Der heutige KSV-Gegner Kickers Offenbach ist in drei Wettbewerben auf Erfolgskurs – 20.15 Uhr, Sport 1

Es regiert die Gier nach Erfolg

Obenauf: Die Offenbacher Kickers, die den besten Zuschauerschnitt der Regionalliga haben. Foto: dpa

Offenbach. Die Aussagekraft von Statistiken ist ja durchaus umstritten. Die Jahrestabelle der Fußball-Regionalliga Südwest ist so ein Beispiel. Da werden Teams aufgeführt, die – wie Großaspach – mittlerweile 3. Liga spielen. Interessant ist aber, dass die Offenbacher Kickers vor dem heutigen Heimspiel gegen den KSV Hessen Kassel (20.15 Uhr, Sport 1) diese Tabelle mit 61 Punkten aus 30 Spielen im Jahr 2014 anführen. Es zeigt, wie steil die Entwicklung bei jenem Klub nach oben geht, der im Juni 2013 Insolvenz anmelden musste.

„Wir arbeiten hart und ehrlich“, erklärt Angreifer Benjamin Pintol den Aufschwung bei den Kickers, die im Kalenderjahr nur drei Niederlagen in 45 Punktspielen kassierten. Die bisher einzige Pleite in dieser Spielzeit gab es am 1. Spieltag mit dem 0:3 in Pirmasens.

Die Schlappe beim Aufsteiger war ein Weckruf. Es folgten 14 Ligaspiele ohne Niederlage. Seit letztem Wochenende darf sich der OFC Herbstmeister nennen. „Wir haben die richtigen Lehren gezogen“, sagt Kapitän Daniel Endres. Der Torwart gehört mit Innenverteidiger Giuliano Modica, Mittelfeldabräumer Klaus Gjasula und Spielgestalter Matthias Schwarz zu den Leistungsträgern.

Auch in zwei weiteren Wettbewerben läuft es glänzend. Im DFB-Pokal sind die Kickers als einziger Viertligist ins Achtelfinale eingezogen. Im Hessenpokal steht das Team von Trainer Rico Schmitt bereits im Viertelfinale. Dort erwartet der OFC wie in der Vorsaison Kassel.

Die Erfolge sind mit einer veränderten Selbstwahrnehmung einhergegangen. „Wir sind aktuell ein Spitzenteam und werden als solches wahrgenommen“, hat Trainer Rico Schmitt registriert. Sein Team hat keine Mühe, damit umzugehen. „Die Gier nach Erfolg ist sehr stark ausgeprägt“, hat Martin Röser als Erfolgsgeheimnis ausgemacht. Der Rechtsaußen ist einer von nur vier Zugängen in dieser Saison. Schmitt hat den nach dem Zwangsabstieg im Schnelldurchgang zusammengebastelten Kader ganz behutsam verändert.

Kontinuität ist nicht nur beim spielenden Personal das Zauberwort. Insolvenzverwalter Andreas Kleinschmidt, der bis zum Abschluss des Verfahrens die Verantwortung trägt, behielt auch in kritischen Phasen die Ruhe. Er hielt trotz Kritik aus den eigenen Reihen am Trainer und an Geschäftsführer David Fischer fest und warb jüngst bei der Mitgliederversammlung erneut für eine weitere Zusammenarbeit.

Die Erfolge machen sich auch finanziell bezahlt. 6287 Zuschauer kamen im Schnitt zu den sechs Heimspielen – Bestwert in der Liga. Das Weiterkommen im DFB-Pokal spült rund 1,2 Millionen Euro in die Kasse. Doch die Folgen der Insolvenz werden die Kickers lange zu spüren bekommen. Die Profi GmbH wird nach Abschluss des Verfahrens nur kurz schuldenfrei sein. Denn das Präsidium hat sich zusichern lassen, rund drei Millionen Euro, die an Forderungen auf den eingetragenen Verein übergegangen waren, auf die Profi GmbH zurück zu übertragen.

Von Jörg Moll

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