Analyse: Warum Weggang von Kapitän Carsten Nulle folgerichtig ist

KSV Hessen Kassel: Auf zu flachen Hierarchien

Kassel. Mit dem Weggang von Torwart Carsten Nulle zu Wormatia Worms verschwindet ein gutes Stück des KSV Hessen Kassel 2013, der geprägt war von der Mentalität des ehemaligen Trainers Uwe Wolf. Im Mittelpunkt standen dabei keine flachen Hierarchien, die im modernen Fußball mittlerweile als fördernd für einen Mannschaftserfolg angesehen werden.

Nein, dem Wolf-Nulle-Fußball lag ein klares Hackordnungsdenken zugrunde.

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Wolf war dabei der autoritäre Trainer, Nulle als Kapitän sein verlängerter Arm. Der 38-Jährige hatte keine geringe Macht über das Team, das er im Sinne Wolfs führte und es gegenüber der Außenwelt abschottete. Das ging so weit, dass manch ein Spieler lieber nicht mit der Presse sprach – oder vorher besser nachfragte, ob er das darf.

Nulle war insofern nicht nur auf dem Platz eine Art Oliver Kahn, der Gegnern und Mitspielern gleichermaßen Respekt einflößte. Mitunter kannte Nulle keine Gnade. Es kam auch schon mal vor, dass er im Training den Ball mit voller Wucht auf einen unweit postierten Teamkollegen schoss.

Unter Wolf brachte die Art den erhofften Erfolg: Gemeinsam gelang die Meisterschaft in der Regionalliga Südwest, wenn auch nicht der Aufstieg in die Dritte Liga. Unter Wolfs Nachfolger Jörn Großkopf bröckelte jedoch das System. Nulle blieb zwar Nulle, er hatte jetzt aber einen Trainer, der auf Ausgleich bedacht war – und nicht auf ein Machtwort. Das schwächte erst einmal Großkopf, weil – so war immer wieder zu hören – eher Nulle bestimmte, was gemacht wird. Die Folge: Das Gefüge geriet durcheinander, die Neuzugänge hatten einen schweren Stand, Großkopf musste schließlich gehen. Nulle übernahm jetzt auch offiziell das Kommando – gemeinsam mit Sven Hoffmeister.

Für die neue Konstellation mit Sportvorstand André Schubert und Trainer Matthias Mink wäre Nulles Macht und seine Vergangenheit nun aber ein Problem geworden. Sein Abschied ist daher folgerichtig und auch als Zeichen eines Neuanfangs im Umgang miteinander zu verstehen. Die Hierarchie ändert sich zwangsläufig. Das ist gerade für die Jüngeren im Team eine gute Nachricht.

Von Florian Hagemann

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