Kommentar zum KSV: Chance und Risiko

Fußball-Regionalligist KSV Hessen Kassel durchlebt turbulente Tage. Hauptsponsor VW zieht sich 2017 zurück, Vorstandsvorsitzender Hans-Jochem Weikert ist zurückgetreten. Ein Kommentar von Florian Hagemann.

Nach diesem Samstag blickt der KSV Hessen mehr denn je in eine unsichere Zukunft. Das bedeutet aber nicht, dass sie so trist sein muss wie die Begegnung gegen Spielberg in der ersten Halbzeit. Vielmehr lässt sich aus der aktuellen Lage und dem VW-Aus auf Raten auch eine Chance ableiten: Der Verein wird zu richtungsweisenden Entscheidungen gezwungen – das ist manchmal nicht verkehrt.

Lesen Sie auch:

KSV Hessen: Weikert zurückgetreten, VW steigt 2017 aus

Dabei steht die Frage im Vordergrund, ob es dem Klub mit seinen Aufstiegsambitionen ernst ist. Ist das nicht der Fall, sollte er jetzt schon den Umbruch hin zu einem Verein einleiten, der ausschließlich auf Spieler aus der Region setzt, um so überhaupt noch eine Überlebenschance zu haben. Hat der KSV aber tatsächlich das Ziel Dritte Liga im Auge, so muss er bereit sein, ein finanzielles Risiko einzugehen und sich in Sachen Vermarktung professioneller aufzustellen.

Denn: Die nach dem angekündigten Rückzug von VW missliche Lage in erster Linie auf die Verweigerungshaltung der heimischen Wirtschaft zurückzuführen, ist zwar nicht gänzlich unbegründet und aus Sicht des Vereins verständlich. Die Betrachtung berücksichtigt aber nur eine Seite. Was dabei fehlt, ist die Selbstkritik. Schließlich hat der Klub immer noch mit den Spätfolgen einer einst desolaten Außendarstellung zu kämpfen, die mit der Entlassung Mirko Dickhauts als Trainer einsetzte. Außerdem verkennt die Rüge an die heimische Wirtschaft die Gesamtsituation mit drei ambitionierten Klubs in einer überschaubaren Region.

Davon ab lässt sich auch das Engagement von VW hinterfragen. Bei aller Wertschätzung für die Unterstützung: Es mangelte am letzten Willen, das Unternehmen Aufstieg wirklich konsequent zu begleiten – sprich: mehr Geld in die Hand zu nehmen. In Zeiten, in denen aus dem VfL Wolfsburg ein Team mit Weltmeistern geformt wurde, wäre das durchaus möglich gewesen. So ist der Ausstieg von Volkswagen bedauerlich, aber er muss nicht das Ende sein.

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren: Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.