Peter Stöger

Trainer des 1. FC Köln in Kassel - ein Porträt

Am Dienstag zu Gast im Auestadion: Peter Stöger, Trainer des 1. FC Köln. Foto: dpa

Kassel/Köln. Der KSV Hessen Kassel bestreitet Dienstag, 17. Mai, ab 19 Uhr im Auestadion ein Freundschaftsspiel gegen Bundesligist 1. FC Köln. Wir porträtieren Kölns Trainer Peter Stöger.

Eines der ersten Interviews, das Peter Stöger als Trainer des 1. FC Köln gab, fand in der Sauna statt und wurde im „Express“ abgedruckt. Es ging dabei in erster Linie um Stöger und seine Freundin Ulrike Kriegler, über die Stöger sagte: „Ich muss damit leben, dass sie Kabarett spielt und gut aussieht.“ Stöger schien sich damit einzureihen in die Schar der Trainer, Spieler und Funktionäre, die den Boulevard erst bedienen, und die der Boulevard dann fortjagt, ehe in der Sauna der dritte Aufguss verdampft ist.

Drei Jahre später ist Peter Stöger immer noch Trainer beim 1. FC Köln, was nicht die einzige Überraschung ist. Gemeinsam mit Sportdirektor Jörg Schmadtke hat Stöger etwas vollbracht, was nahezu unmöglich schien: Er hat diesem über Jahre chaotischen Verein etwas Grundsolides verordnet und ihm trotzdem das Karnevalistische nicht genommen.

„Heimstärke Alaaf“

Wenn sich Stöger zum Spiel äußert, wirkt er mitunter wie eine Schlaftablette - daran können auch seine sehr farbenfrohen Brillen, Pullis und Schuhe nichts ändern. Fernab davon aber hat er einen sehr ausgeprägten Sinn für feinen Humor. Während der Karnevalssitzung des Klubs vor einem Jahr schloss er seine kurze Ansprache mit den Worten: „FC Alaaf! Kölle Alaaf! Heimstärke Alaaf!“ Bis dahin hatte seine Elf gerade einmal zu Hause gewonnen. In dieser Saison kam Stöger zum jecken FC-Training am 11.11. als Schiri verkleidet, nachdem die Kölner mehrfach unter Fehlentscheidungen zu leiden hatten. Als beim Spiel gegen Hannover der Unparteiische ein Tor für 96 trotz klaren Handspiels gab, schimpfte Stöger nicht, er ging auch nicht kloppoesk auf den vierten Offiziellen los, sondern er nahm einfach seine Brille ab und hielt sie dem Linienrichter entgegen.

Dem Wiener Stöger ist es mit dieser Mischung aus Trockenheit und Witz gelungen, sogar ein Thema von der Kölner Tagesordnung zu drängen, das über Jahre ein Selbstläufer rund um Domplatz und Rheinenergiestadion war: Über eine Rückkehr von Lukas Podolski spricht höchstens noch Lukas Podolski. Der Kölner an sich hat Abstand genommen vom Größenwahn, der regelmäßig in Abstiegen gemündet ist, und folgt Stögers Mantra der steten Weiterentwicklung: erst Aufstieg, dann Platz zwölf, aktuell ist der FC Neunter. Irgendwann könnte sich so der Kölner Traum vom internationalen Fußball erfüllen.

Stöger ist kürzlich 50 Jahre alt geworden, sein Vertrag läuft bis 2020. Er wäre dann mit Abstand der dienstälteste seiner Zunft beim FC, der Trainer in der Regel schneller entlässt, als Lukas Podolski schießen kann. Als Stöger und sein Co-Trainer Manfred Schmid vor drei Jahren kamen, betonten sie, dass sie gedenken, langfristig zu bleiben. Damals hätte das jeder für einen guten Witz halten können. Heute lacht darüber keiner mehr.

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