Regionalliga: 1,1 Mio. Euro Schulden – Offenbacher Fußball-Club droht das Aus

Die Kickers sind am Abgrund

Offenbach. 115 Jahre alt ist der Offenbacher Fußball-Club (OFC) Kickers. Ob er seinen 116. Geburtstag feiern kann, ist mehr als fraglich.

Die Kickers stehen am Abgrund, denn dem OFC droht das Aus – wieder einmal. Nur 13 Monate nach Abschluss des ersten Insolvenzverfahrens steht der Verein erneut vor der Pleite. Der seit Januar amtierende Geschäftsführer Remo Kutz hat beim Amtsgericht Offenbach Insolvenzantrag gestellt. Die Profi-GmbH ist mit rund 1,1 Millionen Euro verschuldet.

Dr. Andreas Kleinschmidt, der die erste Insolvenzphase begleitet und die Profi-GmbH im April 2015 mit einem Plus von 200 000 Euro wieder in die Hände des OFC gegeben hatte, wurde vom Amtsgericht wieder als Insolvenzverwalter eingesetzt und verschafft sich bis zum Wochenende einen Überblick. Dann soll entschieden werden, ob die Insolvenz eröffnet werden muss, oder ob die Kickers – ähnlich wie der SV Darmstadt 98 vor einigen Jahren – die Insolvenz noch abwenden können.

Der im Januar entlassene Geschäftsführer David Fischer soll laut OFC-Präsidium in der Saison 2015/16 bei einem Etat von 2,4 Millionen ein Defizit von 1,1 Millionen Euro „erwirtschaftet“ haben. Laut Schatzmeister Markus Weidner hat die Profi-GmbH 650 000 Euro mehr ausgegeben und 300 000 Euro weniger eingenommen als veranschlagt war. „Operativ wurden 900 000 Euro verbrannt“, sagte Weidner. „Wir hätten pro Spiel 10 500 Zuschauer gebraucht, um das Defizit auszugleichen.“ Fischer ist inzwischen Geschäftsführer beim 1. FC Saarbrücken.

Die Kickers wollen trotz Insolvenz nächste Saison mit einem reduzierten Etat und weiter mit Trainer Oliver Reck in der Regionalliga Südwest spielen. Reck habe bereits seine Zusage gegeben, sagte Präsident Helmut Spahn. Der Trainer selbst aber wollte sich seit dem Insolvenzantrag öffentlich nicht äußern. Sämtliche Kaderplanungen sind nun natürlich hinfällig, da der Insolvenzverwalter erst die finanziellen Rahmenbedingungen vorgibt.

Dazu kommt ein sportlicher Nachteil: Denn Regionalliga-Geschäftsführer Sascha Döther hat den Kickers bereits mitgeteilt, dass sie nach der Insolvenz laut Spielordnung in die neue Saison mit einem Abzug von neun Punkten starten müssen. Hätten die Kickers den Insolvenzantrag eine Woche früher, vor dem letzten Saisonspiel, gestellt, wären die Punkte sofort noch in der aktuellen Saison abgezogen worden. Dieses Versäumnis sorgt bei Fans und Sponsoren für großen Unmut und Vorwürfe. Laut Kutz sei aber ein früherer Insolvenzantrag nicht möglich gewesen, weil man bis zuletzt (vergebens) auf die Zusage eines Großsponsors gehofft hatte.

Von der zweiten Insolvenz wäre auch die Stadt betroffen. Die erste Insolvenz 2013 kostete die Stadiongesellschaft Bieberer Berg (SBB) 9,6 Millionen Euro. Auch dem eingetragenen Verein, der für die Nachwuchsmannschaften und weitere Abteilungen verantwortlich ist, droht die Insolvenz. Offen ist, inwieweit davon die U19 und U17 betroffen sind.

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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