Analyse: Der Trainer des KSV polarisiert und sorgt für jede Menge Widersprüche

Lieber Wolf, böser Wolf

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Immer unter Strom: KSV-Trainer Uwe Wolf.

Kassel. Dass Uwe Wolf am Dienstag nicht zur Pressekonferenz und damit zu einer öffentlichen Veranstaltung des KSV Hessen Kassel erschien, ist natürlich nur eine Geschichte am Rande.

Und doch passt sie zu gut zu diesem Mann, der voller Widersprüche steckt: Seit Monaten fordert er eine Pressekonferenz auch vor den Spielen, weil er meint, das gehört auch bei einem Viertligisten zur Professionalität. Dann findet die erste Pressekonferenz statt – und Uwe Wolf kommt nicht zum vereinbarten Termin.

Das ist so unbegreiflich, wie Uwe Wolf unbegreiflich ist. Das macht seine Beurteilung nicht leichter – gerade auch für die Vereinsverantwortlichen, die sich nun mit der Frage beschäftigen müssen, ob sie dem 45 Jahre alten Fußballlehrer einen Vertrag für die nächste Saison geben, sollten die Löwen dann noch immer in der Regionalliga kicken.

Einer dieser Verantwortlichen hat einmal gesagt, Uwe Wolf könne in einem Moment der netteste Familienvater der Welt sein und im nächsten ein kleiner Terrorist. Zu Beginn der Saison hatte Wolf immer mal seinen drei Jahre alten Sohn Leo dabei – selbst beim Training. Nach dem ersten Spiel gegen Mannheim durfte Leo während der Pressekonferenz neben dem Papa Platz nehmen. Wolf gab seinem Sohn das Mikro und interviewte ihn. Das war sehr süß. Ein paar Wochen später kanzelte Wolf an selber Stelle Stürmer Tobias Damm ab, als hätte er das Feingefühl eines Mähdreschers. Lieber Wolf, böser Wolf. Er hat alle guten Umgangsformen, wie ein KSV-Mann sagt. Er beherrscht aber zugleich die Sprache der Gosse.

Über das Ziel hinaus

Wolf ist einer, der mit der einen Hand etwas aufbauen und mit der anderen Hand wieder alles zerstören kann, der etwas Gutes meint und etwas Schlechtes tut. So thematisierte Wolf mal wieder die miesen Platzverhältnisse im Auestadion. Er sagt, man könne sie nicht 15 Jahre lang beklagen, aber nichts verändern. Wolf wollte verändern, schoss aber einmal mehr über das Ziel hinaus, als er – selbst ein akribischer Arbeiter – öffentlich die Arbeitsmoral der städtischen Mitarbeiter infrage stellte. Der Verein musste bei der Stadt antreten.

So schafft Wolf eine maximale Polarisierung: Bei den Fans in der Kurve ist er beliebt, andere vergrault er: die Anhänger auf der Haupttribüne, die er jüngst im Interview mit Radio HNA kritisierte, und Vereinsverantwortliche, die er gern spüren lässt, dass er mehr Durchblick hat als sie.

Wolf ist das Gegenteil eines Diplomaten. Handeln bei ihm heißt: vorpreschen mit dem ganzen Körper und dem ganzen Selbstbewusstsein eines Uwe Wolf. Er geht dann halt mal selbst zum Hauptsponsor VW, um zu gucken, was geht. Er lässt den Bus mit seinem Team zum Auswärtsspiel nach Elversberg abfahren, obwohl noch nicht feststeht, ob gespielt wird. Wolf verbucht das unter professionellem Verhalten. Im Verein aber haben sie es als einen der vielen Alleingänge Wolfs gewertet.

So sorgt der Mann der Widersprüche dafür, dass sich auch der Klub in einer widersprüchlichen Lage befindet: Der KSV ist vor dem Spiel am Samstag gegen Hoffenheim II vorn mit dabei, aber die Stimmung nicht wirklich gut.

Von Florian Hagemann

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