Der Mann der Stunde beim Kasseler Fußball-Regionalligisten

Mal liest er, mal schießt er: Henrik Giese vom KSV Hessen

Der Vorleser: Henrik Giese zu Gast in der Grundschule Am Lindenberg. Foto: Hedler

Kassel. An diesem Vormittag geht es um die Teufelskicker und dabei vornehmlich um Moritz, der einst keine Lust mehr hatte auf Fußball, dann doch noch durchstartet und das entscheidende Tor schießt.

Henrik Giese liest gemeinsam mit seinem Teamkollegen Frederic Brill aus dem Kinderbuch vor, und die Drittklässler der Grundschule Am Lindenberg im Kasseler Stadtteil Forstfeld hören gebannt zu.

Der Termin gehört zum bundesweiten Vorlesetag, an dem regionale Größen und Prominente in Schulen gehen und für das (Vor-)Lesen werben. In gewisser Weise passt er aber auch sonst gut in die Zeit, um Henrik Giese ein wenig näher zu beleuchten. Der 27 Jahre alte Fußballer des Regionalligisten KSV Hessen Kassel steht nämlich derzeit im Rampenlicht – und bei allem, was er so tut, macht er eine gute Figur. Ein bisschen geht seine Geschichte dabei so wie die von Moritz aus dem Buch über die Teufelskicker: Es gibt Zweifel, Tiefen und einen positiven Ausgang.

Freude nach dem Sieg: Henrik Giese bei den Fans.

Giese gehörte vor knapp zwei Jahren schon zu den Spielern, die keine Zukunft mehr zu haben schienen beim KSV. Nur wegen Verletzungen anderer kam er wieder ins Team. Er nutzte seine Chance, sein Vertrag wurde auf den letzten Drücker verlängert. Als in diesem Sommer bei den Löwen vieles im Unklaren lag, hatte sich die Situation schon geändert. Giese zählte neben Sergej Evljuskin zu den beiden Spielern, die Trainer Tobias Cramer trotz des Geldmangels unbedingt halten wollte – aus gutem Grund: Giese ist einer, der kraft seiner Reife Verantwortung übernehmen kann. So nahm er mehr und mehr die Rolle eines Führungsspielers ein. Für Trainer Cramer hängt Gieses Entwicklung auch damit zusammen, dass der sich auf dem Platz nicht mehr so viele Gedanken macht.

Die Bilanz: Von 19 Saisonspielen bestritt der Innenverteidiger 18, einmal fehlte er gesperrt. Giese ist nicht mehr wegzudenken aus der Elf, zumal er jetzt auch noch das Toreschießen für sich entdeckt hat: Beim 3:1 gegen Pirmasens war er in seinem 75. Einsatz erstmals für die Löwen erfolgreich.

Mit dem Jubeln überfordert

Auch dieses Tor und der Umgang mit ihm sagen viel aus über den Abwehrspieler: In einem Gastbeitrag für einen Fanblog schildert er die Entstehung des Treffers mit all den Dialogen, die er mit den Mitspielern führt – etwa mit Adrian Bravo Sanchez. In diesem Text für den „Blog36“ heißt es etwa: „Bravo, sag ich, wir versuchen mal die Variante mit dem Lupfer. ,Wirklich?’, fragt Adrian. ,Lass uns doch lieber normal schießen. Das wär doch besser, oder?’ Und ich so: Nein, wir machen das jetzt!“ Heraus kam ein Traumtor, wobei sich Giese auch an das Danach erinnert: „Mit dem Torjubel war ich irgendwie überfordert.“

Der sah in der Tat unbeholfen aus. Womöglich besteht hier noch Luft nach oben. Ansonsten? Läuft es: Der KSV steht auf Platz sechs, die Abschlussarbeit an der Uni ist geschrieben. Das Ergebnis hat der Mann aus Kiel noch nicht, aber: „Es sieht gut aus“, sagt Giese, der Gymnasiallehrer für Deutsch und Spanisch werden will. Dass er auch im Klassenzimmer überzeugt, zeigt der Vormittag mit den Teufelskickern.

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