Zukunft des 30-Jährigen ungewiss

KSV-Kapitän Tobias Becker: „Man hat uns zu lange im Unklaren gelassen“

Blick zurück: KSV-Kapitän Tobias Becker beklagt, dass Spieler und Trainer zu spät über die Pläne des Vereins informiert wurden. Der Vertrag des Mittelfeldspielers läuft am Saisonende aus.

Kassel. Der KSV Hessen Kassel befindet sich derzeit in einer schweren Situation. Viele Spieler und der Trainer wissen nicht, wie oder wo es weitergeht, nachdem der Klub vergangene Woche eine Reduzierung von Etat und Ansprüchen angekündigt hat.

Ein Gespräch mit Tobias Becker, dem Kapitän, über den Schwebezustand beim KSV:

Herr Becker, wie schwer ist es derzeit, sich auf die anstehenden letzten Spiele vorzubereiten? 

Becker: Wir spulen halt unser Programm ab. Leistung und Ergebnisse waren ja durchaus auch okay zuletzt - auch wenn wir gegen Kaiserslautern wieder in alte Muster verfallen sind und unsere Chancen nicht genutzt haben. Letztlich ist es so: Die Fans haben die Saison abgehakt. Wir spielen sie jetzt zuende.

Das klingt resigniert. Wie schwer ist die Situation derzeit für Sie und Ihre Mannschaftskameraden? 

Die Abschiedstournee der Saison führt den KSV Hessen Kassel am Mittwoch, 11. Mai, nach Bahlingen. Um 18 Uhr beginnt im Kaiserstuhlstadion die Partie beim Tabellenvierzehnten.

Becker: Natürlich beschäftigt uns die Situation. Das zieht sich ja seit Wochen, seitdem VW den Rückzug angekündigt hat, dass wir nicht wissen, woran wir sind. Es ist für niemanden schön, nicht zu wissen, wie es im Sommer weitergeht. Jeder von uns muss jetzt schauen: Wo kann ich in Zukunft Fußball spielen?

Haben denn überhaupt Gespräche mit dem Verein stattgefunden? Wie lief die Informationspolitik in den letzten Wochen? 

Becker: Es ist seit der VW-Aussage viel zu lange nichts passiert. Es gab mit uns keine Gespräche über Ziele oder Vorstellungen des Vereins. Da hätte man die Mannschaft, Trainer aber auch das Vereinsumfeld deutlich früher informieren können. Man hat uns viel zu lange im Unklaren gelassen. Wenn man Spieler halten will, muss man mit ihnen sprechen. In zehn Tagen ist die Saison beendet. Noch wichtiger ist aber natürlich die Personalie des Trainers. Die müsste doch längst entschieden sein. An ihr hängt ja auch einiges bei der Frage, wie es mit vielen Spielern weitergeht.

Es ist zu hören, dass diese Woche eine Entscheidung fallen soll. 

Becker: Das habe ich auch gehört – allerdings vor zwei oder drei Wochen.

Also steht zu erwarten, dass viele Spieler den Verein verlassen werden, oder? 

Becker: Dem Verein muss ja klar sein, dass die, die keinen Vertrag haben, nicht bis zum Sommer warten, ob irgendein Angebot kommt. Als Spieler klopfst du auch nicht an der Geschäftsstelle an und fragst, wie es mit einem neuen Vertrag aussieht.

Wie sehr bedauern Sie die aktuelle Entwicklung beim KSV? 

Becker: Wir waren auf einem guten Weg, stehen ungefähr da, wo wir uns eingeschätzt haben. Sicherlich bleibt der Eindruck, dass sportlich noch mehr drin gewesen wäre. Das haben aber auch Verletzungen und Sperren, wie die von Bektashi, verhindert. Auch im Pokal haben wir in den letzten zwei Jahren gezeigt: Potenzial ist da. Man hat natürlich auch gesehen, wo es noch hapert.

Das, wo es hapert, hätte aber behoben werden können? 

Becker: Natürlich. Noch mal: Wir waren auf einem guten Weg. Das Gerüst war da. Darauf hätte man aufbauen können. Natürlich ist mir aber auch klar, dass das einhergehen muss mit den finanziellen Mitteln. Im Sommer wird der Stamm der Mannschaft wohl nicht mehr da sein, weil die finanziellen Mittel fehlen. Für die Zukunft könnte der Verein die Kommunikation mit seinen Angestellten und dem Umfeld gegenüber überdenken und verbessern.

So wird das Spiel gegen Köln kommende Woche auch zum Abschied? 

Becker: Es wird zumindest der schöne gemeinsame Abschluss einer Saison, in der wirklich viel passiert ist.

Und der Kapitän Tobias Becker? Gibt es überhaupt noch die Chance, dass er kommende Saison im Trikot des KSV aufläuft? 

Becker: Ich habe keine Ahnung. Ich weiß es einfach nicht.

Tobias Becker, 30, wurde am 30. April 1986 in Torgau (Sachsen) geboren. Er spielt seit 2012 für den KSV Hessen, ist aktueller Kapitän der Mannschaft. Vorherige Stationen waren Magdeburg und Chemnitz. Sein Vertrag bei den Löwen läuft am Saisonende aus. Verlobt mit Nancy. Beendet gerade seine Ausbildung zum Groß- und Einzelhandelskaufmann.

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