrascht war. „Sie haben sich nicht nur hinten reingestellt, sondern den Ball laufen lassen“, erklärt der Mittelfeldspieler.

Die Analyse der besonderen Art gab es dann in der Halbzeitpause. „Ich bin schon ein bisschen lauter geworden, denn in Sachen Laufbereitschaft, Agressivität und der Arbeit gegen den Ball war Eschborn uns überlegen. Davon ab: Hohe, lange Bälle sind im Training ausdrücklich verboten“, sagte KSV-Trainer Uwe Wolf nach dem Spiel.

Die Ansprache fruchtete, zumindest in Ansätzen war fortan direktes Kurzpass-Spiel zu erkennen. Was auch daran lag, dass sich Löwen-Spielmacher Gabriel Gallus steigerte. „Wir sind natürlich von ihm abhängig, er muss uns mit Pässen füttern“, sagt Mayer, der nach Salvatore Baris Großchance in der 64. Minute selbst die große Möglichkeit zur Führung hatte.

Unter den Fans auf der Tribüne sorgten zwei Auswechslungen für Gesprächsstoff. Der defensive Viktor Riske kam für Sebastian Schmeer und Stürmer Tobias Damm erst in der 83. Minute für Gabriel Gallus. Wolf erklärte später, warum: „Mit Viktor wollte ich das zentrale Mittelfeld stärken, um dort wieder Zweikämpfe zu gewinnen. Gabriel hatte sich einfach verausgabt und musste raus.“

Es dauerte bis zur Nachspielzeit, ehe sich Andreas Mayer den Ball zurecht legen konnte. „Der Treffer war eine richtige Erlösung. Aus der Vergangenheit weiß ich, was es heißt, wenn hier wieder Unruhe aufkommt“, so Mayer. Das will der KSV Hessen in jedem Fall vermeiden. Doch im Spitzenspiel am Samstag gegen Elversberg (14 Uhr, Auestadion) muss eine erhebliche Steigerung her, um auch das dritte Heimspiel zu gewinnen.

Von Torsten Kohlhaase