Analyse: Warum Benjamin Trümners Wechsel nach Hoffenheim nachvollziehbar ist

Er geht den richtigen Weg

Geht im Sommer nach Hoffenheim: Benjamin Trümner. Foto: Koch
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Geht im Sommer nach Hoffenheim: Benjamin Trümner.

Kassel. Benjamin Trümner verbrachte die vergangenen Tage mit der U-18-Nationalmannschaft der Fußballer, mit der er am Dienstag in Paralimni ein 1:1 gegen die U 19 Zyperns erreichte. Trümner gehörte zur Startelf, wurde aber wie der aus Kassel stammende Marc Stendera und viele andere auch in der Halbzeit ausgewechselt.

Sein dritter Einsatz für die Auswahl unterstreicht allerdings das hohe Ansehen, das der 17-Jährige bei Bundestrainer Horst Hrubesch genießt.

Gestern landete Trümner wieder in Deutschland. Und doch war der Mittelfeldspieler des KSV Hessen Kassel schon die vergangenen Tage auch hier ein Thema. Am Dienstag wurde bekannt, dass er nach der Saison zur TSG Hoffenheim wechseln und dort zunächst für die U 19 aktiv sein wird. Seitdem sieht er sich in Online-Kommentaren teils massiver Kritik ausgesetzt. „Wie kann man nur zu diesem Verein wechseln?“, fragt ein Kommentator bei HNA.de. Ein anderer stellt die Frage: „Was will der Junge bloß bei dem Söldner-Klub?“ Ein weiterer hätte Trümner „dann doch mehr Niveau und Intellekt zugetraut“. Auch im Forum des KSV überwiegen die negativen Meinungen.

Dabei ist Trümners Wechsel Mitte des Jahres ins Kraichgau durchaus nachvollziehbar – und zwar aus mehreren Gründen. Anders als die Hoffenheimer Profiabteilung, die in der Bundesliga mehr denn je nach einem klaren Kurs sucht, genießt das Nachwuchsleistungszentrum der TSG nach wie vor einen ausgezeichneten Ruf. In der Bundesliga der A-Junioren belegen die Kraichgauer derzeit den dritten Rang.

Trümner hat sich aktuell noch nicht geäußert, Anfang des Jahres aber bereits erklärt, er wolle auf alle Fälle noch mindestens ein Jahr im Juniorenbereich spielen. Hoffenheim bietet ihm die Möglichkeiten, sich unter professionellen Bedingungen zu entwickeln. Dass sich die TSG bisher nicht dadurch ausgezeichnet hat, ihre Talente auch in das Profiteam zu integrieren, ist da zunächst einmal zweitrangig. Trümner kann sich später immer noch für einen anderen Verein entscheiden.

Nicht zu unterschätzen: die Beschaulichkeit, die Hoffenheim ausstrahl. Trümner kommt aus Neukirchen in der Schwalm, er ist in einer Großfamilie mit sieben Geschwistern aufgewachsen. Ihm liegt die Idylle näher als die Großstadt.

Ja, er hätte wohl auch zu Borussia Dortmund, zu Bayern München oder Eintracht Frankfurt gehen können. Allerdings hätte er sich dort doppelt umgewöhnen müssen: zum einen an härtere sportliche Anforderungen im Klub, zum anderen an ein raueres Umfeld. In Hoffenheim muss er zwar sportlich auch hart arbeiten, findet aber eine gewisse Ruhe vor. Die hat einem 17-Jährigen noch nie geschadet auf dem Weg nach oben.

Von Florian Hagemann