Eine Analyse zum KSV: Zwischen Vernunft und Schockstarre

Noch gar nicht so lange her: Im Pokalspiel gegen Hannover war das Auestadion richtig voll. Derzeit ist die Zukunft des KSV Hessen ungewiss wie lange nicht. Foto: Hedler

Kassel. Am Samstag gibt es wieder Fußball im Auestadion. Fußball-Regionalligist KSV Hessen Kassel empfängt die U 23 des 1. FC Kaiserslautern (14 Uhr).

Es bedarf keiner prophetischen Gaben, um vorauszusagen, dass die Partie auf eher geringes Interesse stoßen wird. Die Saison trudelt dem Ende entgegen. Das passt zur Situation des KSV, der in dieser Woche seine sportlichen Ziele für die kommende Saison weit nach unten korrigiert hat – und gleichzeitig perspektivlos in die Zukunft zu schauen scheint. Eine Analyse.

DIE DARSTELLUNG

Gefangen zwischen finanzieller Vernunft und Mutlosigkeit – so stellt sich der KSV derzeit dar. Mitte Februar überraschte der mittlerweile ausgeschiedene Vorstandsvorsitzende Hans-Jochem Weikert auf dem Neujahrsempfang mit der Ankündigung: „Wir wollen im kommenden Jahr aufsteigen. Dazu benötigen wir einen um eine Million Euro aufgestockten Etat.“

Das Problem damals: Weikert überraschte nicht nur die Öffentlichkeit, sondern auch die Gremien des Vereins. In dieser Woche wurde die komplette Kehrtwende vollzogen. Natürlich ist das nachvollziehbar. Mehr Geld ausgeben als man hat, davor sollte man genauso zurückschrecken wie vor Versprechen, die nicht haltbar sind. Aber: Der KSV bietet wenig Perspektive. Okay, er will den Nachwuchs stärken. Wie, das verrät er nicht. Und noch weniger, wie er das „Produkt“ KSV zukünftig unter die Leute bringen will. Zu den Fans. Zu den Sponsoren.

Nordhessen hat es selbst in der Hand, welchen Fußball es sehen will? Das ist zu einfach gedacht und trägt Züge der Schockstarre. Auch die Marke Fußball will verkauft werden. Sie muss sich interessant machen, Ideen, Strategien entwickeln, Pläne haben für die Zukunft. Diese Aufgabe kann dem Verein niemand abnehmen. Schon gar nicht der Fan in Nordhessen. „Wenn dein Ziel zu hoch war, dann setz dir im ersten Schritt ein anderes, kleineres“ – das rät jeder Motivationstrainer. Oder anders formuliert: Zurückrudern heißt ja nicht, dass man keine Ziele haben sollte. Der KSV präsentiert aber nichts Nachhaltiges. Er wirbt nicht für seinen neuen Weg, obwohl der nachvollziehbar wäre und durchaus Chancen haben könnte – wenn er denn konzeptionell und hartnäckig verfolgt würde. Der Verein, das wird deutlich, müsste seine Gremien um neue Köpfe ergänzen.

DIE PLANUNGEN

Wie geht es weiter? Das ist die große Frage. Klar ist nur: im kleineren Rahmen. Mit welchem Personal? Steht nicht fest. Und soll erst abschließend entschieden werden nach einem Blick in die Kasse. Wichtigste Figur der Zukunftsplanung ist der Trainer. Matthias Mink sagt: „Ich habe kein rechtsverbindlich unterschriftsreifes Vertragsangebot vorliegen.“ Vorstandsmitglied Dirk Lassen hatte zuvor von einem „abgespeckten Angebot“ gesprochen. Das ist durchaus in Frage zu stellen – schließlich gibt es im KSV neben dem Trainer niemanden mit hoher sportlicher Kompetenz. Die Einführung eines Sportlichen Leiters macht angesichts zurückgeschraubter Ziele keinen Sinn mehr. Da läge es näher, einen Trainer zusätzlich mit Aufgaben der sportlichen Leitung zu betrauen – natürlich nur bei sorgfältiger Begleitung durch die Gremien. Ausgerechnet beim Trainer zu sparen, ob der nun Mink heißt oder nicht, könnte ein Eigentor sein.

Wer beispielsweise soll derzeit beim KSV den Kader zusammenstellen, wenn nicht ein Trainer mit entsprechendem Netzwerk? Die Löwen verfügen über kein ausgebautes Scoutingsystem. Und trotz aller Fortschritte im Unterbau sind sie in der Nachwuchsförderung noch einiges davon entfernt, die erste Mannschaft speisen zu können. Deren aktueller Kader hängt derzeit im luftleeren Raum – so wie der Verein und seine Fans.

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