Bringen Kickers-Fans die Fahnen der Kasseler Ultras mit?

KSV-Spiel gegen Offenbach: Brisanz wegen geklauter Banner

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Da waren die Banner noch da: Dieses Bild wurde im Oktober des vergangenen Jahres im Auestadion aufgenommen. Bei der Begegnung gegen Saarbrücken waren die Zaunfahnen der Ultras aus Kassel noch nicht gestohlen worden.

„Wo sind eure Fahnen hin?“ Diese hämischen und provokanten Gesänge von Fans generischer Mannschaften mussten sich die KSV-Anhänger „Ultras“ in jüngster Zeit wiederholt anhören.

Ob nun von Fans aus Gießen beim Finale des Hessenpokals im Auestadion oder beim letzten Auswärtsspiel in Trier.

Bundesweit ist in den Fanszenen bekannt, dass die Ultras aus Kassel im April beim Auswärtsspiel des KSV in Zweibrücken überfallen wurden: So genannte Problemfans aus Offenbach stehen unter Verdacht, die Zaunfahnen der Kasseler Gruppierungen Scena Chassalla und LunatiKS gestohlen zu haben. Nach dem Überfall ließen sich die Offenbacher Fans mit den gestohlenen Bannern fotografieren und veröffentlichten das Foto im Internet. Schon damals wurde in Foren gemutmaßt, dass die OFC-Fans die gestohlenen Banner am 23. Mai zum letzten Spieltag der Regionalliga Südwest mit ins Auestadion bringen, um die Kasseler zu demütigen.

Begegnungen zwischen Offenbach und Kassel werden ohnehin von der Polizei als Risikospiele mit besonderen Sicherheitsvorkehrungen (zum Beispiel strikte Fantrennung) eingestuft. Das Spiel am Samstag werde aufgrund des Bannerdiebstahls ein Risikospiel mit einer „besonderen Brisanz“, sagt Andreas Ströh, szenekundiger Beamter im Polizeipräsidium Nordhessen. „Wir rechnen mit Problemfans auf beiden Seiten.“ Bei den Einlasskontrollen werde der Sicherheitsdienst im Stadion aber genau hinschauen, was für Banner die Anhänger aus Offenbach mitbringen.

Die Polizei gehe bei aller Brisanz aber davon aus, dass es am Samstag ein sicheres Fußballspiel wird. „Mit einem angemessenen Kräfteeinsatz garantieren wir, dass es eine friedliche Veranstaltung im Auestadion wird“, sagt Polizeidirektor Michael Tegethoff, Leiter der Polizeidirektion Kassel. Auch wenn vereinzelte „Fans über die Strenge schlagen sollten“.

Da es für den vorzeitigen Meister Offenbach nicht mehr um den Titelgewinn gehe, rechne man mit 600 bis 800 Auswärtsfans, sagt Ströh.

Dennis Pfeiffer, Fan-Sozialarbeiter beim KSV, geht von bis zu 1000 Offenbachern aus. Schließlich sei es die letzte Auswärtsfahrt der Saison. Auch wenn es bis zu dem Überfall in Zweibrücken keine großen Auseinandersetzungen zwischen KSV- und OFC-Anhängern gegeben habe, „bin ich nicht so gelassen wie sonst“, sagt Pfeiffer, der einen guten Kontakt zu den Mitarbeitern des Offenbacher Fanprojekts hat. In der Offenbacher Fanszene sei es übrigens nicht bei allen gut angekommen, dass die Banner der Kasseler Ultras gestohlen wurden.

Pfeiffer befürchtet auch, dass es am Samstag in Kassel zu einer Art „Krawalltourismus“ von Anhängern anderer Mannschaften kommen könnte, die auf Randale aus sind. Der Polizei hat laut Ströh keine Hinweise darauf.

Pyrotechnik im Pokalfinale

Dass es mitunter zu „Krawalltourismus“ auch im Kasseler Auestadion kommt, verdeutlicht Fan-Sozialarbeiter Dennis Pfeiffer am Beispiel des Hessenpokal-Finalspiels, das am 13. Mai stattfand.

In der zweiten Halbzeit wurde in der Südkurve, wo die Fans aus Gießen untergebracht waren, Pyrotechnik gezündet. Laut Pfeiffer sollen Hooligans aus Frankfurt dafür verantwortlich gewesen sein.

Nach Angaben von Andreas Ströh, szenekundiger Beamter im Polizeipräsidium Nordhessen, habe man mittlerweile zwei Tatverdächtige identifiziert. Die beiden Männer sollen zwar aus dem Umfeld von Gießen kommen, aber eine eindeutige Affinität beziehungsweise Vorliebe für Eintracht Frankfurt haben.

Hintergrund: Muss sich die Scena Chassalla auflösen?

In der Ultra-Szene gibt es ein „ungeschriebenes Gesetz“, dass der Verlust der Zaunfahne quasi einer Katastrophe gleichkommt. Die bestohlene Gruppe muss sich nach diesem Ehrenkodex eigentlich auflösen. Im Jahr 2008 löste sich zum Beispiel eine Ultra-Gruppierung aus Gladbach auf, nachdem deren Zaunfahne von Kölner Anhängern gestohlen wurde. Dem Vernehmen nach will sich die Scena Chassalla im Sommer darüber Gedanken machen, ob sie sich wegen des Diebstahls auflöst.

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