Interview: Trainer Matthias Mink über den KSV und seinen neuen Klub Steinbach

Steht heute für den TSV Steinbach an der Seitenlinie: Matthias Mink, Ex-Trainer des KSV Hessen. Foto: Hedler

Kassel. Fußball-Regionalligist KSV Hessen Kassel tritt heute ab 14 Uhr beim TSV Steinbach an. Das Besondere: Die Löwen treffen dabei auf ihren ehemaligen Trainer Matthias Mink, der nach seinem Abschied aus Kassel einen Vertrag in Steinbach unterschrieb. Im Interview äußert sich Mink über sein altes und über sein neues Team.

Herr Mink, Sergej Schmik hat gesagt, wir wollen Matthias Mink zeigen, dass wir noch regionalligatauglich sind. Haben Sie daran gezweifelt?

Matthias Mink: Darüber habe ich mir bei meiner Entscheidung, den KSV zu verlassen, eigentlich weniger Gedanken gemacht. Fakt ist, dass die Mannschaft in den ersten Spielen der Saison bewiesen hat, dass sie regionalligatauglich ist, weil sie nicht nur gepunktet, sondern auch sehr gut gespielt hat.

Warum sind Sie dann nicht beim KSV geblieben?

Mink: Weil die Rahmenbedingungen nicht gestimmt haben zu der Zeit der Vertragsverhandlungen. In den zweieinhalb Jahren, in denen ich Trainer war, haben wir uns schon etwas aufgebaut, da wollte ich persönlich den nächsten Schritt machen. Und ich habe gemerkt, dass in Kassel meine sportlichen Ansprüche wohl nicht realisierbar sein werden.

Daher der Wechsel nach Steinbach?

Mink: Die Geschichte mit Steinbach war zum Zeitpunkt meiner Entscheidung, den KSV zu verlassen, noch nicht absehbar. Die war nicht von langer Hand geplant, sondern ergab sich aus meinem Abschied vom KSV. Sicherlich ist die sportliche Situation in Steinbach eine andere als in Kassel, aber wir müssen sehen, wo sie auf Strecke hinführt.

Beim Blick auf den Kader erscheint der TSV sehr ambitioniert. Wohin soll der Weg führen?

Mink: Der Verein hat einen beeindruckenden Weg hinter sich und sicher sehr gute Perspektiven, weil viel Entwicklungspotenzial in ihm steckt. Zudem haben wir sehr viele gute Einzelspieler, die aber auch erst zusammenfinden müssen. Unser Ziel für diese Saison ist aber klar: Wir wollen von Anfang an nichts mit dem Abstieg zu tun haben.

Sie untertreiben mal wieder.

Mink: Das sehe ich nicht so. Das ist eine sehr harte Liga mit vielen Traditionsvereinen. Zwei Drittel der Klubs werden gegen den Abstieg spielen. Also ist das Ziel legitim. Natürlich wollen wir es schaffen, in vielen Spielen mit den Großen auf Augenhöhe zu sein. Hoffentlich wird uns das in jedem Spiel so gut gelingen wie zuletzt gegen Hoffenheim II.

Ist es im beschaulichen Steinbach einfacher, etwas zu entwickeln, als in Kassel mit einem Umfeld, das traditionell hohe Ansprüche hat?

Mink: Ob es einfacher ist, weiß ich nicht. Wir haben es ja auch in Kassel lange Zeit geschafft, in Ruhe arbeiten zu können. Bis im letzten halben Jahr die wirtschaftlichen Probleme auftraten und dadurch Unruhe aufkam.

Zu Beginn sind Sie in Steinbach auch schon laut geworden. Nach dem 0:5 gegen Elversberg haben sie klar gesagt, dass es so nicht weitergehen kann. Das war für Ihre Verhältnisse deutlich.

Mink: Laut geworden bin ich eigentlich nicht, nur in der Wortwahl war ich womöglich etwas drastischer als sonst. Das musste auch sein, weil es so nicht weitergehen konnte, wie wir uns in der zweiten Halbzeit gegen Elversberg präsentiert haben. Am liebsten wäre mir aber gewesen, dass es dazu gar nicht gekommen wäre.

Zuletzt gab es vier Siege in Folge. Jetzt kommt der KSV Hessen nach Steinbach. Ist das ein besonderes Spiel für Sie?

Mink: Ja, da will ich gar nicht drumherumreden. Es geht gegen meinen Ex-Verein, da kribbelt es dann schon ein bisschen mehr, wobei ich meine persönliche Situation nicht zu hochhängen möchte. Es wird am Ende ein ganz normales Fußballspiel sein.

Ihr Nachfolger Tobias Cramer hat gesagt, Sie seien wie ein Mentor für ihn. Geben Sie ihm Tipps, wie Steinbach zu schlagen ist?

Mink: Sollte er das mit dem Mentor tatsächlich gesagt haben, dann wahrscheinlich aus reiner Höflichkeit. Die kann ich zurückgeben: Ich freue mich auch auf ein Wiedersehen. Aber das mit dem Ratschlag lassen wir lieber sein.

Sie haben mit Steinbach bisher ja immer gegen ein Team gespielt, das kurz darauf Gegner des KSV ist. Wird sich dann ausgetauscht mit Tobias Cramer?

Mink: Wir telefonieren schon regelmäßig, aber da geht es nicht immer um rein sportliche Dinge. Zuletzt hat er etwa nach unserem Spiel gegen Homburg angerufen und zum Sieg gratuliert. In der Regel sprechen wir über private Dinge.

Auf wen oder was freuen Sie sich denn noch, wenn der KSV in Steinbach gastiert?

Mink: Auf die ehemaligen Spieler, auf die Offiziellen, auch wenn ich nach Kassel jetzt nicht mehr so viel Kontakt habe. Außer ein paar Geburtstagsgrüßen an den einen oder anderen gab es nach meinem Abschied nicht viele Anknüpfungspunkte an Kassel. 

Matthias Mink (49) stammt aus dem Schwarzwald, er spielte zunächst bei der DJK Villingen Fußball, später beim Zweitligisten Fortuna Köln. Auch als Trainer arbeitete er bei der Fortuna, ehe er über die Reserve von Bayer Leverkusen 2014 zum KSV kam. Mit ihm gelang den Löwen der Klassenerhalt, 2015 wurden sie unter Mink Hessenpokalsieger. Zur neuen Saison wechselte Mink zum TSV Steinbach. Er ist verheiratet, hat drei Kinder. Die Familie wohnt in Köln. 

Hintergrund: Der Sponsor und bekannte Spieler

Für den TSV Steinbach ist es das zweite Jahr in der Regionalliga Südwest. In diesem Sommer verstärkten sich die Steinbacher unter anderem mit Nico Herzig von Zweitligist Würzburger Kickers und Daniel Engelbrecht von Alemannia Aachen. Mit Sargis Adamyan steht zudem ein Spieler im Kader, der schon für die armenische Nationalmannschaft auflief. Dass der Verein ab 2009 aus der untersten Liga in die Regionalliga aufgestiegen ist, machte der Steinbacher Roland Kring möglich. Sein Unternehmen Sibre, das Bremsen für Industrieanlagen herstellt, ist Hauptsponsor und macht einen Jahresumsatz in zweistelliger Millionenhöhe.

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