Ex-Kölner Dirk Lottner baut Saarbrücken auf

In Jubelpose: Dirk Lottner freut sich im Mai 2004 über einen Treffer für den 1. FC Köln. Foto:  dpa

Saarbrücken. Beim Namen Dirk Lottner schnalzen Kölner Fußballfans mit der Zunge. Die Lotte, wie der Linksfuß genannt wird, besitzt bis heute Kultstatus unter den FC-Anhängern.

Herrliche Freistöße, Schlitzohrigkeit - das waren Lottners Markenzeichen in sechs Jahren bei den Geißböcken.

Als waschechter Kölner hatte der 44-Jährige ohnehin einen Stein im Brett. Seit dieser Saison arbeitet Lottner als Trainer beim 1. FC Saarbrücken und wird am Samstag im Auestadion an der Linie stehen.

Beim Traditionsklub und dem aktuell Tabellenzweiten der Regionalliga fühlt er sich pudelwohl. „Wir bauen hier etwas auf. Die Planungen sind mittelfristig angelegt, und ich kann in Ruhe mit jungen Spielern arbeiten und sie entwickeln“, sagt Lottner. Noch krasser als beim KSV gab es in Saarbrücken nach der enttäuschenden Vorsaison einen radikalen Schnitt. 14 neue Spieler, neue Vorstände, neuer Sportdirektor und eben ein neuer Trainer. Der sagt: „Der finanzielle Rahmen wurde im Vergleich zum Vorjahr runtergefahren. Wir wollten eine bessere Mischung mit mehr Regionalität im Kader.“

Wir berichten ab 14 Uhr im Liveticker aus dem Auestadion.

Seit dem Ende seiner aktiven Karriere 2006 sammelte Lottner zunächst Erfahrungen als Trainer im Jugendbereich und mit der zweiten Mannschaft des 1. FC Köln. Diese Lehrjahre kämen ihm für seine jetzige Aufgabe zugute, sagt er. Abgesehen von einem kurzen Engagement bei Hansa Rostock ist der 1. FC Saarbrücken seine erste Station als Cheftrainer außerhalb Kölns. „In Saarbrücken ist es überschaubarer.“ Gleichwohl sei die Lebensqualität sehr hoch, er komme sehr gut zurecht, „und die Leute sind charakterlich ähnlich wie Kölner: offen und nicht so überkandidelt“, sagt Lottner und bringt einen Zusatz, den Kölner in solchen Momenten immer auf der Pfanne haben: „Nicht so wie in Düsseldorf.“

Parallelen zu Köln und Kassel

Er ist und bleibt halt ’ne Kölsche Jung. Neben der Mentalität sieht Lottner weitere Parallelen zwischen Saarbrücken und Köln - vor allem was die Tradition der Fußballklubs anbelangt. Die meisten Fans würden in der Vergangenheit schweben. „Sie haben die Zeiten in den oberen Ligen vor Augen. Es herrscht die Einstellung: Eigentlich müssten wir doch ...“, erklärt Lottner die Gefühlslage im Saarland und könnte damit genauso gut die Situation rund um den KSV Hessen beschreiben.

Apropos: Über die Löwen und das Umfeld ist Lottner auch deshalb gut informiert, weil er Ex-Trainer Matthias Mink sehr gut kennt. Die beiden trugen in den 1990er-Jahren das Trikot von Fortuna Köln. Außerdem absolvierten sie zeitgleich die Trainerausbildung. „Wie in Kassel haben wir eine Mannschaft zusammengestellt, die wieder die Fans mitreißt“, sagt Lottner, der eine kämpferische Partie im Auestadion erwartet.

Ambitionen, wieder in Köln zu arbeiten, hat er vorerst nicht. Der FC werde immer sein Verein sein, sagt Lottner: „Meine Familie lebt in Köln. Aber in Saarbrücken macht die Arbeit tierisch Spaß.“ Sportlich zieht ihn nichts weg aus dem Saarland. „Außer natürlich, Real Madrid ruft an. Dann können wir noch mal darüber reden.“ Da blitzt sie auf, Lottes Schlitzohrigkeit.

Steckbrief:

Dirk Lottner (44), geboren am 4. März 1972 in Köln

• Vereine: Fortuna Köln (1990-97), Bayer Leverkusen (97-98), 1. FC Köln (98-2004), Duisburg (2004-06).

• Statistik: 83 Bundesliga-Spiele für den 1. FC Köln, 24 Tore; 78 Spiele in der zweiten Liga, 30 Tore.

• Trainerstationen: U 17 1. FC Köln (2007-2010), 1. FC Köln II (2011-2013), Hansa Rostock (2014), 1. FC Saarbrücken (seit Saison 2016/17)

• Sonstiges: betreibt die Fußballschule „Lottes Kicker“

• Privates: verheiratet mit Sarah, zwei Kinder: Leni-Mayra und Jerome

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