Er stürmte bei Schalke und Dortmund und war Sportdirektor beim KSV

Geburtstag von Rüdiger Abramczik: Der Flankengott wird 60

Kassel. Der Flankengott aus dem Kohlenpott: Das ist nicht etwa Stan Libuda, auch nicht Lothar Emmerich und schon gar nicht Helmut Rahn. Der Flankengott aus dem Kohlenpott heißt Rüdiger Abramczik und wird heute 60. Eine Laudatio in sieben Kapiteln.

DER NATIONALSPIELER 

Der Mann, der Talent für 100 Länderspiele hatte, trug das Trikot der deutschen Elf nur 19-mal und war mit 23 Jahren bereits Ex-Nationalspieler. Dem Gelsenkirchener war seine direkte westfälische Art zum Verhängnis geworden, mit der er auch gegenüber dem damaligen DFB-Präsidenten Hermann Neuberger nicht hinter dem Berg

Februar 2016: Abramczik besitzt in Gelsenkirchen ein Geschäft für Sportartikel.

hielt. Als Abramczik nach einem Länderspiel von Neuberger kritisiert wurde, lautete die nicht gerade diplomatische Antwort: „Sie haben doch überhaupt keine Ahnung.“ Franz Beckenbauer hätte die Wahrheit womöglich sagen können, vielleicht auch Günter Netzer oder Wolfgang Overath. Aber Abramcziks Karriere in der Nationalmannschaft war beendet. Die Folge: Nie wieder wurde bei einem Länderspiel so schön geflankt.

DER SCHALKER 

Flanke Abramczik, Tor Fischer. Das sahen die Schalke-Fans zwischen 1973 und 1980 im Gelsenkirchener Parkstadion nicht selten. Das Zusammenspiel zwischen dem Flankengott und dem Experten für Fallrückzieher führte die Schalker 1977 zur Vizemeisterschaft.

DER VEREINSWECHSEL 

1980 - Schalke war mal wieder in finanziellen Schwierigkeiten - wollte sich der Klub von seinem nicht sehr preiswerten Flankengott trennen. Der Abnehmer war nur 37 Kilometer entfernt und hieß Borussia Dortmund. Deshalb musste Rüdiger Abramczik viel leiden. Er wurde mit Bier übergossen, sein Auto wurde zerkratzt, und statt „Flankengott“ riefen die Fans „Judas“ oder „Schwein“.

DER DORTMUNDER 

Wer von Schalke nach Dortmund wechselt, der sitzt plötzlich zwischen allen Stühlen. Während die Schalke-Fans sauer waren, dass ihr Flankengott zum ungeliebten Nachbarn wechselte, wollten die Borussia-Fans unter keinen Umständen einen Ex-Schalker in ihren Reihen dulden. Aber Abramczik biss sich durch, spielte von 1980 bis 1983 für die Dortmunder und bildete mit Manfred Burgsmüller ein torgefährliches Sturmduo. Allerdings fehlte ein Abnehmer für die wunderschönen Flanken, denn Klaus Fischer stürmte inzwischen für den 1. FC Köln.

DER TRAINER 

Abramczik vergleicht sich mit Lothar Matthäus, der als Trainer hierzulande auch nicht gerade begehrt ist. Dabei kann er auf einen bemerkenswerten Erfolg verweisen. Als Metalurgs Liepaja 2009 lettischer Meister wurde, hieß der Trainer Rüdiger Abramczik. Dennoch erhielt er wenig später den Laufpass, weil er nicht alle Spieler einsetzte, die der Klub für teures Geld eingekauft hatte.

DER KASSELER 

Vom 23. März bis zum 30. Juni war Rüdiger Abramczik Sportdirektor des KSV Hessen. Eine Tätigkeit, die ihm bei weitem nicht so lag, wie das Flankenschießen auf dem Sportplatz. Dass er bei den Löwen nicht nachhaltig gearbeitet hat, begründet Abramczik so: „Ich hatte andere Vorstellungen als Trainer Uwe Wolf. Mit ihm war eine Zusammenarbeit nicht möglich.“

DER GESCHÄFTSMANN 

Rüdiger Abramczik hat das Geld, das ihm seine Flanken einbrachten, offenbar gut angelegt. Er besitzt 30 Häuser beziehungsweise Wohnungen, ein Sportgeschäft sowie ein Reisebüro mit Manfred Burgsmüller und Peter Neururer als Partnern.

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