Polizei musste eingreifen

Hessenderby wegen Ausschreitungen fast abgebrochen - KSV siegt 1:0

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Kassel. 72 Minuten war es ein ansehnliches, sportliches und stimmungsvolles Fußball-Hessenderby im Auestadion zwischen dem KSV Hessen Kassel und Kickers Offenbach, dann stürmten Anhänger der Gastgeber auf das Spielfeld und sorgten fast für einen Abbruch.

Nach einer Unterbrechung von zehn Minuten ging es weiter. Sebastian Schmeer gelang in der Schlussphase der Siegtreffer. Die zwei Seiten des Spiels:

Der Skandal

Zwei prall gefüllte Fankurven, Anhänger auf beiden Seiten, die ihre Klubs lautstark unterstützen - so wünscht man sich die Stimmung im Stadion. Und so hätte es auch beim Derby sein können. In der fünften Minute explodierte ein Böller, offenbar aber nicht direkt im Stadion, das war es zunächst. 

Die Polizei war mit einem massiven Aufgebot vor Ort, hatte noch zu Spielbeginn getwittert: Bisher keine Zwischenfälle. Wir wünschen ein gutes Spiel. Die Ruhe hielt aber nur bis zur 72. Minute. Dann eskalierte die Situation. Die Kickers-Anhänger provozierten zunächst in ihrem Block, als sie an den Diebstahl von KSV-Fahnen vor zwei Jahren erinnerten und diese Fahnen dann zerrissen.

Kurz darauf stürmten plötzlich aus dem Kasseler Block Personen durch ein geöffnetes Tor auf die Laufbahn. Szenen, die es im Auestadion lange nicht gegeben hat. Die Polizei war zügig zur Stelle, drängte die Fans in die Kurve zurück. 

Schiedsrichter Tobias Fritsch unterbrach die Partie, verschwand wie die Offenbacher in der Kabine. Die KSV-Akteure blieben zunächst noch auf dem Rasen. Nach zehn Minuten ging es weiter. Hinter der Kurve und zwischenzeitlich auf der Osttribüne gab es aber immer wieder Versuche der KSV-Fans, Richtung Offenbacher Block zu kommen - die allesamt aber von der Polizei unterbunden wurden.

"Das hatten wir uns anders erhofft", sagt Dennis Pfeiffer, der das Fan-Projekt beim KSV Hessen Kassel betreut. Die Eskalation während des Spiels gegen Kickers Offenbach habe sich als sehr schwierige Situation erwiesen, die in Ruhe aufgearbeitet werden müsse. "Es besteht viel Redebedarf", sagte Pfeiffer. Erleichtert ist er dennoch, dass es offenbar nicht zu Schlägereien im Innenraum des Stadions gekommen ist.

Das sagt die Polizei

Von Anfang an trennte die Polizei die beiden Fanlager. So sei im Vorfeld des Spiels alles reibungslos verlaufen. Rechtzeitig, nämlich noch vor Anpfiff, entdeckten Sicherheitskräfte im Bereich der Nordkurve drei Depots mit pyrotechnischen Gegenständen. Ermittlungen wegen Verstoßes gegen das Sprengstoffgesetz wurden eingeleitet.

In der zweiten Halbzeit dann eine Provokation aus dem Offenbacher Fanblock, in dem 470 Menschen standen: Einige zeigten ein Banner mit der Aufschrift: "Ist die Fresse noch so groß, die Fahnen seid ihr trotzdem los." Dazu wurden in dem Block mehrere KSV-Fahnen gezeigt, die offenbar Anfang 2015 gestohlen worden waren. Daraufhin heizte sich die Stimmung zwischen beiden Lagern auf. 

Anhänger beider Vereine kletterten über die Absperrzäune, aus dem KSV-Block gelangten einige in den Innenraum. Die Polizei verhinderte aber einen Platzsturm. Als erneut einige versuchten, den Platz zu stürmen, und die Beamten mit Gegenständen bewarfen und attackierten, wurde Pfefferspray eingesetzt.

Nach dem Spiel benutzten Polizisten Pfefferspray, um zu verhindern, dass Offenbacher Anhänger die Polizeiabsperrung durchbrachen. 

Eine Person aus dem Kasseler Block musste aufgrund des Pfefferspray-Einsatzes kurzzeitig in einem Rettungswagen versorgt werden. Bei seiner Behandlung wurde eine Sanitäterin durch ihn leicht verletzt.

Rund um das Stadion kam es zu insgesamt sieben kurzzeitigen Festnahmen wegen Straftaten - und um Straftaten zu verhindern. Alle Personen wurden wieder entlassen. Zudem wurden sechs Strafverfahren wegen Landfriedensbruchs, Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte, Sachbeschädigung und Beleidigungen eingeleitet.

Und das Spiel?

Der stark ersatzgeschwächte KSV stand meist sicher in der Defensive, hatte zunächst im Vorwärtsgang aber Probleme. Wenn es in den ersten 30 Minuten gefährlich wurde, dann durch die Kickers. Die letzten 15 Minuten vor der Pause entschädigten aber für die etwas zähe Anfangsphase. Da ging es plötzlich Schlag auf Schlag mit Möglichkeiten auf beiden Seiten. Die beste hatte Marco Dawid, der nach einem langen Ball von Henrik Giese über links davon zog, aber knapp rechts vorbeischoss (41.). Kurze Zeit später legte Sebastian Schmeer im Strafraum mit der Hacke auf Sergej Evljuskin ab, dessen Flanke Tim Philipp Brandner am hinteren Pfosten knapp verpasste. 

Und nach dem Wechsel, da waren es endgültig die Löwen, die die Partie bestimmten, während Offenbach offensiv überhaupt nicht mehr stattfand. In der 47. Minute hatten die KSV-Fans den Torjubel bereits auf den Lippen, doch Marco Dawids Kopfball wurde irgendwie noch abgeblockt. 

Später schoss der eingewechselte Fabian Korell bei einem Konter ans Außennetz. Und als nach der Unterbrechung die Lust am Fußball weg war, alles bereits auf ein 0:0 hinauslief, da trafen die Löwen doch noch. Sebastian Schmeer erzielte im Nachschuss das 1:0. Das natürlich bejubelt wurde an einem trotzdem arg getrübten Fußballnachmittag.

Kassel: Hartmann - Schmik, Albrecht, Giese, Brandner - Khadraoui (60. Damm), Evljuskin (67. Korell), Rakk - Dawid, Schmeer (90+12 Pepic), Bravo-Sanchez 

Offenbach: Endres - Göcer, Kirchhoff, Schulte, Theodosiadis -Sawada (62. Darwiche), Gaul, Scheu (7. Maslanka), Firat (90. Stoilas) - Hodja, Neofytos 

SR: Fritsch (Bruchsal), Z: 2847 Tore: 1:0 Schmeer (90+2) Gelbe Karten: Brandner, Giese, Dawid - Göcer, Schulte

Risikospiel im Auestadion: Der KSV gegen Offenbach

Hier der Live-Ticker noch einmal zum Nachlesen:

Live Blog Fußball-Regionalliga: KSV Hessen Kassel - Kickers Offenbach
 

Die Polizei Nordhessen twitterte zum Spiel:

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