Vor dem Spiel beim KSV: Braunschweig-Trainer Lieberknecht im Interview

Mit vollem Einsatz: Braunschweigs Trainer Torsten Lieberknecht. Foto:  dpa

Kassel. Der KSV Hessen Kassel empfängt am Freitag (18.30 Uhr) Fußball-Zweitligist Eintracht Braunschweig. Im Interview spricht Trainer Torsten Lieberknecht über die Situation bei den Niedersachsen.

Für die Regionalliga-Fußballer des KSV Hessen Kassel steht der erste Höhepunkt in der Vorbereitung ins Haus. Am Freitag gastiert Zweitligist Eintracht Braunschweig im Auestadion. Das Testspiel beginnt um 18.30 Uhr. Für den Erfolg der Niedersachsen stehen stellvertretend zwei Männer: Manager und Ex-Löwe Marc Arnold sowie Trainer Torsten Lieberknecht, mit dem wir vorab gesprochen haben.

Herr Lieberknecht, hat Ihnen Marc Arnold schon etwas über den KSV erzählt?

Torsten Lieberknecht: Nein, das braucht er auch gar nicht. Abgesehen davon ist er momentan im Urlaub. Ich verfolge selbst, was in den Regionalligen passiert. Außerdem habe ich mit dem Ex-Trainer Matthias Mink die Ausbildung zum Fußballlehrer absolviert. Da hält man sich auf dem Laufenden, und ich habe mitbekommen, dass der KSV einen schweren Weg gehen muss.

Nun kommt der Test in Kassel. Welchen Stellenwert hat so ein Spiel für Sie?

Lieberknecht: Für uns ist diese Begegnung ein wichtiger Test. Wir wollen taktische Dinge ausprobieren, die wir im Training erarbeitet haben. Wir haben für die Vorbereitung unsere Gegner gezielt ausgesucht. Zum einen sind es Teams, die über eine gute Defensive verfügen und gegen die wir kreativ sein müssen. Zum anderen gibt es Gegner, gegen die unsere Defensive mehr gefordert ist.

In welche Kategorie fällt der KSV Hessen?

Lieberknecht: Ich kann den KSV noch nicht so richtig einschätzen. Vor ein paar Jahren waren wir schon einmal in Kassel. Damals war alles top organisiert, die Atmosphäre passte - auch deshalb spielen wir wieder gegen den KSV.

Ihre Saison beginnt in drei Wochen. Wie läuft’s bis jetzt?

Lieberknecht: Ich merke, dass wir uns taktisch Schritt für Schritt verbessern. Vor allem habe ich alle Spieler an Bord. Ich bin zufrieden.

Mit Stuttgart und Hannover hat die 2. Liga zwei zusätzliche Hochkaräter hinzubekommen. Wo reiht sich Eintracht Braunschweig ein?

Lieberknecht: Wir sind ein Gesicht der 2. Liga - das haben wir seit dem Aufstieg 2011 geschafft, und das soll so bleiben. Wenn man sich die Teams anguckt, haben wir es mit einer gefühlten ersten Liga zu tun. Es wird eine große Herausforderung. Wir sind ambitioniert, wollen unter die Top 25 in Deutschland, das ist das Ziel. Aber wir wehren uns auch nicht, wenn es am Ende besser wird. Durch den Aufstieg in die Bundesliga hat sich hier schon etwas verändert.

Was hat der Verein aus der Bundesliga-Saison 2013/2014 mitgenommen?

Lieberknecht: Leider den Abstieg. In dem Jahr haben wir uns aber auch enorm weiter entwickelt. Nachwuchszentrum, Stadion, Anzahl der Mitarbeiter - die Infrastruktur hat sich verbessert, in den Verein ist mehr Professionalität eingezogen. Alles in allem hat uns die Bundesliga-Saison sehr vorangebracht.

Vor allem ist Braunschweig wieder sanft im Unterhaus gelandet. Was hat der Klub anders gemacht als beispielsweise zuletzt Paderborn?

Lieberknecht: Angesichts unserer geringen finanziellen Mittel und der 28-jährigen Abstinenz waren wir kein typischer Aufsteiger. Und wir waren auch kein typischer Absteiger. Wir hatten und haben eine Idee. Beim personellen Umbruch haben wir ein gutes Händchen bewiesen, und wir haben die Kaderplanung sukzessive vorangetrieben - das ist entscheidend. So konnten wir uns in den vergangenen beiden Spielzeiten im Dunstkreis um die Aufstiegsplätze bewegen. Bei uns stehen keine Transfererlöse im Vordergrund, sondern die Gesundheit des Kaders. Das ist möglicherweise der Unterschied.

Für Beständigkeit sind Sie der richtige Mann. Sie sind seit 13 Jahren im Verein - das ist heutzutage eine halbe Ewigkeit, finden Sie nicht?

Lieberknecht: Schwer zu sagen. Ich habe Höhen und Tiefen mit diesem Klub miterlebt. Da spielen dann Emotionen mit rein. Mein Herz hängt an dem Verein. Ich arbeite gern dort, wo ich mich wohlfühle. Und außerdem habe ich eine gewisse Wertvorstellung: Wenn ich einen Vertrag habe, will ich den auch erfüllen.

Wie groß ist die Lust, noch einmal Bundesliga-Luft mit Braunschweig zu schnuppern?

Lieberknecht: Wie die Leute hier den Aufstieg gefeiert und gelebt haben, das hat gezeigt, wie groß die Bedeutung des Vereins für die gesamte Region ist. Ich habe große Lust, das noch einmal mitzuerleben.

Zur Person: Torsten Lieberknecht (42) stammt aus Bad Dürkheim am Rande des Pfälzer Waldes. Sein Stationen als Fußballer waren unter anderem 1. FC Kaiserslautern und Eintracht Braunschweig. Seit 2007 ist er als Trainer bei den Niedersachsen tätig - erst bei der U 19, ab 2008 bei der ersten Mannschaft. Lieberknecht ist verheiratet und Vater eines Sohnes.

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