Interview über Spiele und Bedeutung des KSV Hessen

NDR-Sportredakteur Andreas Käckell: Minks Arbeit hat Hand und Fuß

Da war die Hütte voll: Beim Erstrundenspiel im DFB-Pokal gegen den Bundesligisten Hannover 96 am 9. August sind 18 482 Zuschauer im Auestadion. Der KSV, hier Sergej Schmik (vorn rechts) im Zweikampf mit Kenan Karaman, spielt gut, verliert aber 0:2. Foto: Hedler

Kassel. Der KSV Hessen Kassel hat ein Jahr der Stabilisierung hinter sich. Mit langsamer Fortentwicklung in der Liga und Höhepunkten im Pokal.

Wir haben mit einem, der nicht mehr in Kassel lebt, als langjähriger Fan und Sportjournalist aber eine interessierte Außensicht auf den Klub hat, gesprochen. Andreas Käckell, aus Kassel stammender NDR-Redakteur, über das Jahr der Löwen.

Herr Käckell, erzählen Sie uns vorab doch etwas über Ihre Beziehung zu den Löwen. 

Käckell: Ich bin mit dem KSV aufgewachsen. Als Junge hat mein Vater mich zu den Spielen mitgenommen. Ich kannte alle Plätze. Bei Hermannia habe ich auf einer Fußbank gestanden, damit ich sehen konnte. Es waren geile Zeiten, die vergesse ich nie. Durch den KSV bin ich auch zu meinem Job gekommen. Ich wusste schon mit 15, dass ich später nur eins machen will: Sportjournalist werden.

Jetzt leben Sie aber schon lange in Hamburg. Hat das die Beziehung zum KSV verändert? 

Käckell: Nein, er ist immer mein Verein Nummer eins geblieben. Wann immer es geht, schaue ich Spiele. Ich verfolge alles, lese jede Zeile, die Ihr berichtet. Im Beruf war das KSV-Fan-Sein auch ein Vorteil – ich hatte nie Probleme, neutral zu sein. Bis zum Aufstiegsspiel gegen Kiel, als ich für den NDR aus Kassel berichtete. Meine Löwen verlieren, aber um mich rum waren jubelnde Kieler.

Was war denn Ihr KSV-Höhepunkt dieses Jahres? 

Käckell: Natürlich der Pokal. Der Sieg in Offenbach war klasse. Dummerweise war ich beim Spiel gegen Hannover in Urlaub. Schlechte Planung. Meine Freunde haben von der Leistung geschwärmt. Am Ende war es aber wie so oft: Der KSV hat seine Chancen nicht genutzt. Das verfolgt uns. Und es blieb ja auch in der Saison so.

Wie beurteilen Sie die Arbeit von Trainer Matthias Mink? 

Käckell: Ich finde ihn richtig gut. Er ist sehr zurückhaltend in der Außendarstellung, das tut gut und war beim KSV ja nicht immer so. Da gab es zu oft Handelnde, die mehr reden als wissen. Minks Arbeit hat Hand und Fuß. Es sind kleine, nachvollziehbare Schritte, die da passieren. Die Mährer, die gleich zwei, drei Schritte auf einmal wollen, sollten wissen: Das geht nicht mit den Möglichkeiten, die der KSV hat.

Bundesweit hat der KSV während der Übertragungen bei Sport 1 für Gesprächsstoff gesorgt: Durch die Proteste der Fans und den Unterleibsgriff von Shqipon Bektashi. Wie haben Sie die Spiele empfunden? 

Käckell: Die Proteste kann ich nachvollziehen. Diese Anstoßzeiten sind schwer für eingefleischte Fans. Das waren fast Geisterspiele. Wie voll hätte es sein können, wenn der KSV samstags gegen Mannheim gespielt hätte? Wie die Kollegen übertragen, das tut mir, bei allem Respekt, auch weh. Es ist toll, dass sie übertragen. Aber ich möchte Fußball sehen, da muss man keine Show drum herum erfinden.

Und der Fall Bektashi? 

Käckell: Das war fürchterlich. Da bekommt der KSV Hessen so viel Aufmerksamkeit – und dann macht er so was. Das hat mich richtig geärgert. Und das musste ich mir natürlich auch bei den Kollegen anhören. Ich hätte mir die Löwen in den TV-Spielen etwas angriffslustiger gewünscht. Aber nicht auf diese Art.

Sie sprechen Ihre Kollegen an. Wie ist denn Ihrer Einschätzung nach das Bild des KSV in Fußball-Deutschland? Spielt er noch eine Rolle? 

Käckell: Er ist noch nicht in der Versenkung verschwunden, aber in die dritte Reihe gerückt. Mir fehlen derzeit vor allem Identifikationsfiguren. Ich vermisse Spieler wie Hansmann, Wulf, Chalaskiewicz oder Bauer. Und auch Figuren wie Erich Balders. Ein Verein kann ganz viel falsch machen. Das ist beim KSV zu oft passiert. Und wenn ich sehe, wie wenige Menschen heute ins Auestadion gehen, dann macht mich das einfach traurig. Da ist aber auch der Verein gefragt. Die Spiele müssen besser verkauft werden. Da reicht es nicht, in der Pause mal aufs Tor schießen zu lassen.

Wie sehen Sie die Zukunft, was erhoffen Sie sich für den KSV? 

Käckell: Einen Schritt nach dem anderem, das ist der richtige Weg. Und Matthias Mink der richtige Mann dafür. Ich hoffe, dass es die Löwen bald in die Dritte Liga schaffen. Mehr wird sehr, sehr schwer. Und was ich mir noch wünsche: endlich wieder einen Stürmer, der richtig trifft.

Zur Person Andreas Käckell (51) ist in Kassel geboren, besuchte das Wilhelmsgymnasium. Mit dem KSV Hessen ist er aufgewachsen. Er studierte in Göttingen, absolvierte sein Volontariat bei der HNA. Seit 1990 ist er beim NDR in Hamburg Sportredakteur, moderiert den Sportblock in den Tagesthemen. Käckell lebt in Norderstedt, ist verheiratet und hat drei Kinder.

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