Ingmar Merle vom KSV Hessen Kassel ist nach drei Operationen auf dem Weg der Besserung

Er lässt sich nicht unterkriegen

Arbeiten fernab der Mannschaft: Ingmar Merle (links) vom KSV trainiert Anfang 2013 nach seiner ersten Operation mit Physiotherapeut Markus Endert. Mittlerweile ist Merle ein drittes Mal operiert worden. Foto: nh

Kassel. Es kommt auch schon mal vor, dass Ingmar Merle von seinen Freunden gefragt wird, ob er nicht langsam die Schnauze voll habe. Liegt ja irgendwie auch nahe: Der Mittelfeldspieler des Fußball-Regionalligisten KSV Hessen Kassel ist Anfang Januar das dritte Mal innerhalb eines Jahres operiert worden, im gesamten Kalenderjahr 2013 kam er gerade mal auf fünf Kurzeinsätze für die erste Mannschaft der Löwen.

Einmal sah er dabei auch noch die Rote Karte. Da wäre es nicht ganz abwegig, ab und zu mal die Welt zu verfluchen.

Also: Schnauze voll? Merle antwortet: „Nein.“ Der 23-Jährige hat gelernt, mit der Situation umzugehen und sie mit Ruhe und Geduld zu meistern. „Sicher haben Fußballer immer den Drang, so schnell wie möglich zurück auf den Platz zu kommen. Aber es bringt nichts, es zu überstürzen“, sagt er – auch aus Erfahrung. Denn: „Körper ist Kapital.“

Merles Leidensgeschichte beginnt Ende 2012, als er Probleme mit der Leiste hat. Anfang Januar 2013 wird er in Kassel operiert, er macht Reha, tastet sich heran, trainiert wieder mit der Mannschaft. Aber die Schmerzen bleiben. In der Sommerpause erfolgt eine zweite Operation. Die Schmerzen bleiben.

Merle absolviert eine Deutschlandtour durch Arztpraxen. Er ist in München, in Berlin, in Dortmund. Jeder rät etwas anderes. Die Schwierigkeit: Es gibt keine eindeutige Diagnose. Schließlich vertraut sich Merle einem Mediziner in Frankfurt an. Der findet schließlich die vermeintliche Ursache für das Leiden – und operiert Merle am 9. Januar an der Hüfte.

Der Mann aus der Schwalm, der mittlerweile im Kasseler Stadtteil Nordshausen lebt, hat jetzt die Hoffnung, dass es aufwärts geht. „Ich fühle mich soweit gut“, sagt Merle. Schon bald beginnt er mit der Bewegungstherapie, in vier Wochen will er ins Lauftraining einsteigen.

Dass er den Mut nicht verliert – davor schützt ihn die eigene Einstellung, wie er sagt. „Ich habe weiterhin großen Bock, Fußball zu spielen.“ Und das für den KSV. Den Kontakt zu seinen Teamkollegen hat Merle auch dann nicht abreißen lassen, als er für sich Aufbautraining leisten musste. „Ich wollte mich nicht abkapseln, um so vielleicht auch eine Stütze für die jüngeren Spieler sein zu können“, sagt er. Außerdem: „Ich wollte so auch meinen zweiten Arbeitsplatz pflegen.“ Merles erste Arbeitsstelle ist bei VW – in der Personalabteilung.

Doch Akzente will er bald auch wieder auf dem Fußballplatz setzen. Zur Lage seiner mittlerweile abstiegsgefährdeten Löwen sagt er: „Wir sollten die letzten Monate ruhen lassen. Alles andere bringt uns ja nicht weiter.“ Eine Aussage, die auch auf ihn und seine Verletztengeschichte ganz gut passt.

Von Florian Hagemann

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