„Vielleicht brauchen wir den Druck“

KSV-Außenverteidiger Sergej Schmik im Interview

Kassel. Mit dem Spiel in Steinbach beginnt für den Fußball-Regionalligisten KSV Hessen Kassel am Freitag die Restrückrunde.

Mit dabei: Außenverteidiger Sergej Schmik. Im Gespräch äußert er sich auch zu den Zielen der Löwen.

Sergej Schmik, Sie haben kürzlich Ihren Vertrag beim KSV Hessen um drei Jahre verlängert. Wie lange mussten Sie überlegen?

Schmik: Nicht lange. Meine Familie fühlt sich wohl hier, unsere Tochter Paula ist im vergangenen Jahr in Kassel geboren. Von daher haben wir allein schon aus diesem Grund eine besondere Verbindung zu Kassel. Davon ab: Ich hatte bisher tolle eineinhalb Jahre beim KSV, und ich glaube an das Potenzial dieser Mannschaft. Wir werden noch einiges reißen.

Vermissen Sie gar nichts?

Schmik: Wir haben vorher in Meppen gelebt, dagegen ist Kassel eine Großstadt mit allem, was es braucht. Und die Menschen hier sind genauso herzlich wie die in Meppen - und nicht so distanziert wie die aus Ostwestfalen, wo ich aufgewachsen bin.

Das heißt: Das Gemähre rund um den KSV Hessen Kassel ist Ihnen völlig fremd?

Schmik: Das bekomme ich schon mit. Ich kann das auch nachvollziehen, wenn die Zuschauer im Auestadion manchmal ihren Unmut äußern und mehr von uns verlangen.

Apropos mehr verlangen: KSV-Boss Hans-Jochem Weikert hat während des Neujahrsempfangs der Löwen zwei Ziele ausgegeben: die Titelverteidigung im Hessenpokal und den Aufstieg in der kommenden Saison. Hat Sie diese offensive Herangehensweise überrascht?

Schmik: Nicht wirklich, weil wir natürlich schon bei meiner Vertragsverlängerung über die Ziele gesprochen haben. Fakt ist, dass die Mannschaft eine gute Entwicklung genommen hat und dass wir Spieler uns untereinander gut verstehen.

Aber außer Ihnen hat noch kein Spieler seinen Vertrag verlängert?

Schmik: Ich glaube schon, dass der Stamm zusammenbleibt, zumal einige Spieler ja noch Vertrag haben. Wenn das Team darüber hinaus im Sommer noch verstärkt wird, ist das Ziel Aufstieg sicherlich nicht unrealistisch. Zumindest wird durch die Zielsetzung Druck aufgebaut. Und vielleicht brauchen wir gerade diesen Druck. Wir sehen ja in dieser Saison, dass wir gerade in den Spitzenspielen nah dran sind an den Topteams. Oft waren wir die bessere Mannschaft, nur hat die Erfahrung gefehlt. Und dann hat uns die rote Karte gegen Shqipon Bektashi natürlich sehr weh getan.

Der KSV ist aktuell Sechster. Das Kicker-Sportmagazin hat jüngst das Rennen um die Relegationsplätze abgebildet. Der KSV war da nicht mehr vertreten. War das Ignoranz oder realistisch?

Schmik: Das ist schon realistisch - bei elf Punkten Rückstand auf einen Playoffplatz. Trotzdem sollte niemand uns schon abschreiben. Wir wollen zumindest da sein, wenn die anderen schwächeln oder unter Druck geraten. Und das werden die Teams, die vorne stehen, zwangsläufig. Sie haben mehr zu verlieren als wir. Deshalb müssen wir versuchen, gleich mit einer Siegesserie zu starten.

Und was ist mit dem Hessenpokal?

Schmik: Jeder will dieses Ding wieder in den Händen halten. Die Titelverteidigung wäre auch deshalb wichtig, weil die neue Saison dann gleich wieder mit einem Höhepunkt starten würde.

Mit Ihnen in der Startelf?

Schmik: Das wird sich zeigen.

Fakt ist, dass Sie in dieser Saison der Dauerbrenner des KSV sind: Sie haben keine einzige Minute gefehlt.

Schmik: Das stimmt, und das ist auch nicht selbstverständlich. Ich bin froh, dass ich verletzungsfrei geblieben bin und immer auf dem Platz stand.

Heißt das auch, Sie sind zum Führungsspieler gereift?

Schmik: Mit 26 Jahren gehöre ich ja schon zu den älteren Spielern. Da ist es generell so, dass du versuchst, die anderen mitzureißen und mehr Verantwortung zu übernehmen. Aber ich bin auch da noch Lernender und orientiere mich an unserem Kapitän Tobias Becker und auch an Tobias Damm, der mit 32 immer Vollgas gibt.

Zur Person: Sergej Schmik (26) ist in der Nähe von Pawlodar (Kasachstan) geboren. Mit elf Monaten kam seine Familie nach Paderborn. Dort begann seine Karriere als Fußballer. Beim SC absolvierte er ein Zweitliagspiel. Über den SV Wilhelmshaven und den SV Meppen kam der Außenverteidiger 2014 zum KSV Hessen. Schmik ist Bürokaufmann, studiert nun. Verheiratet, Tochter Paula.

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